Samstag, 24. August 2019

Exklusiv - Welt-Handelsindex Trump und Xi lassen Welthandel durchatmen

Gesten der Annäherung: US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping beim G20-Gipfel in Osaka.

Getty Images

Die Entspannung, die sich im globalen Konflikt um den Welthandel zuletzt zeigte, lässt sich auch am Welt-Handelsindex (WHI) des Kölner Instituts für Kapitalmarktanalyse (IfK) ablesen. Der Index, den manager-magazin.de regelmäßig exklusiv präsentiert, legte nach längerem Abwärtstrend wieder leicht zu.

Laut Markus Zschaber, Vermögensverwalter aus Köln und Chef des IfK, zeigt der Anstieg des WHI, dass sich der Handelskonflikt, der insbesondere zwischen den USA und China besteht, nicht ausschließlich negativ auf das Geschehen auswirkt. So haben Akteure angesichts der Spannungen Geschäfte vorgezogen, sagt Zschaber. Das habe unter anderem zum jüngsten Plus beigetragen. Der IfK-Chef glaubt, dass der Index demnächst wieder über die Marke von 70 Punkten steigen kann. Aktuell steht der WHI bei 69,3 Punkten (Grafik).

Eine Entspannung zwischen den USA und China hatte sich unter anderem beim G20-Gipfel in Osaka, Japan, angedeutet. Dort hatten sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Machthaber Xi Jinping getroffen und neue Gespräche über den Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen beiden Ländern vereinbart.

Zudem schlägt auch die Europäische Union (EU) gegenüber den USA neuerdings versöhnliche Töne an. Wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bekräftigte, ist die EU bereit, Industriezölle auf Null zu senken, um den Vereinigten Staaten entgegenzukommen. Das schließe auch Einfuhrzölle auf Autos ein, sagte der Minister der "Welt am Sonntag". Um die Zölle auf Autoimporte hatte es zwischen den USA und der EU in den vergangenen Monaten besonders heftiges Hin und Her gegeben.

Einige positive Signale also von verschiedenen Seiten im Welthandels-Konflikt. Doch davon sollten sich die Akteure nicht beirren lassen, meint IfK-Chef Zschaber. Zwar sei es positiv, wenn sich die USA und China wieder in Verhandlungen befänden, sagt er. Das Risiko für Deutschland steige jedoch dadurch. "Beobachter sehen in Deutschland mit seinen Handelsbilanzüberschüssen ein leichtes Opfer für US-Präsident Donald Trump", so Zschaber. "Dieser könne sich angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 ein neues Ziel für seine scharfe Rhetorik suchen, um von innenpolitischen Problemen abzulenken und potenzielle Wähler hinter sich zu bringen."

Ähnlich pessimistisch blickt auch der Außenhandelsverband BGA in die Zukunft. Der Verband rechnet für 2019 inzwischen nur noch mit einem Exportwachstum, das halb so hoch ist wie im vergangenen Jahr. Als ein Grund für das langsamere Wachstumstempo gelten die Handelseinschränkungen, initiiert vor allem von Seiten der USA.

"Wir gehen davon aus, dass das Exportvolumen in diesem Jahr um 1,5 Prozent steigt", so Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). 2018 hatte es noch ein Plus von 3 Prozent gegeben.

Mit Material von Nachrichtenagenturen

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