Donnerstag, 17. Oktober 2019

Exklusiv - Welt-Handelsindex Showdown im Zollstreit - Welthandel knickt ein

Starker Mann in Washington: US-Präsident Trump hat sich in Handelsfragen mit dem Rest der Welt angelegt - wie geht der Konflikt aus?

2. Teil: Europäer suchen Lösung in letzter Minute

Was der WHI anzeigt, lässt sich auch an anderer Stelle bereits deutlich messen. So verbuchte in dieser Woche auch das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) deutliche Einbußen. Der ZEW-Index fiel im März um 12,7 Punkte auf 5,1 Zähler, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Es ist bereits der zweite Rückgang in Folge, und er fiel überraschend stark aus. Bankvolkswirte hatten nur einen Rückgang auf 13,0 Punkte erwartet. Als Grund für das deutliche Absinken der Stimmung deutscher Finanzexperten gilt ebenfalls die Sorge vor einem globalen Handelskrieg.

Der Welt-Handelsindex ...
  • ... fasst alle relevanten Daten aus den vier Logistikwegen Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport zusammen und bietet ein Gesamtbild des Welthandels in einer Zahl.
    Je höher oder tiefer der Index steht, desto besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weist der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Bei Indexständen zwischen 55 und 0 Punkten schrumpft der Warenverkehr.
    Der Welt-Handelsindex wird vom Institut für Kapitalmarktanalyse, einer Tochter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber, herausgegeben und monatlich exklusiv auf manager-magazin.de veröffentlicht. Informationen zum Index gibt es auch unter www.kapitalmarktanalyse.com.

Unterdessen versuchen Vertreter der EU und ihrer Mitgliedstaaten im Streit um die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium, die Ende der Woche in Kraft treten sollen, mit Hochdruck, noch Ausnahmen auszuhandeln. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström reiste zu dem Zweck diese Woche nach Washington, um dort US-Handelsminister Wilbur Ross sowie den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer zu treffen. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sprach am Rande des G20-Treffens in Buenos Aires mit seinem US-Kollegen Steve Mnuchin über das gleiche Thema.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte nach einem Treffen mit Ross am Montag gesagt, er sehe noch Chancen auf einen baldigen Kompromiss. Auch am Dienstagabend, nach Abschluss seiner Gespräche gab sich Altmaier auf dem Kurznachrichtendienst Twitter weiter optimistisch ("Einigung ist möglich, wenn wir wollen!").

Der deutsche Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD) dagegen zeigte sich "skeptisch", dass noch eine Lösung zustande kommen könnte. "Wir sind derzeit (...) doch weit von einer vernünftigen Lösung entfernt", sagte Roth beim Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. "Wir alle sind sehr besorgt über die dogmatischen und ideologischen Entscheidungen" von US-Präsident Donald Trump.

Ausnahmen für die von Trump verhängten Strafzölle auf Aluminium und Stahl gibt es bislang nur für Kanada und Mexiko. Die Europäer pochen jedoch darauf, als langjährige Partner der USA ebenfalls von den Maßnahmen ausgenommen zu werden. Mit den neuen Zöllen auf Stahl und Aluminium würden die USA "ihre eigenen Verbündeten treffen", sagte beispielsweise Frankreichs Minister Le Maire.

Die EU-Europaminister bereiten den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag vor. Es wird erwartet, dass die Staats- und Regierungschefs dort eine Erklärung zu den US-Strafzöllen verabschieden. Sollte es in den Verhandlungen mit der US-Regierung keine "gute Lösung" geben, werde die EU über Gegenzölle zu sprechen haben, sagte Roth. "Wir wollen das natürlich nicht. Aber am Ende des Tages können wir uns auch als Europäische Union nicht alles gefallen lassen."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, den Handelsstreit mit den USA zur Chefsache zu machen. Merkel sei "zu spät in die Initiative gekommen", sagte der FDP-Wirtschaftsexperte dem Radiosender SWR Aktuell. Die Bundeskanzlerin müsse "selbst zum Telefonhörer greifen", um die US-Strafzölle "in letzter Minute abzuwenden".

Mit Material von Nachrichtenagenturen

Seite 2 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung