Krieg gegen Ukraine Putin befiehlt Teilmobilisierung der russischen Streitkräfte

Knapp sieben Monate nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine hat Russlands Präsident eine Teilmobilmachung der eigenen Streitkräfte angeordnet. Damit reagiert Wladimir Putin auf die jüngsten militärischen Erfolge der Ukraine.
Braucht neue Soldaten: Russlands Präsident Wladimir Putin zieht Reservisten ein

Braucht neue Soldaten: Russlands Präsident Wladimir Putin zieht Reservisten ein

Foto: IMAGO/Gavriil Grigorov / IMAGO/ITAR-TASS

Der russische Präsident Wladimir Putin (69) hat eine Teilmobilisierung der Streitkräfte angekündigt. Es gehe darum russische Gebiete zu verteidigen, sagte Putin am Mittwoch in einer Fernsehansprache. Russlands Ziel sei es, die ostukrainische Region Donbas zu befreien. Das Dekret zur Teilmobilisierung sei unterzeichnet, die Mobilisierung beginne noch am heutigen Mittwoch.

Der Ölpreis zog nach der Ankündigung an. Rohöl der Sorte Brent  klettert um mehr als 1 Prozent auf 91,66 Dollar pro Barrel.

Die Teilmobilmachung bedeutet nach Putins Worten, dass Reservisten eingezogen werden. Sie würden den gleichen Status und die gleiche Bezahlung bekommen wie die jetzigen Vertragssoldaten und auch vor dem Fronteinsatz noch einmal militärisch geschult, versicherte er.

Putin befürwortet die umstrittenen "Referenden" in besetzten Gebieten

Zugleich kündigte Putin an, die "Referenden" in den besetzten Gebieten der Ukraine über einen Beitritt zu Russland zu unterstützen. Die von Moskau anerkannten "Volksrepubliken" Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine sowie das Gebiet Cherson im Süden wollen noch in dieser Woche in umstrittenen Verfahren über einen Beitritt zur Russischen Föderation abstimmen lassen. Die Scheinreferenden, die weder von der Ukraine noch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt werden, sollen vom 23. bis 27. September abgehalten werden. Sie gelten als Reaktion auf die aktuelle ukrainische Gegenoffensive im Osten des Landes.

Erneute Drohung mit möglichem Atomwaffen-Einsatz

Auf ähnliche Weise annektierte Russland 2014 die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim. International wurde die Abstimmung nicht anerkannt. Auch diesmal ist eine Anerkennung nicht in Sicht. Der Westen reagierte mit Sanktionen. Allerdings hatte Russland stets betont, sich durch die Strafmaßnahmen der EU und der USA nicht von seinen Zielen in der Ukraine abbringen zu lassen.

Russland werde alle Mittel einsetzen, um seine territoriale Unversehrtheit zu schützen, sagte Putin. Er erwähnte auch die Atomwaffen. Putin hat das strategische Nukleararsenal bereits in erhöhte Bereitschaft versetzen lassen zur Abschreckung für die Nato, sich in der Ukraine einzumischen.

Die russische Politologin Tatjana Stanowaja meinte, dass Putin sich nach dem Scheitern seiner ursprünglichen Pläne, die Gebiete in der Ukraine rasch einzunehmen, zu den Beitrittsreferenden entschieden habe. Nach Aufnahme der Regionen habe er die Möglichkeit, die Territorien unter Androhung des Einsatzes von Atomwaffen zu verteidigen. Damit habe er seinen Einsatz in dem Krieg deutlich erhöht.

Die Separatisten in Donezk und Luhansk hatten angesichts des jüngsten ukrainischen Vormarsches gefordert, solche "Abstimmungen" schnell anzusetzen. Russland hat seinen Einmarsch in der Ukraine am 24. Februar unter anderem mit der "Befreiung" der Gebiete Donezk und Luhansk begründet. Zunächst konnte das russische Militär große Teile der Ost- und Südukraine erobern. Zuletzt allerdings musste der Kreml eine empfindliche Niederlage hinnehmen, die russischen Truppen zogen sich nach ukrainischen Angriffen fast völlig aus dem Gebiet Charkiw zurück.

mg/dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.