Dienstag, 16. Juli 2019

Erneuerbare Energien als angebliches Milliardengrab Warum so viele Menschen die Energiewende schlechtreden

Egal, was der Anlass ist - die Energiewende wird von ihren Kritikern als Milliardengrab dargestellt

Nochmal zur Erinnerung: Die Energiewende ist ein langfristiges Projekt mit vielen Akteuren in Unternehmen, Politik, Kommunen, Verbänden, Wissenschaft - bis hin zur Lebenswirklichkeit von uns allen als Bürger. Auf zehn Jahre erstreckt sich der vollständige Ersatz der Kernenergienutzung. In rund fünfunddreißig Jahren soll die Gewinnung von Strom vollständig erneuerbar erfolgen. Deutschland soll bis dahin (fast) klimaneutral werden.

Das ist ein Projekt, zu dessen "raison d'être" das Nachsteuern und das Management von Zielkonflikten gehört. Die Eckpunkte der Koalitionsspitzen sind so ein Nachsteuern. Jetzt ist klar: Die Kohle hat keine Zukunft, wir sind längst schon im Ausstieg. Windstrom kommt in den Süden. Die effiziente Nutzung ist eine Energiequelle.

Eigentlich Binsenweisheiten. Nur folgt die öffentliche Wahrnehmung völlig anderen Mustern. Sie funktioniert nicht mit Blick auf Langfristigkeit und Wesentlichkeit, sondern ist so kurzatmig wie nur möglich. So auch jetzt wieder. Was die Parteispitzen am Mittwoch als Energiewende-Kompromiss zu Papier brachten, kann natürlich vielfach hinterfragt werden. Wichtige Details werden wohl auch erst durch die Auslegung und Konkretisierung wirklich klar werden.

Aber eines ist schon klar: Die öffentliche Wahrnehmung verharrt in der Zuschreibung von barocken Gewinner- und Verliererschicksalen. Es hat sich eingebürgert, die Energiewende schlechtzureden. Egal, was der Anlass ist, die Energiewende wird als Milliardengrab vorgeführt. Deutschlands Bemühung sei für das globale Weltklima ohne Belang. Und, sowieso, die Politik kann es nicht.

Energiewende ist und bleibt ein essentieller Beitrag zum globalen Klimaschutz

Erst wurde die Idee einer Klimaabgabe auf Kohlekraftwerke öffentlich als systemfremd und zu teuer abqualifiziert. Jetzt wandert der Vorwurf der Kostenexplosion einfach weiter auf das Ersatz-Konzept. Es ist ein kurzsichtiger Vorwurf, dass die Regierung die Bürger mit zusätzlichen Milliarden belastet. Die Wahrheit ist, bei den Stromkunden landet es auf dem einen oder anderen Weg immer, aber eben ungerecht verteilt.

Die populistische Warnung vor dem Milliardengrab ist ein Schlechtrede-Muster. Es begleitet die Energiewende seit Beginn, nur mit unterschiedlichen Begründungen, aber immer ohne auch nur zu erwähnen, dass eine Marktwirtschaft aus Kosten Nutzen machen kann.

Beispiele kennen wir alle. Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit hat niemand mit dem Hinweis auf hohe Kosten abgelehnt. Heute wird das Geschäft mit grüner Energie härter, wie insgesamt der globale Wettbewerb um die besten Nachhaltigkeits-Lösungen. Profite ohne Leistung, das heißt Versorgung ohne Leitungsbau, Vergütung von Stromproduktion ohne Integration ins Netz, Wachstum ohne Einsparung, müssen der Vergangenheit angehören. Dann ist und bleibt Deutschlands Energiewende eine international beachtete Referenz und damit auch ein essentieller Beitrag zum globalen Klimaschutz.

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