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Leere Versprechungen

Die Telekom wirbt für den superschnellen Internet-Zugang über das herkömmliche Telefonkabel. Leider gerät das Tempowunder zum Geduldsspiel.
aus manager magazin 2/2001

VON EVA MÜLLER

Ärgerlich, diese Telefonrechnung. Mehr als 100 Mark habe ich im Internet verdaddelt. Ganz schön üppig für die paar Downloads und das bisschen Online-Spielen.

Aber da purzelt noch etwas aus dem Umschlag. Ein bunter Prospekt verkündet: Speed, Spaß und Sparen! Für nur 9,90 Mark mehr im Monat bietet die Telekom einen Breitband-Internet-Anschluss, der fast 12-mal schneller sein soll als mein lahmes ISDN.

Wie heißt das Ding? T-DSL. Das will ich haben. Vorbei das endlose Warten am Rechner, bis ich ein ruckeliges Minivideo sehen oder einen Musiktitel spielen kann. Schluss mit den ausgedehnten Kaffeepausen, die eine Monster-Mail mit Riesenanhang erzwingt.

Im Paket mit DSL gibt es von T-Online auch noch eine günstige Flatrate: Für 49 Mark so viel surfen, wie ich will. Macht zusammen rund 60 Mark für konstantes superschnelles Internet.

Klingt zu gut, um wahr zu sein. Ich frage meinen Freund, den Telekommunikationsexperten Michael. Was ist dran an diesem DSL?

Die Antwort: Im Prinzip ist DSL klasse. Die Technik überträgt bis zu 768 Kilobit pro Sekunde über die normale Kupferleitung. So macht Surfen richtig Laune.

Und wo liegt das Problem?

Michael erzählt: Er habe DSL schon im vergangenen September bestellt. Ein Bescheid versprach ihm den Anschluss für Anfang Dezember. Dann ein weiteres Schreiben - frühestens im April 2001 sei es so weit. Der Anruf bei der Telekom-Hotline ergab schließlich: Erst irgendwann im Spätherbst 2001 gebe es für ihn DSL. Ein Jahr nach dem Antrag. Mittlerweile kennt Michael auch den Grund für die lange Verzögerung: Im Münchener Bezirk Giesing, wo Michael wohnt, steht die technische Infrastruktur für DSL noch nicht.

Mit DSL ist das nämlich so: In den Vermittlungsstellen der Telekom werden so genannte DSLAM-Einrichtungen montiert. Sie ermöglichen es, Daten blitzschnell über die vorhandenen Leitungen zu einem Modem zu übertragen, das beim Teilnehmer steht. Jetzt muss die Telekom überall die DSLAM-Geräte installieren - und das dauert. Bundesweit warten mehr als 250 000 Antragsteller auf ihren T-DSL-Anschluss, weil die Telekom nicht nachkommt. Erst ein Drittel der mehr als 400 000 Anträge konnten die Bonner bislang abarbeiten. Aber nicht jeder der Glücklichen hat etwas von seinem DSL: Manchen fehlt das Modem, das derzeit nicht lieferbar ist.

Na gut, dann gehe ich eben zu Arcor. Bieten die nicht auch DSL an? Antwort aus der Düsseldorfer Zentrale: Im Prinzip ja. Aber weil die Telekom-Konkurrenten auf die Technik des ehemaligen Monopolisten angewiesen sind, geht es dort keinen Tag schneller.

Es muss doch eine Alternative geben.

Was ist mit Powerline, dem Angebot der Energielieferanten? Ja, das erproben derzeit 100 Testhaushalte in Essen. Aber bis das Internet aus der Steckdose endlich serienreif ist, gibt es auch überall DSL.

Wie wäre es dann mit dem Web-Zugang über Fernsehkabel? Das geht doch auch ziemlich flott. Ja, die Pilotphase läuft gerade. Anfang 2002 soll das WWW in fünf Bundesländern aus der TV-Buchse flutschen.

Wieder nichts. Aber halt. Eine Möglichkeit gibt es noch. Junge Firmen wie die Kölner QS Communications (QSC) bauen in den Vermittlungsstellen der Telekom ihre eigenen DSL-Geräte auf. In 40 Städten hat QSC bereits die Hauptverteiler versorgt. Wer in deren Nähe wohnt, soll innerhalb kürzester Zeit einen der begehrten DSL-Anschlüsse bekommen. Und der gewährleistet im Gegensatz zu T-DSL nicht nur den schnellen Empfang von Daten, sondern er bringt auch die von mir abgesendeten Informationen zügiger zum Adressaten.

Wo ist der Haken? Na klar, der Preis. Für einen T-DSL vergleichbaren Anschluss soll ich 300 bis 400 Mark im Monat zahlen.

Ich glaube, so schlimm finde ich meine 100 Mark Internet-Rechnung gar nicht mehr. u

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