Sonntag, 25. August 2019

Euro-Krise Amerika, du hast es besser

Fotostrecke: Dollar-Raum gegen Euro-Raum
AP

2. Teil: Europa steht nur als Einheit gesehen gut da

Auch außerhalb der Euro-Zone, in Großbritannien, bleibt die Lage kritisch. Es ist eine Volkswirtschaft, die mit dem Fünffachen ihrer Wirtschaftsleistung in der Kreide steht. Trotz des massiven Sparprogramms der konservativ-liberalen Regierung gelingt es bislang nicht, auf einen Entschuldungskurs umzuschwenken. Nach zwei Jahrzehnten Boom sind Bürger, Banken und Unternehmen so hoch verschuldet, dass die Gesamtverbindlichkeiten inzwischen ähnlich dramatisch sind wie im latent bankrottbedrohten Japan.

Amerika macht es sich auch strukturell leichter: Weil sich die Politik nicht auf höhere Steuern einigen kann - kaum ein entwickelter Staat hat derart geringe laufende Einnahmen in Relation zum BIP -, kauft die Notenbank bedenkenlos Staatsanleihen auf und entlastet damit die Staatshaushalte; ein Kurs, der gerade in Deutschland als langfristig gefährlich gilt, der aber erstmal für relative Entspannung an den Finanzmärkten sorgt. Außerdem sind die USA ein ausgebildeter Bundesstaat, in dem Washington in großem Stil Gelder von starken in schwache Regionen transferiert werden; Vergleichbares gibt es nicht in Europa.

Der Dollar ist inzwischen deutlich schwächer, insbesondere gegenüber dem chinesischen Yuan. Das hilft der US-Industrie dabei, ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Es entstehen sogar wieder neue Industriejobs. Zwar ist die Beschäftigung längst nicht auf Vorkrisenniveau. Aber immerhin. In Italien und Frankreich hingegen ist die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen zwei Jahren gefallen.

Mehrheit der EU-Bürger glaubt an ein Fortdauern der Krise

Schon richtig: Betrachtet man die Euro-Zone als Einheit, dann steht sie insgesamt nicht so schlecht da. Der Schuldenstand der 17 Euro-Staaten liegt nach OECD-Berechnungen etwas niedriger als in den USA. Das reale BIP-Wachstum war 2011 etwa gleich schwach. Die Inflationsrate war diesseits des Atlantiks niedriger (2,6 Prozent im Euro-Raum zu 3,2 Prozent). Und im Gegensatz zu den USA (3 Prozent Defizit) hat die Euro-Zone zusammengenommen eine ausgeglichene Leistungsbilanz, was auf eine relativ gute Wettbewerbsfähigkeit hindeutet. Doch hinter dieser Globalzahl verbirgt sich ein sehr hoher deutscher Überschuss, der die Defizite der anderen Länder fast allein ausgleicht.

Es ist ganz offensichtlicht: Die Euro-Zone als Einheit gesehen mag nicht so schlecht dastehen, aber sie agiert nicht als Einheit - sie hat keine Systeme, die Ungleichgewichte ausbalancieren könnten, und eine Notenbank, die nur begrenzt als Gläubiger der letzten Zuflucht für bedrängte Staaten agieren kann. Auch deshalb kommt Europa aus der Schuldenkrise bislang nicht heraus - während es in Amerika wenigstens erste positive Anzeichen gibt.

Die letzte Eurobarometer-Umfrage ergab: 68 Prozent der EU-Bürger glauben, der schlimmste Teil der Krise stehe ihnen noch bevor. Sie könnten Recht behalten.

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