Samstag, 20. Juli 2019

Börsengang Zalando - ein Karton voller Überraschungen

Kandidat: Der Onlinehändler Zalando will in Frankfurt an die Börse. Bis zum 29. September läuft die Zeichnungsfrist des Berliner Unternehmens

5. Teil: Eigenmarken versus eigene Marken

Auch bei Zalando muss man davon ausgehen, dass es mittelfristig nicht das Ziel sein kann, ein reiner Kistenverschieber zu bleiben. Zwar sollte sich bei entsprechend optimierten Prozessen auch hier Geld verdienen lassen. Mit eigenen Distributionslagern scheint Zalando hier einen ähnlichen Weg wie Amazon gehen zu wollen. Wenn dann noch die Größenvorteile greifen, die sich nicht nur in Skaleneffekten, sondern insbesondere einer ganz anderen Verhandlungsposition gegenüber den Herstellern ausdrücken, kann Zalando sich hier sicherlich sehr erfolgreich gegenüber direkten Wettbewerbern, aber auch dem stationären Handel schlagen.

Richtig spannend wird es aber vor allem bei der Marge erst, wenn man eigene Kollektionen verkauft. Ob hochpreisig, wie bei französischen Luxuslabels, oder massentauglich wie bei Zara und H&M: Die Marge liegt bei der eigenen Marke. Zaras Mutter, Inditex, bringt es auf 18 Prozent Ebit-Marge. Diese Firmen werden an der Börse auch ganz anders bewertet als reine Händler.

Zalando kam mit seinen Marken (wie mint&berry oder zign) 2013 auf einen Umsatzanteil von 16 Prozent. Auch wenn diese Marken an Popularität und laut Zalando in Fachkreisen an Anerkennung gewinnen, bleibt fraglich, ob man sie als eigene Marken oder als Eigenmarken bewerten sollte. Letztere dienen zwar auch jedem anderen Einzelhändler als willkommene Margen-Optimierer, doch würden sie ohne den Kontext des Mutterhauses nicht bestehen, haben in diesem Sinne keinen tangiblen Wert. Bis also die Börse bereit ist, für die Umsätze von mint&berry, zign oder even&odd ähnliche Multiplikatoren wie für Boss, H&M, Zara oder sogar Next zu bezahlen, dürften noch ein paar Jahre vergehen.

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