Mittwoch, 1. April 2020

Müllers Memo Deutschland braucht Flüchtlinge!

Flüchtlingen in der Ausbildung: Die Schülerin Hadeiatou aus dem afrikanischen Guinea absolviert in der Metallwerkstatt der Allgemeinen Berufsschule in Bremen einen Kurs im E-Schweißen. Die junge Frau gehört zu den Flüchtlingen, denen es gelang, ihr Leben nach Deutschland zu retten und hier eine Ausbildung zu beginnen

Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer, Flüchtlingsheime überall in Deutschland - was wir derzeit erleben, ist die neue Normalität. Zuwanderer kommen in großer Zahl nach Deutschland, aus ganz unterschiedlichen Gründen und Ländern: EU-Bürger auf der Suche nach Jobs, Syrer auf der Flucht vor dem Krieg in ihrem Land, Afrikaner in der Hoffnung nach Wohlstand und Entfaltungsmöglichkeiten.

Knapp eine halbe Million zusätzliche Einwohner hat die Bundesrepublik voriges Jahr gewonnen, 2015 dürften es noch mehr werden. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar.

Es kommen zum großen Teil Menschen, die wir weder abweisen können noch sollten. EU-Bürger genießen Freizügigkeit, so wie auch Deutsche sich im grenzenlosen Europa niederlassen können, wo sie möchten; Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber haben verbriefte Schutzrechte. Wer hier leben, arbeiten und sich integrieren möchte, dem sollte die Bundesrepublik von Anfang an die Möglichkeit bieten, heimisch zu werden. Statt über die Verteilung von Lasten auf Bundesländer und Kommunen zu reden, wie es derzeit geschieht, braucht Deutschland ein großes, bundesweites Integrationsprogramm.

Das ist eine Phantasterei. Millionen Menschen hierzulande die Möglichkeit zur persönlichen und ökonomischen Entfaltung zu bieten, das wäre eine lohnenswerte Investition in unsere eigene Zukunft.

Um es klar zu sagen: Es ist ein großer historischer Glückfall, dass Deutschland just in dem Moment Menschen in großer Zahl aus dem Ausland anzieht, in dem diese Gesellschaft sie braucht.

Alterung der deutschen Gesellschaft wird sich rapide beschleunigen

Am Dienstag wird das Statistische Bundesamt die neue Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2060 vorstellen. Die Zahlen dürften wenig Überraschendes bringen. Ab dem kommenden Jahrzehnt, so sagten es frühere Prognosen der Wiesbadener Statistiker wie auch der Uno vorher, wird die Alterung der deutschen Gesellschaft sich rapide beschleunigen. Der Anteil der Personen ab 67 Jahre, in Relation zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, wird sich bis 2060 in etwa verdoppeln. Währenddessen schrumpft die Gesamtbevölkerung um ein Siebtel - 12 Millionen Menschen weniger. Ein beispielloser Bevölkerungsverlust.

Bei aller Unsicherheit, mit der derartige Projektionen verbunden sind, so hochproblematisch sind doch die langfristigen Aussichten für diese Gesellschaft. Zwei mögliche Entwicklungen könnten für eine Aufhellung der Pespektiven sorgen: ein kräftiger Anstieg der Produktivität und eine hohe Zuwanderungsdynamik - idealerweise eine Kombination aus beidem. Allerdings ist das Produktivitätswachstum überall in der westlichen Welt quasi zum Erliegen gekommen, so dass die derzeit besten Hoffnungen auf dem Zuzug aus dem Ausland liegen.

Damit sind wir bei der aktuellen Zuwanderungswelle. Seit 2010 kommen immer mehr Menschen her. So tragisch die Schicksale sein mögen, die die Migranten zum Verlassen ihrer Heimat treiben, so klar ist auch: Für Deutschland birgt der Einwanderungsstrom große Chancen.

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