Donnerstag, 23. Mai 2019

European Business School Präsident Jahns scheitert am Größenwahn

Christopher Jahns: Ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten
obs / Danone Deutschland
Christopher Jahns: Ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten

Hausdurchsuchung, Haftbefehl, Verdacht auf Untreue: Das Aus für Christopher Jahns, Präsident der European Business School, ist ein schwerer Schlag für die Reformbemühungen der Managerschmieden.

Hamburg - Am Montagmorgen war es vorbei. Gegen 6 Uhr wurde Christopher Jahns, Präsident der "European Business School" (EBS) von Frankfurter Ermittlern aus dem Bett geklingelt, ein Haftbefehl wurde ihm präsentiert. Die Fahnder des Landeskriminalamtes durchsuchten neben Jahns' Frankfurter Privatwohnung auch mehrere Gebäude der EBS, beschlagnahmten Computer und kistenweise Akten. Es bestand der "Verdacht der Untreue", sagte der Wiesbadener Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse. "Der Haftbefehl wurde wegen Verdunkelungsgefahr ausgestellt."

Es war der bisherige Höhepunkt einer Affäre, die die einstige Eliteschmiede EBS seit Wochen erschüttert. Jahns wird vorgeworfen, als Hochschulpräsident allzu nonchalant das Geschäft von Unternehmen zu befördern, denen er privat eng verbunden ist. Das "manager magazin" deckte die Verflechtungen bereits vor rund einem Jahr in einem Artikel über die Nebengeschäfte deutscher Professoren auf ("Das Butterbrot-Prinzip", MM 4/2010, siehe linke Spalte).

Im Fokus steht ein Konglomerat aus Firmen in Deutschland und der Schweiz, an dem Jahns beteiligt ist, vor allem die Beratungsgruppe "BrainNet". Ein BrainNet-Manager sitzt im EBS-Stiftungsvorstand, Jahns wiederum firmiert in diversen BrainNet-Unternehmungen als Verwaltungsrat. Als EBS-Präsident Jahns, so der Vorwurf, habe er den Unternehmen mit dem Verwaltungsrat Jahns lukrative Aufträge in Höhe von Hunderttausenden Euro zugeschanzt. Jahns hat die Vorwürfe immer bestritten, ließ jedoch seit Mitte März sein Präsidentenamt ruhen. Jetzt klären die Ermittler, was am Untreuevorwurf dran ist. Nach der Plagiatsaffäre um die Guttenbergsche Doktorabeit an der Uni Bayreuth ist nun das Image einer weiteren selbsternannten Elitehochschule ruiniert.

Die 1971 gegründete EBS gilt als erste Managerschmiede nach angelsächsischem Vorbild in Deutschland. Man gibt sich gern "unique", betont den einzigartigen "spirit" auf dem Campus, und insbesondere Jahns wurde niemals müde, den unternehmerischen Geist seiner Institution herauszustreichen, der sie von den angeblich verschlafenen staatlichen Hochschulen unterschied.Die Bildungseinrichtung als Unternehmen, der Präsident als CEO, der vom World Economic Forum zu einem der "Young Global Leaders 2008" gewählt wurde - Jahns, der bevorzugt mit smartem Dreitagebart, Pilotenuhr und blitzendem Lächeln posiert, sah sich immer schon eher als Angehöriger der zupackenden Managerkaste denn als dröger Professor.

Vertuschung und Gier

Zuletzt drückte er den vom Land mit rund 25 Millionen Euro geförderten Aufbau einer neuen Law School durch: Dafür musste die EBS zwar nach Wiesbaden umziehen, durfte sich aber nach hessischem Hochschulrecht "Universität" nennen. Nun scheint es, als ob der umtriebige Ex-EBS-Präsident seinen Vorbildern aus der Wirtschaft vornehmlich in deren dunklen Seiten nacheiferte: fehlendes Fingerspitzengefühl, mangelnde Transparenz, Vertuschung und Gier. Zu besichtigen ist, wieder einmal, der Fall eines Mannes, den der Ehrgeiz und der Rausch an der eigenen Großartigkeit dazu verleitete, Gesetze und "good governance" als kleingeistiges Regelwerk abzutun. Der Imageverlust ist immens.

Er beginnt bei den Studierenden, die an der EBS mit rund 12.000 Euro jährlichen Studiengebühren zur Kasse gebeten werden und nun mit dem Manko leben müssen, ihren Abschluss an einer Affären-Hochschule zu machen. Doch der Schaden reicht weit über die Karrierepläne Einzelner und über das beschauliche Wiesbaden hinaus. Wenn eine Institution wie die EBS ("Engagiertes Unternehmertum leben wir als Pionier der deutschen Business Schools seit 1971 vor"), die künftige Führungskräfte auf eine komplexe Wirtschaft vorbereiten soll, in ihrer Spitze die Werte und Regeln verhöhnt, für die sie angeblich steht, ramponiert sie damit das Ansehen eines ganzen Berufsstands.

Gerade Jahns hatte es im Nachgang zur Finanzkrise geschickt verstanden, sich als moralischer Erneuerer der Manager-Ausbildung in Szene zu setzen. Er verpasste der EBS ein "Center for Responsible Economy", einen Lehrstuhl für "Social Business" und ein Institut für Unternehmensethik. Ja, er initiierte gar eine Art hippokratischen Eid für Manager, den seine Studierenden schwören sollten und dessen Leitbild der "ehrbare Kaufmann" sei, wie er in zahllosen Äußerungen immer wieder betonte.Es schien der Anfang eines Umdenkens zu sein. Eine Reaktion auf die Mechanismen, die zur Finanzkrise geführt hatten und für die auch die allzusehr auf Shareholder Value ausgerichtete Ausbildung an den Business Schools verantwortlich gemacht wurde.

"Wir haben verstanden", sollte das ausdrücken. Es sollte wieder ein wenig Vertrauen herstellen in die Männer und Frauen, die künftig in den Entscheidungspositionen der Wirtschaft sitzen werden.Jahns hat dieses Vertrauen verspielt, bevor er es überhaupt aufgebaut hatte. Seine Ethik-Ideen klingen nun wie blanker Hohn - schlimmer noch: wie eine glänzende Fassade, aufgebaut, um das schmuddelige Innenleben dahinter zu verbergen. Wie schon Guttenberg müssen sich Jahns und die EBS an den strengen Maßstäben messen lassen, die sie selbst aufgestellt haben.

Der Unterschied ist nur: Guttenberg nahm man diese Maßstäbe zumindest anfangs ab. Jahns, die EBS und andere Business-Schools, sowie letzten Endes sämtliche Wirtschaftsführer, müssten sich das Vertrauen, das in der Finanzkrise verloren ging, erst wieder erarbeiten. Die Affäre ist dabei ein Rückschlag, von dem sich alle Beteiligten so schnell nicht erhohlen werden.

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