Frankreich, Italien, Niederlande Schwache Industrieproduktion schürt Konjunktursorgen - Börsen geben nach

Schwache Daten zur Industrieproduktion im Mai aus Italien, Frankreich und den Niederlanden schüren Sorgen um die weitere Konjunkturerholung in der Euro-Zone. Auch an den Börsen ist Unsicherheit zu spüren.
Turbinenproduktion bei Siemens: Auch aus Deutschland waren enttäuschende Produktionszahlen gekommen

Turbinenproduktion bei Siemens: Auch aus Deutschland waren enttäuschende Produktionszahlen gekommen

Foto: Matthias Rietschel/ ASSOCIATED PRESS

Frankfurt am Main - Aus Frankreich wurde ein Rückgang um 1,7 Prozent gemeldet - der stärkste seit September 2012. In den italienischen Betrieben ging die Produktion im Mai im Vergleich zum Vormonat um 1,2 Prozent zurück. Die Statistikbehörde des Landes meldete damit den stärksten Einbruch seit November 2012. Ein ähnliches Bild zeigte sich in den Niederlanden, wo die Industrieproduktion im Mai um 1,9 Prozent zum Vormonat einbrach. Am kommenden Montag werden die Zahlen für die gesamte Euro-Zone erwartet.

Die herben Rückschläge in Italien, Frankreich und den Niederlanden verunsicherten Experten und Anleger. Der Dax verlor bis zu 1,6 Prozent und rutschte unter die Marke von 9700 Punkten. Der französische CAC 40  gab 1,5 Prozent nach. Der Euro-Zonen-Leitindex EuroStoxx 50  rutschte um 1,7 Prozent ab.

Experten wurden bei ihren Prognosen für die Mai-Daten auf dem falschen Fuß erwischt. Sie hatten nach dem bereits schwachen Jahresauftakt fest mit einer Erholung gerechnet. Die überraschend schwachen Daten knüpfen nahtlos an enttäuschende Produktionszahlen aus Deutschland an.

Auch die Konjunkturlokomotive der Euro-Zone hatte im Mai einen besorgniserregenden Aussetzer gezeigt. Die Industrieproduktion war um 1,8 Prozent zum Vormonat eingebrochen und damit so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Ukraine-Krise und Kalender-Effekte belasten

Experte Christian Schulz von der Berenberg Bank geht davon aus, dass unter anderem die Ukraine-Krise und die neue Eiszeit zwischen den westlichen Industriestaaten und Russland eine Rolle bei den schwachen Konjunkturdaten aus dem Mai spielen könnten. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, mit dem sich die überraschend schwachen Mai-Daten erklären lassen: "Es spielen auch Kalender-Effekte eine Rolle", sagte Experte Schulz weiter.

In diesem Jahr fielen die Osterfeiertage später als gewöhnlich in den Mai. Die Ferienzeit hatte die Produktion in den Unternehmen gebremst. Außerdem dürften Brückentage die Fertigung behindert haben, mutmaßte Schulz. Mit Blick auf die jüngsten Daten wollte er aber nicht ausschließen, die Wachstumsprognose für das laufende Jahr zu senken.

Neben den Daten zur Industrieproduktion gab es zuletzt allerdings weitere Hinweise, die auch bei der Wachtumslokomotive Deutschland für ein Abflauen der Konjunktur sprechen. Experte Stefan Schneider von der Deutschen Bank erkannte solche Signale im Rückgang des Ifo-Geschäftklimas und der trüberen Stimmung bei den Einkaufsmanagern. Dies habe gezeigt, "dass die Wirtschaft mindestens einen Gang heruntergeschaltet hat", sagte Schneider.

Am Devisenmarkt belasteten die schwachen Daten den Euro , der im Mittagshandel auf ein Tagestief von 1,3615 Dollar fiel. Dagegen beflügelte die schwache Produktion deutschen Staatsanleihen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg bis zum Mittag um 0,45 Prozent auf 148,00 Punkte.

ts/dpa-afx
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