Freitag, 20. September 2019

Euro-Krise Amerika, du hast es besser

Fotostrecke: Dollar-Raum gegen Euro-Raum
AP

Dollar gegen Euro: Im Vergleich der beiden großen westlichen Wirtschaftsräume verbessert sich Amerikas Position allmählich - ganz anders als in der Euro-Zone, wo sich die Schuldenprobleme immer weiter zuspitzen.

Euro-Ängste, Rating-Schocks, Krisen-Müdigkeit - bei all der Unbill blieb den Europäern bislang wenigstens ein Trost: Den USA geht es noch schlechter. Die Schulden - höher als im Durchschnitt der Euro-Zone; die Wirtschaft - chronisch wettbewerbsschwach; die Washingtoner Politik - noch weniger handlungsfähig als die europäische.

Amerika, du hast es schlechter. An dieser Gewissheit haben sich viele Europäer seit Ausbruch der Euro-Krise gelabt.

Leider stimmt das Urteil so nicht mehr. Wer die beiden großen westlichen Wirtschaftsräume vergleicht, muss feststellen, dass sich die Position Amerikas allmählich verbessert, während sich die Euro-Zone in immer tieferen Problemen verstrickt.

Das Grundproblem der Krise beiderseits des Atlantiks ist die hohe Verschuldung. Und ausgerechnet auf diesem Feld ist in den USA eine Trendwende zu erkennen - nicht jedoch in Europa. Eine neue Untersuchung des McKinsey Global Institute (MGI), für die ein internationales Expertenteam die öffentlichen und privaten Schulden der zehn größten entwickelten Volkswirtschaften analysiert hat, kommt zu dem Ergebnis: Nur in den USA, Südkorea und Australien bildet sich die Gesamtverschuldung in Relation zum Bruttoninlandsprodukt (BIP) allmählich zurück; in Deutschland immerhin stagnieren die entsprechenden Werte. In allen übrigen Ländern legen die Verbindlichkeiten noch weiter zu - dabei ist die Gesamtbelastung der öffentlichen und privaten Budgets bereits so hoch, wie noch nie zuvor in der Geschichte.

US-Bürger, Banken und Unternehmen fahren Schulden zurück

Sicher, die USA haben ein Staatsschuldenproblem. Hohe Defizite treiben die öffentlichen Haushalte immer tiefer in die roten Zahlen. Doch Amerikas Bürger, Banken und Unternehmen fahren ihre Verschuldung nach Höchstständen im Krisenjahr 2008 zurück. Sie senken ihre Verschuldung sogar schneller, als der Staat die seine weiter hochfährt. Das "Deleveraging" - die Enthebelung der amerikanischen Wirtschaft - ist den MGI-Zahlen zufolge im Gange.

In Europa hingegen steigt in vielen Ländern die Verschuldung immer weiter. Frankreich hat seit Beginn der Krise 2008 einen massiven Anstieg der Schulden verzeichnet; Banken, Firmen und Staat haben lange über ihre Verhältnisse gelebt, die Bürger jedoch stehen finanziell relativ solide da. Die private Wirtschaft in Italien steht deutlich besser da. Dort ist es allerdings vor allem der Staat, der das negative Gesamtbild prägt.

Besonders schwierig ist die Lage in Spanien. Iberische Unternehmen sind im Schnitt fast dreimal so hoch verschuldet wie deutsche - und doppelt so hoch wie amerikanische - , was die Investitionstätigkeit und die wirtschaftliche Gesundung massiv behindert. Auch die Bürger stehen nach der langen Immobilien-Fiesta mit 82 Prozent des BIP im Soll. Schlechte Voraussetzungen für einen Aufschwung.

Schweigen wir an dieser Stelle von Irland, das nach den MGI-Zahlen mit 663 Prozent des BIP eigentlich unrettbar überschuldet ist. Banken, Firmen, Bürger - alle haben sich völlig verhoben. Schweigen wir auch von Griechenland (wo die Privatwirtschaft inklusive der Banken zwar recht solide finanziert ist, aber Generationen von Politikern den öffentlichen Sektor in den Abgrund gemisswirtschaftet haben) und von Portugal, wo praktisch alle vier Sphären zu hohe Verbindlichkeiten aufgehäuft haben. Wie diese Länder jemals durch Sparen von ihren Schulden herunterkommen sollen, ist schleierhaft.

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