"Operation London Bridge" Das verlangt das Protokoll für die Tage nach dem Tod der Queen

Dem Tod der Queen folgt ein strikt festgelegtes Zeremoniell. Für die kommenden zehn Tage wurde genau festgelegt, was wann passiert – angefangen bei der Wortwahl für die Nachricht vom Ableben der Königin.
Begräbnis von Prinz Philip: Der Ehemann der Queen starb im vergangenen Jahr

Begräbnis von Prinz Philip: Der Ehemann der Queen starb im vergangenen Jahr

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HANNAH MCKAY / AFP

Im Alter von 96 Jahren ist Elizabeth II. gestorben. Es ist ein Tod, dem ein klar festgelegtes, vorgeplantes Protokoll folgt. Der seit Jahren vorbereitete Plan fungiert unter dem Codewort "Operation London Bridge". Sogar wie die Nachricht vom Tod der Queen zu überbringen ist, wurde dabei schon vor langer Zeit festgelegt.

"London Bridge is down." Mit diesem Satz – ins Deutsche übersetzt etwa "Die London Bridge ist eingestürzt" – soll der Privatsekretär der Queen den britischen Premierminister oder die Premierministerin informieren, dass die britische Königin tot ist.

Der Todestag der Königin wird D-Day genannt. Jeder folgende Tag bis zum Tag der Beerdigung wird als D-Day+1, D-Day+2 und so weiter bezeichnet. Tag für Tag folgen weitere, klar definierte Maßnahmen, die mitunter kurios wirkende Namen tragen. Der Überblick:

D-Day: die ersten Stunden nach dem Tod

Trauernde vor dem Buckingham-Palast am Abend ihres Todes

Trauernde vor dem Buckingham-Palast am Abend ihres Todes

Foto: Leon Neal / Getty Images

Das Außenministerium übermittelt die Nachricht vom Tod der Queen an die Regierungen außerhalb des Vereinigten Königreichs, in denen die Königin Staatsoberhaupt ist, und an die anderen Länder des Commonwealth. So erklärt es die Vereinigung der Auslandspresse in Großbritannien.

Die Ministerinnen und Minister in Großbritannien erfahren per E-Mail, dass Elizabeth II. gestorben ist. Spätestens zehn Minuten nach Bekanntgabe des Todes sind die Flaggen auf der Straße Whitehall im Londoner Regierungsviertel auf halbmast zu senken.

Die britische Nachrichtenagentur Press Association sendet eine Blitzmeldung. Gleichzeitig wird am Buckingham-Palast die offizielle Mitteilung über den Tod an das Tor oder an eine Staffelei geheftet.

Das britische Parlament und die Parlamente in Schottland, Wales und Nordirland werden laut Protokoll vertagt.

Der erste Mensch, der eine Erklärung abgibt, ist der Mensch, der das Amt des Premierministers innehat.

Teile von "Operation London Bridge" wurden bereits umgesetzt. So unterbrachen britische Sender ihr Programm für die Todesnachricht und Nachrufe auf Elizabeth II. BBC-Moderatoren traten schwarz gekleidet auf.

Auf der Homepage der königlichen Familie – royal.uk – wurde die Todesnachricht mit einem Bild der Königin in jungen Jahren vor schwarzem Hintergrund verbreitet. Die Flaggen am Buckingham-Palast in London wurden auf halbmast gesetzt. Alle politischen Aktivitäten wurden vorerst eingestellt.

Die königliche Familie wird die Pläne für das Staatsbegräbnis veröffentlichen, das voraussichtlich zehn Tage nach dem Tod stattfindet. Eine nationale Schweigeminute wird angekündigt.

Laut Protokoll wird die Person, die das Amt des Premierministers innehat, eine Audienz mit dem neuen König halten, in diesem Fall also mit dem ältesten Sohn der Queen: Prinz Charles. Damit wird die "Operation Spring Tide", zu Deutsch Springflut, eingeleitet.

Charles hat bereits mitgeteilt, dass er als König den Namen Charles III. führen wird. Er wurde auf den Namen Charles Philip Arthur George getauft und könnte sich für jeden dieser Namen entscheiden. Laut Protokoll soll der König an diesem Tag um 18 Uhr eine Ansprache an die Nation halten.

D-Day+1: Es lebe der König

Um zehn Uhr tritt ein Rat zusammen, um den König zum neuen Monarchen zu erklären. Diese Proklamation wird im St. James's Palace und in der Royal Exchange, dem Ort der ersten Börse Londons, verlesen, wodurch Charles als König bestätigt wird. Die Proklamation wird durch den ranghöchsten Herold, den Garter King of Arms, verkündet.

Das Parlament tritt zusammen, um eine Beileidsbekundung zu verabschieden. Alle parlamentarischen Arbeiten werden für zehn Tage ausgesetzt.

Der Premierminister und das Kabinett werden um 15.30 Uhr mit dem neuen König zusammentreffen.

D-Day+2: "Operation Unicorn", also Einhorn

Der Sarg der Königin wird in den Buckingham-Palast gebracht, sofern er nicht bereits dort ist.

Weil die Königin in Balmoral in Schottland gestorben ist, wird ihr Leichnam mit dem königlichen Zug nach London überführt. Der Vorgang wird als "Operation Unicorn", also Einhorn, bezeichnet. Sollte die Überführung per Zug nicht möglich sein, wird ihr Leichnam nach London zurückgeflogen.

Das Einhorn ist das Wappentier Schottlands. Dort starb Elizabeth II. am Donnerstagnachmittag im Alter von 96 Jahren. Ihre gesamten nahen Verwandten waren zuvor zur Sommerresidenz der Queen geeilt.

D-Day+3: Charles beginnt Trauerreise

Der neue König wird den Kondolenzantrag in der Westminster Hall entgegennehmen. Anschließend begibt er sich auf eine Trauerreise durch das Vereinigte Königreich, beginnend mit Schottland. Er wird im schottischen Parlament einen Kondolenzantrag entgegennehmen und an einem Gottesdienst in der St. Giles' Cathedral in Edinburgh teilnehmen.

D-Day+4: Der neue König macht Station in Nordirland

An diesem Tag trifft der neue König in Nordirland ein, wo er im Hillsborough Castle eine weitere Beileidsbekundung entgegennehmen und einen Gottesdienst in der St. Anne's Cathedral in Belfast besuchen wird.

Es findet eine Probe für die "Operation Lion", zu Deutsch Löwe, statt: die Prozession mit dem Sarg vom Buckingham Palace zum Parlamentsgebäude Palace of Westminster.

D-Day+5: Der Sarg der Königin wird nach Westminister gebracht

Nach der Probe von "Operation Lion" wird es ernst: Der Sarg der Königin wird auf einer Route durch London vom Buckingham Palace zum Parlamentsgebäude Palace of Westminster überführt. In der Westminster Hall findet eine Gedenkfeier statt.

D-Day+6: Öffentlichkeit kann den Sarg besuchen

Am sechsten Tag nach dem Tod der britischen Königin startet eine weitere Operation, die dieses Mal den Namen "Operation Feather", zu Deutsch Feder, trägt. Die Königin wird im Palace of Westminster aufgebahrt. Der Sarg ist für genau 23 Stunden am Tag für die Öffentlichkeit zugänglich.

Noch eine Generalprobe: Der Staatsbegräbniszug wird geprobt.

D-Day+7: Charles fährt nach Wales

Der König reist nach Wales, um einen Antrag des walisischen Parlaments entgegenzunehmen. Er besucht zudem einen Gottesdienst in der Kathedrale von Llandaff in Cardiff.

D-Day+8 und 9: Menschen erweisen der Queen die letzte Ehre

Hunderttausende Menschen werden in London erwartet, um der aufgebahrten Queen die letzte Ehre zu erweisen. Kondolenzbücher sind online zugänglich.

D-Day+10: Queen wird auf Schloss Windsor beigesetzt

Schloss Windsor

Schloss Windsor

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David Azia/ dpa

Der Tag ist in Großbritannien offiziell Staatstrauertag. Das Staatsbegräbnis findet in der Westminster Abbey statt.

Landesweit gibt es zur Mittagszeit zwei Schweigeminuten. In London und Windsor finden Prozessionen statt.

Die Königin wird auf Schloss Windsor in der King George VI. Memorial Chapel neben ihrem Vater beigesetzt.

Ein Porträt der Queen wird mit einem schwarzen Band in allen Rathäusern des Landes aufgehängt. Dort soll es für einen Monat zu sehen sein, bis es durch ein Porträt des neuen Königs ersetzt wird.

fok/dpa
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