Montag, 22. April 2019

Öffentlichen Nahverkehr kostenfrei anbieten Nie mehr schwarzfahren

Verschwendung von Steuergeldern oder sinnvolle Kommunalpolitik: Sollen Busse und Bahnen des Nahverkehrs kostenlos genutzt werden können?

2. Teil: Öffentlicher Nahverkehr schützt gemeinschaftlich genutzte Güter

In den meisten Städten ist der Nahverkehr so wichtig wie das Straßennetz. Denn ohne Busse und Bahnen, wären die Straßen so verstopft, dass nichts mehr ginge. Auch wer selbst nur Auto fährt, ist darauf angewiesen, dass andere Bus oder U-Bahn benutzen. Der Nahverkehr schützt zudem eine Reihe von gemeinschaftlich genutzten Gütern. Die Luft wird weniger verdreckt, das Klima weniger erhitzt, die Stadt weniger asphaltiert, die Ruhe weniger gestört, wenn Menschen Bus und Bahn statt Auto fahren. Es gibt also gute Gründe, Anreize für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu schaffen.

Tatsächlich passiert das bereits. Im Schnitt wird der öffentliche Nahverkehr knapp zur Hälfte subventioniert, das heißt die Nutzer tragen nur die Hälfte der Kosten, die andere Hälfte trägt die Allgemeinheit. Damit könnte man es bewenden lassen - oder nach der ersten auch die zweite Hälfte des Weges gehen und den Nahverkehr kostenfrei anbieten.

Darüber diskutieren wir in Tübingen. Wir müssten die städtischen Steuern um etwa zehn Prozent erhöhen, um die Einnahmen aus Ticketverkäufen zu ersetzen. Dann könnten wir eine Bus-Flatrate anbieten. Den Nulltarif für alle. Zwei Hauptargumente sprechen dafür:

Kostenfreier Nahverkehr löst das Problem, dass vor allem Geringverdiener und Transferleistungsempfänger in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind. Mit dem Mobilitätssatz von Hartz IV kann man nirgendwo eine Monatskarte für den Nahverkehr geschweige denn ein Auto finanzieren. Die Verteilungswirkung des Nulltarifs wäre positiv, wer wenig Geld hat und die Umwelt schützt, wird dafür durch Kostenfreiheit belohnt.

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