Freitag, 6. Dezember 2019

Die romantische Rhetorik der Energiewende Bitte nicht mit Argumenten stören!

Irgendwie sollte das mit der Energiewende so funktionieren wie bei der Saarschleife - das romantische Herz freut sich und der Strom fließt trotzdem.

2. Teil: Wir übernehmen kritiklos eine völlig überhöhte Rhetorik

Statt konkrete Energiepolitik aus einer radikalen Idealvorstellung abzuleiten, könnten wir also auch in diesem Politikfeld akzeptieren, dass die Zukunft unbekannt und inhärent offen ist. Und daher von heute ausgehend strategisch in die Zukunft denken, statt aus unbeirrbarem "präzisem Wissen" um das Wesen dieser Zukunft unser Tun und Lassen in ein immer enger werdendes Korsett zu zwängen.

Realpolitisch betrachtet, ist die so bezeichnete "Energiewende" des Jahres 2015 im Wesentlichen eine "Stromwende", welche aus vier disparaten Maßnahmenpaketen besteht: sukzessive Zwangsabschaltung funktionsfähiger Kernkraftwerke; Subventionierung des Aufbaus von Erzeugungskapazitäten sogenannter "erneuerbarer" Energieträger (EE); graduelle Minderung der Treibhausgasemissionen im Stromsektor; Bewältigung der Folgen von Kernenergieausstieg und EE-Ausbau im Netz.

Für jedes dieser Pakete und den jeweils einzelnen Maßnahmen könnten wir realpolitisch fragen, welche Vorteile sie in den kommenden Jahren vermutlich bringen werden, und mit welchen Kosten und geopolitischen Nachteilen sie wohl verbunden sind. Wir könnten nach der sinnvollen Reihenfolge einzelner Schritte fragen, beispielsweise auch, wann Warten - auf technologische Entwicklungen - lohnt, und dabei auch den Gegenwartswert bereits vorhandener Infrastruktur in den Blick nehmen.

Daneben könnten wir auch fragen, wie wir den Entdeckungsprozess in die offene Zukunft hinein bestmöglich organisieren, insbesondere, ob der Staat tatsächlich die überlegene Innovationsinstanz sein kann. Und wir könnten diskutieren, welches der richtige zeitliche Horizont für all diese Erwägungen ist. Denn wenn ein Windrad auf See eine technische Lebensdauer von vielleicht 15 Jahren hat, was hat dann eine heutige Investition in einen solchen Vermögensgegenstand mit der Energiezukunft des Jahres 2050 oder gar 2100 zu tun?

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