Milliarden-Geschäft Olympia Wie gigantisch werden die Spiele?

Corona-Sorgen, starke staatliche Überwachung und Diskussionen um Menschenrechte – die Olympischen Winterspiele in Peking stehen unter keinem guten Stern. Finanziell könnte das Event trotzdem zu einem Erfolg werden.
Fahnenträgerin in China: Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ist im deutschen Olympia-Team

Fahnenträgerin in China: Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ist im deutschen Olympia-Team

Foto: Laci Perenyi / imago images/Laci Perenyi

Mitten in der Omikron-Welle beginnen an diesem Freitag in China die Olympischen Winterspiele. Für Sportler wie Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die Co-Fahnenträgerin des deutschen Teams neben Bob-Fahrer Francesco Friedrich, und Fans sind die Olympiawochen noch immer der sportliche Höhepunkt. Aber die Zahl der Kritiker wächst. Sie halten das Sportspektakel für aufgeblasen und fürchten in diesem Jahr eine große chinesische Propagandashow. Wie gigantisch werden die Spiele? Wir haben die wichtigsten Zahlen zusammengestellt.

Wie hoch ist das Budget?

Glaubt man den offiziellen Zahlen, dann werden das die günstigsten Winterspiele seit vielen Jahren. Chinas Präsident Xi Jinping spricht von "einfachen Spielen", und das Budget liegt tatsächlich bei vergleichsweise schlanken 3,1 Milliarden Dollar. Vor vier Jahren in Pyeongchang lagen die Kosten noch bei 13 Milliarden Dollar und vor acht Jahren in Sotschi war dieser Wert sogar komplett aus dem Ruder gelaufen – hier betrugen die Kosten am Ende mehr als 50 Milliarden US-Dollar und waren damit teurer als alle Winterspiele davor zusammen.

Sind die Kosten wirklich so niedrig?

Die Spiele dürften tatsächlich deutlich günstiger sein als die von 2014. Ein wesentlicher Grund: Einige Wettkampfstätten der Olympischen Sommerspiele von 2008, die ebenfalls in Peking stattfanden, werden wieder genutzt. Das ehemalige Schwimmstadion "Water Cube" dient nun beispielsweise als Curling-Arena und im großen Olympiastadion finden die Eröffnungsfeier und die Schlusszeremonie statt.

Dennoch ist davon auszugehen, dass die tatsächlichen Kosten deutlich höher als 3,1 Milliarden Dollar liegen. Viel Geld floss in neue Skigebiete, moderne Wintersportanlagen und Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken. Mit diesen gelangen die Sportler zu den oft weit von Peking entfernt liegenden Austragungsorten in den Bergen von Zhangjiakou und Yanqing. Diese hohen Investitionen wurden jedoch nicht in die offiziellen Zahlen eingerechnet.

Wer sind die Sponsoren?

Zu den wichtigsten Sponsoren der Olympischen Spiele gehören bekannte, finanzstarke Namen aus den westlichen Ländern wie Allianz, Bridgestone, Coca-Cola, Intel oder Visa, die oft schon sehr lange als Olympia-Sponsor dabei sind. Doch auch viel asiatische Unternehmen wie Panasonic, Samsung und Toyota gehören zu diesem festen Kreis. Erstmals zu den derzeit 13 "Top"-Sponsoren ("The Olympic Partner") gehört in Peking auch die chinesische Handelsplattform Alibaba. Finanziell beteiligt sich jeder dieser Großsponsoren mit einer dreistelligen Millionensumme. Hinzu kommt eine Gruppe nationaler Sponsoren, die vor allem Marketingrechte im Gastgeberland erwerben.

Wie hoch sind die Einnahmen aus Fernsehgeldern?

Die Vermarktung der TV-Rechte ist der wohl lukrativste Bestandteil der Olympischen Spiele. Die Erlöse aus den Fernsehgeldern machen oft bis zu 50 Prozent der Einnahmen des Internationalen Olympischen Komitees aus. Nach Pyeongchang 2018 mit 1,436 Milliarden Dollar dürften die Spiele in Peking einen ähnlich hohen Betrag erlösen – die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele bis 2032 wurden vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in einem milliardenschweren Paket verkauft. Zum Vergleich: 1994 im norwegischen Lillehammer lag der Wert für die Übertragung der Wettbewerbe noch bei 353 Millionen Dollar.

Wie viele Einnahmen fehlen durch den Wegfall der Zuschauer?

Die Einnahmen durch den Ticketverkauf für die 109 Wettbewerbe fallen durch die Coronapandemie weitgehend aus. So hat die Omikron-Welle längst auch China erreicht und trifft dort auf eine strikte Null-Covid-Politik. Ausländische Zuschauer waren schon lange nicht mehr geplant, angesichts der sich zuspitzenden Situation wurde Mitte Januar auch der Ticketverkauf für Chinesen gestoppt.

Nur noch ausgewählte Zuschauergruppen sollen die Wettbewerbe verfolgen dürfen. Bei den vergangenen Winterspielen lag die Gesamtzahl der verkauften Tickets noch bei rund 90 Prozent der möglichen Auslastung, in Vancouver 2010 sogar bei 97 Prozent. Diesmal wird der Anteil laut IOC-Aussagen rund ein Drittel betragen, für die Gesamteinnahmen bei den Spielen ist das wegen der Sponsoren- und Fernsehgelder jedoch verkraftbar.

Gibt es sonst noch Einnahmen?

Durch den geplanten Verkauf der für die Sportler gebauten Wohnungen in den olympischen Dörfern soll nach Beendigung der Spiele und der im März stattfindenden Paralympics eine weitere Einnahmequelle generiert werden.

Wer fehlt?

Viele Länder haben sich zumindest zu einem diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele 2022 entschlossen. Begründet wird das mit den Menschenrechtsverletzungen Chinas im Umgang mit Uiguren und Tibetern, hinzu kommt Kritik an der unterdrückten Demokratiebewegung in Hongkong.

Kurz vor Weihnachten teilte auch die "National Hockey League" (NHL) ihre Absage mit. So wird ein Großteil der weltweit besten Eishockeyspieler nicht nach China reisen, sondern stattdessen in dieser Zeit die wegen der Covid-19-Pandemie ausgefallenen Spiele in Nordamerika nachholen. Verwundern tut das nicht, profitiert doch der Internationale Eishockeyverband im Gegensatz zu den meisten anderen Wintersportverbänden nicht von den Olympia-Einnahmen.

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