Wartung der Gas-Pipeline Turbine für Nord Stream 1 soll unterwegs sein

Eine fehlende Turbine spielt im Poker um den Betrieb der Pipeline Nord Stream 1 eine wichtige Rolle: Nun ist die reparierte Maschine laut einer russischen Zeitung von Kanada nach Deutschland geflogen worden – was weiteren Ärger verursacht.
Gasempfangsstation von Nord Stream 1 in Lubmin: Warten auf Gas

Gasempfangsstation von Nord Stream 1 in Lubmin: Warten auf Gas

Foto: Jens Büttner / dpa

Die für den Betrieb der Gaspipeline Nord Stream 1 wichtige Siemens-Turbine ist einem Zeitungsbericht zufolge repariert und von Kanada nach Deutschland geliefert worden. Sie sei am Sonntag per Flugzeug nach Deutschland gebracht worden, berichtet die russische Zeitung »Kommersant« unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen.

Sollte es keine Probleme mit der Logistik oder dem Zoll geben, werde es weitere fünf bis sieben Tage dauern, bis die Turbine in Russland ankomme.

Damit erscheint ein Einbau noch während des offiziellen Wartungsintervalls für Nord Stream 1 mehr als fraglich. Seit vergangenem Montag wird durch die Pipeline wegen Wartungsarbeiten nun gar kein Gas mehr geliefert. Die Arbeiten sollen bis zum 21. Juli dauern.

Der russische Energiekonzern Gazprom hat die Gaslieferungen durch die nach Deutschland führende Leitung Nord Stream 1 bereits seit Juni deutlich gedrosselt und dies auch mit der fehlenden Turbine begründet, die in Kanada gewartet wurde. Das trieb die ohnehin hohen Gaspreise weiter in die Höhe.

Mehrere westliche Politiker äußerten sich skeptisch, ob Gazprom nach der Wartung wieder Gas liefern wird. Laut einem Bericht der »Bild«-Zeitung geht die Bundesregierung davon aus, dass Russland auch danach die Lieferungen drosseln wird. Darum rechne die Regierung mit einer Notlage bei der Gasversorgung in einzelnen Bundesländern.

Angesichts der Sorgen vor einem drohenden Energiemangel in Deutschland und anderen europäischen Staaten will Kanada mit der Rückgabe der dort gewarteten Turbine helfen.

Ukraine verärgert über Rückgabe der Turbine

Das wiederum sorgt jedoch für Streit mit der ukrainischen Führung. Kiew werde Kanadas Entscheidung zur Rückgabe der Turbine über Deutschland nach Russland nicht akzeptieren, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. In einem Telefonat mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau habe er "betont, dass die Ukrainer die Entscheidung Kanadas bezüglich der Nord-Stream-Turbine niemals akzeptieren werden", sagt Selenskyj in einer Videobotschaft. Die Übergabe an Deutschland verstoße gegen die Sanktionen gegen Russland und ermutige zu weiteren Verstößen.

Wegen der Sanktionen gegen Russland hatte sich Kanada zunächst geweigert, die Turbine an Russland zurückzugeben – entschied sich dann aber doch dafür, das Aggregat stattdessen an Deutschland zu übergeben. Trudeau hatte erklärt, angesichts drohender Energieengpässe habe sein Land Deutschland und andere europäische Verbündete unterstützen müssen.

Selenskyj wiederum sagte, dass die internationale Position zu Sanktionen prinzipienfest sein müsse. »Nach den Terrorangriffen auf Winnyzja, Mykolajiw, Tschassiw Jar und andere muss der Druck erhöht, nicht verringert werden«, schrieb er. Der Präsident bezog sich dabei auf russische Raketenangriffe in ukrainischen Städten weitab von der Front mit Dutzenden Toten.

Notfallplan Gas

Der Notfallplan Gas basiert auf einer EU-Verordnung von 2017, die Maßnahmen festlegt, um die Gasversorgung im Fall einer Krise zu sichern. Er sieht drei Eskalationsstufen vor: die Frühwarnstufe, die Alarmstufe und die Notfallstufe.

Der russische Energiekonzern Gazprom hatte Siemens Energy nach eigenen Angaben darum gebeten, die Rückgabe der Turbine für die Erdgas-Pipeline Nord Stream 1 in die Wege zu leiten. »Am 15. Juli hat Gazprom sich offiziell mit der Bitte an Siemens gewandt, Dokumente bereitzustellen, die es unter Berücksichtigung der derzeitigen Sanktionsregeln in Kanada und der EU erlauben, die Gasturbine der für Nord Stream 1 essenziell wichtigen Kompressorstation »Portowaja« nach Russland auszuführen«, hatte Gazprom am Wochenende auf seinem Telegram-Kanal mitgeteilt.

Zugleich rechne Gazprom fest damit, dass Siemens Energy seinen Vertrag zur Wartung und Reparatur der Gasturbinen erfülle. Davon hänge das weitere Funktionieren von Nord Stream 1 ab, fügte das Unternehmen hinzu.

mmq/Reuters/dpa
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