Die Wirtschaftsglosse Pfirsiche von der Konkurrenz

Deutsche verbringen herrliche Ferien in Griechenland und werden nicht mal beschimpft. Das geht ja nun wirklich gar nicht. Schließlich könnte am Ende des Tages das eigene Weltbild nicht mehr stimmen.
"Where are you from?": Die Griechen mögen uns Deutsche mehr als viele glauben

"Where are you from?": Die Griechen mögen uns Deutsche mehr als viele glauben

Foto: REUTERS

Wie, Ihr wart in Griechenland in Urlaub? In den neidvollen Blick auf meinen goldenen Teint - dezent hervorgehoben durch die weiße Bluse, die ich an meinem ersten Arbeitstag selbstverständlich ohne jede böse Absicht trage - mischt sich bei meinen Bekannten echte Sorge, gepaart mit kaum verhohlener Sensationsgier.

Kann man denn da jetzt überhaupt hinfahren, so als Deutsche, fragen sie. Die Griechen mögen uns doch gar nicht leiden, weil wir ihnen nicht noch mehr Geld hinterherwerfen. Die beschimpfen uns als Nazis. Und überhaupt, wird da nicht dauernd gestreikt? Gerade erst haben wir doch wieder Proteste, Unruhen, brennende Autos im Fernsehen gesehen.

Sorry, Ihr Lieben. Ich kann Euch leider nur von 30 Grad Plus, strahlender Sonne, leeren Traumstränden, glasklarem Meer und geschichtsträchtigen Steinhaufen (Delphi, Olympia, Mykene, Korinth, Epidauros) berichten. Von stilvollen kleinen Hotels, geschmackvoll eingerichtet mit unglaublich bequemen Betten des griechischen Herstellers Cocomat, mit modernen Bädern (Walk-In-Dusche, Bratpfannen-Duschkopf, edle Wachbecken) und großzügigen Terrassen mit Meerblick zu ausgesprochen günstigen Preisen. Von coolen Strandbars, lässigen Kaffeehäusern und schnuckeligen Tavernen mit einer Vielfalt an köstlichen Gerichten, die sich wohlschmeckend vom Souvlaki, Tsatsiki, griechischen Salat-Einerlei der hiesigen Olympos- und Kreta-Kneipen abhebt. Von der kostenlosen Wlan-Verbindung, die jedes Hotel, jede Bar und jede Tankstelle anbietet.

Vor allem aber will ich Euch von den herzlichen, freundlichen Griechen vorschwärmen, die uns allerorten zuvorkommend bedienten und nett mit uns plauderten.

Anfangs staunen die von meinem begeisterten Wortschwall überfluteten Zuhörer noch ungläubig. Aber ihre Überraschung wandelt sich schnell in wissendes Grinsen: Hah! Du hast Dich bestimmt als Amerikanerin oder Engländerin ausgegeben. Deshalb haben Dich die Griechen so gut behandelt.

Sorry, wieder nein. Weder habe ich meine Landsmannschaft verleugnet noch einen Job beim griechischen Fremdenverkehrsbüro angenommen. Ganz freimütig habe ich vor Ort auf die Frage "Where are you from?" mit Germany, präziser Munich, geantwortet. Und die Reaktion: Freudiges Lachen. Kurzberichte aus der Bundesliga - Bayern München hat Wolfsburg 1:0 besiegt. Und eine eher längliche Aufzählung, welche Verwandte und Freunde wo in Deutschland leben, mal gearbeitet haben oder demnächst hinfahren - das Ganze auch gerne auf Deutsch.

Drei Mal passierte es mir sogar, dass sich Hotelmanagerin, Kellner und Barbetreiber bei mir bedankt haben: Dafür, dass Deutschland die Griechen nicht hängen lässt. Für das Geld, das sie auch ganz bestimmt zurück zahlen wollen. Dafür, dass wir sie nicht aus Euroland hinaus werfen.

Fast bekomme ich ein schlechtes Gewissen als ich die enttäuschten Gesichter meiner Bekannten angesichts solch langweiliger Positivberichte sehe. Ich grüble und grüble: Bin ich vielleicht eine unverbesserliche Berufsoptimistin, die nur das Gute wahrnimmt. War da nicht doch irgend etwas Mieses?

Die leere Batterie des Mietwagens vielleicht. Aber dann müsste ich auch erwähnen, wie Hotelbesitzer Dimitri uns Starthilfe gab und mit seinem alten Opel zur nahegelegenen Avis-Station begleitete, damit bloß nichts schief geht. Und dort binnen einer Stunde eine neue Batterie eingebaut war und wir mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Oder der Demonstrationszug, der in Nafplio auf dem Peloponnes abends an der Meerespromenade skandierend entlang zog? Aber der Protest richtete sich gegen die Neonazis, die einen linken Rapper ermordet haben. Da will ich mich lieber einreihen statt mich gestört zu fühlen.

Halt jetzt hab ich es: Es gab wirklich einen Streik. An einem Tag waren die Ausgrabungsstätten geschlossen, weil die Staatsdiener an der Kasse gegen ihre Entlassungen agitierten. Da lagen wir nur gerade an einem weißen Sandstrand, weshalb uns der Ausstand nicht wirklich störte. Aber egal. Die Mienen meiner Gesprächspartner hellen sich zusehends auf. Haben wir es doch gewusst: Diese Schluris, diese griechischen!

Da fällt mir doch sofort noch etwas ein. Der alte Ladeninhaber in Kalambata bei dem Meteora-Klöstern. Der wollte uns doch partout keine seiner köstlichen Trauben verkaufen und schimpfte irgendetwas Unverständliches hinter uns her. Bestimmt war das etwas Deutschen-feindliches.

Jetzt ist die gute Laune am Tisch endgültig wieder hergestellt. Am Ende des Tages stimmt das Weltbild endlich wieder. Und ich werde den Teufel tun und erzählen, dass der Alte nur sauer war, weil wir bei seiner verhassten Konkurrentin Pfirsiche gekauft hatten.

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