Montag, 22. April 2019

Deutschlands Zukunft Wir können froh sein, wenn es uns so ergeht wie den Japanern

Senioren beim Sport: Das "japanische Szenario" galt lange als Schreckgespinst - doch für Deutschland dürfte es viel schlimmer kommen

4. Teil: Mehr Erfolg in der Bildung

Japan ist trotz der Alterung immer noch eine hoch innovative Gesellschaft. Nur so gelingt es, das Wachstum der Produktivität halbwegs aufrecht zu erhalten. Auch wir in Deutschland sind gemessen an der Anzahl Patente noch innovativ, wenngleich diese in ungesundem Masse auf die Automobilindustrie fokussiert sind. Doch perspektivisch stellt sich die Frage, ob wir in der Lage sein werden, im weltweiten Innovationswettbewerb mitzuhalten. Zwar haben sich die schulischen Leistungen nach den letzten PISA-Studien gebessert, dennoch liegen deutsche Schüler in Mathematik mit 514 Punkten deutlich hinter den Kollegen in Shanghai (613), Singapur (573) Hongkong (561), Taiwan (560) und Korea (554). Auch Japan liegt mit 536 Punkten statistisch signifikant vor uns. Schaut man auf die Untergruppe der besonders Talentierten mit Spitzenleistungen, so erreichen 4,05 Prozent der japanischen 15jährigen diese Gruppe und nur 2,6 Prozent der Deutschen.

Auch hier liegen Singapur (9,1 Prozent) Hongkong (6 Prozent), Taiwan (5,85) und Korea (4,4) auf einem signifikant höheren Niveau. Gerade diese Gruppe der Höchstleister ist es, die für eine Industrienation unverzichtbar ist. Je unattraktiver Deutschland jedoch wird, vor allem bedingt durch die enormen Kosten von Alterung und Integration, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Untergruppe ihre Zukunft in einem anderen Land sieht. Die bereits genannten Zuwanderungslieblinge werden in Zukunft noch intensiver um diese Talente werben. Verlieren wir diese Talente, wird es noch schwerer, die enormen Lasten zu schultern.

So ist Japan auch hier besser gerüstet als Deutschland. Zwar liegen die Geburtenraten in beiden Ländern auf tiefem Niveau. Doch ist Japan erfolgreicher in der Ausbildung der nächsten Generation, die nicht nur in der Kernfähigkeit Mathematik besser abschneidet, sondern zu einem weitaus größeren Teil eine Hochschulausbildung absolviert und vor allem auch in den ökonomisch relevanteren Fächern (Ingenieurwesen, Naturwissenschaften).

Technologiefeindlich statt aufgeschlossen

Hinzu kommt die zunehmende Technologiefeindlichkeit in Deutschland. Wann immer über Automatisierung und zunehmenden Einsatz von Robotern gesprochen wird, sieht es die deutsche Politik und die Medien als eine Bedrohung für unsere Arbeitsplätze. So schrieb der von mir sehr geschätzte Kollege Henrik Müller: "Die Digitalisierung mag eine tolle Sache sein für die Verbraucher und für jene Unternehmen, die die neuen Technologien zu nutzen wissen. Aber was aus all den Beschäftigten wird, deren Tätigkeitenvon immer schlaueren Maschinen ersetzt werden, ist höchst unklar."

Angesichts der auch von ihm immer wieder in Erinnerung gerufenen demografischen Entwicklung sollte er doch, wie wir alle, eine Chance in dieser Entwicklung sehen! Zuwanderung wird leider nicht die Probleme lösen, da es uns immer schwerer fallen dürfte, die für ein Hochtechnologieland erforderlichen Fachkräfte anzulocken. Diese haben schlichtweg zu viele und zu gute Alternativen zu Deutschland.

Japan ist auch hier konsequenter : "Wir wollen Roboter zu einer tragenden Säule unserer Wachstumsstrategie machen", erklärte Abe gegenüber der Nachrichtenagentur Jiji. Er plane eine Sonderkommission für die "Roboterrevolution", um den Umsatz der Branche auf 2,4 Billionen Yen (18,9 Milliarden Euro) zu verdreifachen und damit bedeutend größere Wachstumsimpulse auszulösen. Das ist nur konsequent für ein Land, welches bei einer schrumpfenden Gesellschaft den künftigen Wohlstand erhalten will.

Keine Rentnerkriminalität in Deutschland

Wie man sieht, gibt es keinen Grund auf Japan herabzuschauen. Wir haben nichts aus den Problemen des Landes gelernt, sondern sind drauf und dran, dieselben Fehler zu wiederholen und zusätzliche zu begehen.

Dennoch wird es bei uns in 15 Jahren keine Kriminalitätswelle der Rentner geben. Nicht weil wir es besser machen als die Japaner, wie wir gesehen haben, sondern aus anderen Gründen: zum einen ist unsere Rechtsprechung viel toleranter, und man müsste schon einige schwere Straftaten begehen, um es in das Gefängnis zu schaffen. Zum anderen ist die Vermutung sicherlich nicht falsch, dass der Aufenthalt in einer japanischen Haftanstalt, gerade auch mit Blick auf die Mitgefangenen, deutlich angenehmer ist als das Einsitzen in einem hiesigen Gefängnis. Das macht den Ausblick aber eher weniger als mehr erfreulich.


Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Daniel Stelter, beyond the obvious.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

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