Mathias Cormann Kaum eine Chance - aber er nutzt sie

Der Kandidat Australiens für den OECD-Topjob hat es bis ins Finale geschafft - obwohl seine Klimapolitik scharf kritisiert wird. Seine deutsch-belgische Vergangenheit könnte Cormann nun helfen.
Mathias Cormann (Mitte): Australier mit deutsch-belgischen Wurzeln

Mathias Cormann (Mitte): Australier mit deutsch-belgischen Wurzeln

Foto: MICK TSIKAS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Er hat kaum eine Chance – aber bislang nutzt er sie. Mathias Cormann (50), der Kandidat Australiens für den Posten des OECD-Chefs, hat sich bis in die Endrunde des ungewöhnlichen Wahlkampfs vorgearbeitet. Insgesamt zehn Bewerber waren im vergangenen November offiziell angetreten. Das Finale findet seit Anfang März zwischen Cormann und Cecilia Malmström statt, der liberalen Ex-EU-Kommissarin aus Schweden. Dass es noch einmal die Verlängerung geht, ist ein Erfolg für den Australier.

Cormann ist ein Konservativer aus der Top-Liga der australischen Politik. Er hat aber auch eine deutsch-belgische Vergangenheit, die ihm jetzt im diplomatischen Tauziehen hilft.

Bis zu seiner OECD-Kandidatur war Cormann sieben Jahre lang Finanzminister seines Landes, damit auch regelmäßig auf dem internationalen Parkett unterwegs. Seine Gegner kritisieren ihn heute vor allem wegen der Klimapolitik: Australien ist ein großer Kohleexporteur, die regierenden Konservativen unterhalten gute Beziehungen zu den Bergbauunternehmen. Australische Umweltgruppen und internationale Klimaaktivisten haben eine Kampagne  gegen Cormanns Berufung zum OECD-Generalsekretär gestartet: Aufgrund seines grünen Versagens in der Vergangenheit sei er "kein geeigneter Kandidat" für dieses Amt.

Bessere Brücken nach Asien und Lateinamerika?

Cormann selbst verspricht, dass er das Klimathema künftig vorantreiben will. Politische Unterstützung hat er offenbar vor allem bei jenen gefunden, die noch nicht so lange im "Klub der Industrieländer" vertreten sind. Die Pariser OECD entstand ursprünglich einmal aus der Koordination des Marshallplans für Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Rein zahlenmäßig wird sie heute von den EU-27 dominiert. Auch Länder wie Südkorea, Israel, Mexiko, Chile und Kolumbien sind aber inzwischen OECD-Mitglieder.

Ein Australier könnte womöglich bessere Brücken nach Asien und Lateinamerika bauen. Cormanns ganz spezieller Vorteil ist, dass er ursprünglich aus dem Herzen Europas kommt: Er ist gebürtiger Belgier aus der deutschsprachigen Region Eupen. Sein Heimatörtchen Raeren liegt im Dreiländereck bei Aachen, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Flüssiges Französisch, das als Voraussetzung für den Chef-Job bei der Pariser OECD gilt, ist für Cormann ebenso wenig ein Problem wie Niederländisch. Sein Jurastudium hat er an der Universität Leuven nahe Brüssel abgeschlossen. Zeitweise arbeitete er auch für einen Europaabgeordneten. Mit 26 Jahren entschloss er sich aber dann, nach Australien auszuwandern.

cs
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