Vertreter der ordoliberalen Schule Ex-Wirtschaftsweiser Feld wird Lindners Chefvolkswirt

Comeback für Lars Feld: Der ehemalige Wirtschaftsweise wird Berater von Bundesfinanzminister Christian Lindner. Der Ökonom wechselt allerdings nicht ins Ministerium, sondern bleibt unabhängig.
Steht der Regierung wieder beratend zur Seite: Als Wirtschaftsweiser wurde sein Vertrag nicht verlängert, nun holt ihn das Finanzministerium zurück

Steht der Regierung wieder beratend zur Seite: Als Wirtschaftsweiser wurde sein Vertrag nicht verlängert, nun holt ihn das Finanzministerium zurück

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Der langjährige Wirtschaftsweise Lars Feld (55) wird persönlicher Berater von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP; 43). Er werde die neue Funktion ehrenamtlich ausfüllen und bleibe als Wissenschaftler unabhängig, teilte das Finanzministerium am Montag in Berlin mit und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Stabile Staatsfinanzen und eine maßvolle Finanzpolitik seien die Grundpfeiler der sozialen Marktwirtschaft, sagte Lindner. "Kaum ein anderer Ökonom in unserem Land hebt diesen Zusammenhang immer wieder so deutlich hervor wie Professor Lars Feld." Er sei zudem einer der profiliertesten Streiter für die Schuldenbremse, die in der Corona-Pandemie ausgesetzt wurde, Lindner aber ab 2023 wieder einhalten will.

Der 55-jährige Feld hat seit 2010 den Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg inne. Von 2011 bis 2021 war er im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, also Wirtschaftsweiser. Von März 2020 bis Februar 2021 war er Vorsitzender des Gremiums.

In der damals regierenden Großen Koalition wollten CDU/CSU eine dritte Amtszeit für Feld, was die SPD aber blockierte. Viele Sozialdemokraten halten ihn in der Finanzpolitik für zu rigoros. Seitdem gibt es ein Patt zwischen den Wissenschaftlern im Sachverständigenrat und daher oft keine klaren Empfehlungen an die Bundesregierung.

Feld ist einer jener Ökonomen, mit denen Lindner schon länger engeren Kontakt hält und der die FDP in der Vergangenheit bereits beraten hat. Der Bundesfinanzminister schätzt Felds ordoliberale Überzeugung, also jene Schule der Volkswirtschaft, die einen starken Staat fordert, sich aber nach der Festsetzung der Grundregeln weitestgehend aus dem freien Markt raushält. Der Ordoliberalismus gilt als wirtschaftstheoretischer Grundbaustein der sozialen Marktwirtschaft. Feld setzt sich unter anderem für solide Staatsfinanzen ein.

Einer der Begründer des Ordoliberalismus in den Dreißigerjahren war der Wissenschaftler Walter Eucken, nach dem das Walter-Eucken-Institut an der Universität Freiburg benannt ist. Dieses Institut leitet Feld seit 2010.

mg/AFP, Reuters
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