Überraschender Vorsprung vor Cecilia Malmström Mathias Cormann soll neuer Chef der OECD werden

Schwedens Kandidatin Cecilia Malmström galt als Favoritin für den OECD-Topjob. Ihr australischer Rivale Mathias Cormann hat es aber geschafft, das Rennen im Industrieländer-Klub für sich zu entscheiden.
Mathias Cormann: Der umstrittene Kandidat Australiens wird wohl neuer Chef der OECD

Mathias Cormann: Der umstrittene Kandidat Australiens wird wohl neuer Chef der OECD

Foto: MARK GRAHAM / AFP

Die wichtigste Denkfabrik der entwickelten Volkswirtschaften, die Pariser OECD, soll in elf Wochen eine neue Führung bekommen. Der intensive Wahlkampf der Kandidaten, der schon seit Anfang November läuft, endete aber auch in der fünften Auswahlrunde mit einem Patt: Christopher Sharrock, der britische OECD-Botschafter, der das Auswahlverfahren koordiniert, teilte offiziell mit, dass es ihm unmöglich gewesen sei "zu erkennen, welcher Kandidat die größte Unterstützung hat".

In einer erneuten Probeabstimmung der Botschafter der OECD-Mitgliedstaaten war es nun der Außenseiter, der vorn lag: Mathias Cormann (50) aus Australien habe das Rennen gemacht, melden die Nachrichtenagenturen. Die Favoritin wäre damit gescheitert: Cecilia Malmström (52), die Kandidatin Schwedens, hatte als frühere EU-Handelskommissarin hervorragende Kontakte in alle Welt. Die EU stellt zudem 27 der 37 OECD Mitglieder.

Mathias Cormann, der langjährige Finanzminister Australiens, galt zunächst als eher chancenlos. Wegen der Klimapolitik seines Landes wurde er von Aktivisten scharf angegriffen. Er hat jedoch zugesagt, das Thema Klimaschutz entschlossen voranzutreiben. Der Australier könnte dabei auch eine Vermittlerrolle zwischen den alten Industrieländern des Westens und den Aufsteigern in Osteuropa, Asien und Lateinamerika übernehmen.

Australien hatte zuletzt auch eine harte politische Linie gegenüber China bezogen und war dafür von Peking heftig angegangen worden. Mit der Wahl Cormanns setzen die OECD-Länder also auch ein Zeichen der Solidarität. Möglicherweise war besonders den USA an einem solchen Signal gelegen.

Cormann wäre der erste Australier seit Langem, der eine Spitzenposition bei einer internationalen Wirtschaftsorganisation besetzt. Zuletzt schaffte es James Wolfensohn an die Spitze der Weltbank (1995-2005). Wolfensohn besaß allerdings auch einen amerikanischen Pass.

Die OECD-Spitzenpersonalie muss im Konsens geregelt werden, eine offizielle Abstimmung gibt es nicht. Es war weithin erwartet worden, dass sich die 37 OECD-Mitglieder bis Mitte März darauf verständigen, wer die Nachfolge des scheidenden Generalsekretärs, des Mexikaners José Ángel Gurría (70), antreten wird. Die fünfjährige Amtszeit der neuen Führungsperson beginnt am 1. Juni.

cs
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