Gamestop-Anhörung im US-Kongress Robinhood-Chef entschuldigt sich - weiß aber nicht, wofür

Von "Roaring Kitty" bis Hedgefondsmilliardär Ken Griffin - der US-Kongress hat die Größen der Gamestop-Affäre vorgeladen. Der Ärger über die Börsenturbulenzen ist groß. Robinhood-Chef Vlad Tenev zeigt sich zerknirscht und trotzig zugleich.
Kleinlaut: Robinhood-Chef Vlad Tenev in der Videokonferenz des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus am Donnerstag

Kleinlaut: Robinhood-Chef Vlad Tenev in der Videokonferenz des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus am Donnerstag

Foto: House Financial Services Committee via AP

Der Chef des während der Gamestop-Aktienturbulenzen ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen Onlinebrokers Robinhood Markets hat Vorwürfe angeblicher Absprachen seines Unternehmens mit Großinvestoren vor dem US-Kongress zurückgewiesen. "Ich möchte es von vornherein klarmachen: Jegliche Anschuldigungen, dass Robinhood Hedgefonds oder anderen speziellen Interessen - zum Nachteil unserer eigenen Kunden - geholfen hat, sind absolut falsch", erklärte Vlad Tenev (35) in seiner Stellungnahme für die mit Spannung erwartete Anhörung des Ausschusses für Finanzdienstleistungen im US-Repräsentantenhaus am Donnerstag.

Tenev entschuldigte sich bei den betroffenen Anlegern - Robinhood habe in der Situation sicher nicht alles perfekt gemacht. Der Nachfrage, worin genau er Fehlverhalten sehe, wich er aus. Er bekräftigte gegenüber den Abgeordneten, dass die Restriktionen aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Sicherheiten wegen des plötzlich massiv angesprungenen Handelsvolumens nötig gewesen seien. Hedgefonds hätten dabei keinerlei Einfluss ausgeübt.

Neben Tenev mussten sich der Chef der Onlineplattform Reddit, Steve Huffman, sowie die Spitzenmanager der Hedgefonds Citadel und Melvin Capital Management den Fragen der US-Politiker stellen. Insbesondere der Chef von Citadel, der Milliardär und republikanische Spender Ken Griffin (52), sah sich am Donnerstag mit scharfen Fragen im Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses konfrontiert. Auch er dementierte Mauscheleien entschieden: Absprachen seines Fonds mit Robinhood habe es "absolut nicht" gegeben. Geleitet wurde die Sitzung von der Demokratin Maxine Waters (82), einer Kritikerin der Wall Street.

Zudem sagte Keith Gill (34) aus - ein als "Roaring Kitty" bekannter Youtuber, der als treibende Kraft der Anlegercommunity gilt, die die atemberaubende Kursrallye der Gamestop-Aktie im Januar angefacht hatte. Bei der ersten von mehreren geplanten Kongressanhörungen sollte erörtert werden, wie es zu den extremen Kurskapriolen kommen konnte und welche Rollen Social Media, Onlinebroker wie Robinhood und professionelle Finanzmarktspekulanten wie Hedgefonds dabei spielten.

"Roaring Kitty" will niemanden zum Kauf angestiftet haben

Gill war diese Woche selbst ins Visier einer potenziellen Sammelklage geraten. Dem Internetstar wird vorgeworfen, mit seiner Gamestop-Kampagne gegen Wertpapiergesetze verstoßen und anderen Investoren enorme Verluste eingehandelt zu haben. Gill sei ein lizenzierter Finanzprofi, der sich gegenüber Kleinanlegern als Amateur ausgegeben habe, um sie zum Kauf überteuerter Aktien zu bringen, hieß es in der am Dienstag in Massachusetts eingereichten Klage. Der Kläger ist ein US-Investor, der sich mit Optionen auf Gamestop-Aktien verspekulierte. Er wird durch die bekannte US-Großkanzlei Hagens Berman vertreten.

Gill betonte bei der Anhörung erneut, dass er kein Profianleger sei und keine Finanzberatung betreibe. Der Youtuber kam aber im Vergleich zu den meisten anderen vorgeladenen Zeugen eher selten zu Wort. In seiner vorbereiteten Stellungnahme hatte er Anschuldigungen, sich auf dubiose Weise durch den Gamestop-Hype bereichert zu haben, bereits klar zurückgewiesen. Er habe niemanden zum Handel mit Aktien angestiftet, um davon selbst zu profitieren, versicherte Gill. Die Vorstellung, dass er Social Media genutzt habe, um Gamestop-Aktien bei unwissenden Anlegern anzupreisen, sei "absurd".

Vor allem die Tatsache, dass Robinhood und andere Plattformen den Handel mit den heißgelaufenen Aktien von Gamestop und weiteren Unternehmen wie der Kinokette AMC während der Kursexplosion im vergangenen Monat beschränkten, sorgte für viel Ärger bei Anlegern und Empörung bei Politikern. Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton etwa nahm wegen des Verdachts von Absprachen zwischen Hedgefonds und Brokern wie Robinhood Ermittlungen auf und erklärte: "Es stinkt nach Korruption." Die Börsenaufsicht SEC und das Finanzministerium untersuchen die Vorgänge um den Gamestop-Hype ebenfalls. Laut US-Medien sind auch Justizbehörden eingeschaltet.

Im Januar hatten sich in einem Reddit-Forum organisierte Hobbyspekulanten wie Gill bei ihrem Hochbieten der Gamestop-Aktien ein Kräftemessen mit Hedgefonds geliefert, die auf einen Kursverfall wetteten und dabei hohe Verluste erlitten. Inmitten der für die Großinvestoren bedrohlichen Rallye schränkte Robinhood den Handel zeitweise so ein, dass die Aktien nur noch verkauft werden konnten. Damit erntete das Unternehmen lautstarke Kritik und setzte sich Vorwürfen aus, Kleinanleger gegenüber dem Wall-Street-Establishment zu benachteiligen. Der Fall beschäftigt bereits die Gerichte - etliche Anleger, die sich betrogen fühlen, haben Robinhood verklagt.

Robinhood warb auf dem Höhepunkt der Marktturbulenzen insgesamt 3,4 Milliarden Dollar bei Investoren ein, um seine Kapitaldecke zu stärken.

Die Sitzung des Kongress-Ausschusses schickte die Gamestop-Aktie  auf eine Berg- und Talfahrt. Sie lag im Verlauf mehr als 7 Prozent im Minus.

ak/dpa-afx, Reuters
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