Dienstag, 20. August 2019

Gewerbesteuerflucht in Deutschland Die Briefkasten-Falle in der Provinz

Zentrale der Deutschen Börse: Mittlerweile sind zahlreiche Firmen in Eschborn angesiedelt

Denkt man an Steuerparadiese, kommen einem vor allem Länder wie Luxemburg, Liechtenstein oder die Kaimaninseln in den Sinn. An Deutschland denken hier die wenigsten. Und trotzdem gibt es sie - Steueroasen innerhalb der eigenen Grenzen. Bestes Beispiel ist das hessische Städtchen Eschborn nahe der Finanzmetropole Frankfurt am Main. Dank einer sehr niedrigen Gewerbesteuer hat es Eschborn in den letzten Jahren geschafft, zahlreiche Unternehmen, unter anderem die Frankfurter Börse anzulocken. Mittlerweile sind zahlreiche Firmen mit ihrem Hauptsitz dort angesiedelt.

Dass Unternehmen eine Betriebsstätte in Orte auslagern, die einen niedrigen Gewerbesteuersatz haben, um Steuerabgaben zu sparen, ist rechtlich gesehen nicht weiter verwerflich. Unternehmen, die das bislang geltende Recht in dieser Form ausnutzen, handeln nach rein unternehmerischem Denken.

Fraglich wird das Ganze, wenn sich Firmenvertreter und Mitarbeiter eigentlich ganz woanders tummeln und unter der angegebenen Hauptsitzadresse nur ein Briefkasten vorhanden ist. So würde ein in Eschborn ansässiges Unternehmen im Vergleich zu einer in Frankfurt am Main ansässigen Firma fast 40 Prozent Gewerbesteuern sparen.

Um solche Praktiken zu überprüfen, müssten die Finanzbehörden Ermittlungen einleiten. Ob dieses Vorgehen dann als Straftat in Form von Steuerhinterziehung eingeordnet werden würde, dürfte vom Einzelfall abhängen. Fest steht jedoch: Hat man die Steuerfahndung einmal im Haus, schaut die sich gegebenenfalls auch bezüglich anderer Steuern die Bücher an. Ein Besuch der Steuerfahndung ist also nie angenehm.

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