Mittwoch, 24. April 2019

Deutschlands Zukunft Wir können froh sein, wenn es uns so ergeht wie den Japanern

Senioren beim Sport: Das "japanische Szenario" galt lange als Schreckgespinst - doch für Deutschland dürfte es viel schlimmer kommen

3. Teil: Japan sorgt vor

Japan wie auch Deutschland sind exportstarke Nationen. Wie ich an dieser Stelle erläutert habe, bedeuten Exportüberschüsse immer auch den Export von Kapital ins Ausland. Die Japaner verfügen über erhebliches Auslandsvermögen. Auch wir verfügen über Auslandsvermögen, sind jedoch sehr schlechte Geldanleger. Alleine im Zuge der Subprime Krise haben wir 400 Milliarden Euro verloren. Generell steigen unsere Auslandsvermögen seit Jahren deutlich langsamer als die Summe unserer Kapitalexporte. Dabei setzen wir die schlechte Geldanlage fort. Ein Beispiel sind die Target II Forderungen der Bundesbank in Höhe von 605 Milliarden Euro. Zinslose Kredite an schlechte Schuldner.

Die Japaner scheinen dies besser zu machen, gerade auch mit Blick auf das sich abzeichnende Endspiel im Staatsschuldendrama. So drängt die japanische Regierung darauf, dass Pensionsfonds japanische Staatsanleihen an die Bank of Japan verkaufen und stattdessen in Aktien und ausländische Vermögenswerte diversifizieren.

Damit sichert das Land Vermögen für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass die absehbare Monetarisierung der Staatsschulden mit einer Hyperinflation einhergeht. Sollte sich die Entwicklung in Europa ähnlich fortsetzen, gerade auch mit Blick auf die immer offener geforderte direkte Staatsfinanzierung durch die EZB, droht allen Geldvermögensbesitzern ein erheblicher Verlust. Wir Deutsche stehen da an vorderster Front, da wir als Privatanleger aber auch institutionell überwiegend in Finanzvermögen investieren. Keine gute Vorsorge in einer überschuldeten Welt.

Zuwanderung aus humanitären Gründen

Japan ist ein abgeschottetes Land. Die Antwort auf die demografische Änderung war jedenfalls nicht mehr Zuwanderung. So liegt der Ausländeranteil bei rund 2 Prozent. Bei uns hat dagegen jeder fünfte Einwohner einen Migrationshintergrund. Daraus könnte man schließen, dass wir in Deutschland eine bessere Antwort auf unsere demografische Herausforderung gefunden haben. Die Bedeutung der Zuwanderung aus diesem ökonomischen Gesichtspunkt wurde gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von vielen Seiten betont. Allerdings sollten wir uns hier nichts vormachen.

Bereits im Jahr 2014 hat die Bertelsmannstiftung vorgerechnet, dass für jeden heute hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund ein langfristiges Staatsdefizit von 79.100 Euro zu Buche schlägt. Verglichen mit 3.100 Euro für jeden hier lebenden Deutschen. Daraus wurde die Forderung abgeleitet, Deutschland könne sich keine weitere ungesteuerte Zuwanderung leisten: "Eine Wiederholung der Gastarbeitereinwanderung ist weder hinsichtlich der erwähnten Tragfahigkeitslucke noch mit Blick auf den Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert ökonomisch sinnvoll. Wissend um die schon erwähnten demografischen Entwicklungen, ist es mit Blick auf die Wohlstandssicherung in Deutschland hingegen sinnvoll, ja geradezu geboten, qualifizierte Einwanderer ins Land zu holen."

Genau das machen wir nicht. Die neue Zuwanderungswelle erfolgt aus humanitären Gründen und wir sollten und können uns daraus keinen wirtschaftlichen Nutzen versprechen. Wenn überhaupt werden die Flüchtlinge nur zu einfachsten Arbeiten mit geringen Löhnen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Alle bisherigen Erkenntnisse zu Qualifikation und Bildungsfähigkeit der Flüchtlinge sind ernüchternd. Statt eine Entlastung unserer demografischen Probleme zu bekommen, übernehmen wir zusätzliche Kosten. Schätzungen von 450.000 Euro Kosten pro Flüchtling über dessen gesamtes Leben in Deutschland sind nicht unrealistisch. Damit stellen wir die nachfolgende Generation vor eine erhebliche finanzielle Belastung. Nicht nur muss diese für die (ungedeckten) Versprechen für die Versorgung einer weitaus größeren Generation von Alten aufkommen, sondern zusätzlich für die hohen Kosten einer umfangreichen Gruppe an Zuwanderern.

Im Vergleich mit Japan muss man sich dann schon fragen, ob es so falsch ist, bei der Zuwanderung zurückhaltend zu sein, wenn man im globalen Kampf um die besten Talente gegen die Zuwanderungslieblinge USA, Kanada, Singapur, Australien und die Schweiz nicht bestehen kann. Denn nur die wirtschaftlich Besten bringen den Ländern, in die sie zuwandern mehr, als sie kosten.

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