Parteitag der Demokraten beginnt So wollen Biden und Harris Trump schlagen

Der Parteitag der Demokraten beginnt heute mit einer Rede von Michelle Obama. Um Trump aus dem Amt zu jagen, setzen die Demokraten auf Einheit - und wollen einen kolossalen Fehler des Parteitags 2016 nicht wiederholen.
Gemeinsam gegen Trump: Joe Biden und Kamala Harris

Gemeinsam gegen Trump: Joe Biden und Kamala Harris

Foto: Lucas Jackson / REUTERS

Weniger als drei Monate vor der US-Wahl beginnt am Montag der Parteitag der Demokraten, bei dem Joe Biden (77) offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden soll. Die viertägige Veranstaltung findet wegen der Corona-Pandemie weitgehend online statt und nicht wie ursprünglich geplant mit Tausenden Delegierten und Zehntausenden Gästen in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin. Tagsüber soll es täglich (ab 18.00 Uhr MESZ) Arbeitstreffen geben. Ein publikumswirksames Programm wird erst am Abend (Ortszeit/ab 03.00 MESZ) für zwei Stunden übertragen.

Den Beginn am Montag machen unter anderem die ehemalige First Lady Michelle Obama (56) und der frühere Senator und Bidens unterlegener Vorwahlrivale Bernie Sanders (78). Michelle Obamas Rede wurde laut "New York Times" bereits im Feriendomizil der Familie auf der Insel Martha's Vineyard aufgezeichnet. In den folgenden Tagen werden sich ihr Mann und Ex-Präsident Barack Obama, der frühere Präsident Bill Clinton (73) und seine Frau Hillary Clinton (72) äußern, die 2016 gegen Trump angetreten war. Mit Spannung wird auch die Rede von Sanders erwartet. Der linke Senator war der letzte aussichtsreiche Gegner Bidens im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur.

Am Mittwoch stehen Ex-Präsident Barack Obama (59) und Bidens Vize-Kandidatin Kamala Harris (55) auf der Rednerliste. Höhepunkt ist Bidens Rede am Donnerstagabend (Freitagfrüh MESZ), die er im US-Bundesstaat Delaware halten will.

Biden will den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump (74) am 3. November herausfordern. Im Fall eines Wahlsiegs würde Kamala Harris zur ersten Frau und Schwarzen auf dem Vizepräsidentenposten. Biden war während den beiden Amtszeiten von Barack Obama dessen Stellvertreter.

Harris ist die Tochter von Einwanderern aus Indien und Jamaika und gilt seit Langem als Hoffnungsträgerin der Demokraten. Sie weiß, wovon sie redet, wenn sie sich in der aktuellen Debatte um Rassismus äußert - und dürfte ein hohes Identifikationspotenzial bei einer wichtigen Wählergruppe der Demokraten haben. Ihr wird zugetraut, schwarze Wähler zu motivieren, die für einen Sieg gegen Trump wichtig sein dürften.

Demonstrative Einheit statt Kampfabstimmung wie 2016

Bidens Hauptversprechen ist es, das Land nach den polarisierenden Jahren unter Trump zu einen. Umso wichtiger ist es, dass die eigene Partei Geschlossenheit demonstriert - anders als beim Parteitag 2016. Dieser war vom parteiinternen Wettkampf zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders überschattet worden. Der linke Senator trat auf dem Parteitag offiziell gegen Clinton an - Parteistrategen hatten eine Kampfabstimmung nicht verhindern können. Ihre Lager waren nach dem Vorwahlkampf tief zerstritten, was noch unmittelbar vor dem Parteitag zum Rücktritt der damaligen Parteichefin geführt hatte. Das Rennen der Präsidentschaftsanwärter war dieses Jahr früh entschieden. Biden hatte bereits Anfang Juni erklärt, dass er alle nötigen Stimmen zusammen hat, um sich die Kandidatur der Partei zu sichern.

Die Demokraten hoffen, aus der Not der Pandemie eine Tugend machen zu können und mit dem ganz anderen Parteitag mehr Zuschauer zu gewinnen. Die Technik dürfte dabei die Hauptherausforderung sein. Versprochen haben die Organisatoren einen Nominierungsparteitag, auf dem "weniger Menschen hinter Podien - und mehr Leute in Wohnzimmern, in Fabriken, in Kleinunternehmen, in Schulen und auf Stadtplätzen" zu sehen sein werden. "Es wird wahrlich eine Convention in ganz Amerika sein."

Für Ablenkung dürfte Trump sorgen, der in der Parteitagswoche mehrere Bundesstaaten besuchen will. Am Montag will er ausgerechnet in Wisconsin auftreten. Zudem will er auch in Minnesota und Arizona sprechen. Die Bundesstaaten sind bei der Wahl besonders umkämpft - die sogenannten Swing States lassen sich keiner Partei eindeutig zuordnen. Die Republikaner halten ihren Parteitag eine Woche nach den Demokraten ab, das Programm ist noch weitgehend unklar.

la/reuters/dpa
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