Montag, 9. Dezember 2019

Müllers Memo Schwindet die Pressefreiheit, schwindet der Wohlstand

Solidaritätskundgebung für "Charlie Hebdo" in London: Ohne Pressefreiheit stehen ökonomische Freiheit und nachhaltiger Wohlstand auf dem Spiel

2. Teil: Wenn sich Journalisten bedroht fühlen, bleiben brisante Recherchen liegen

Freiheit ist kein Luxus, den sich nur reiche Gesellschaften leisten können, sondern gerade die Voraussetzung für Wohlstand. Umgekehrt gilt: Unfreiheit ist auch ökonomisch eine schwer erträgliche Bürde, die umso schwerer wiegt, je mehr die Weltwirtschaft von Wissen und Können angetrieben wird. Wie sollen Innovationen entstehen, wenn der Zugang zu Informationen behindert wird und Ideen, auch abwegige, nicht angstfrei geäußert werden können? Wenn Meinungen und Deutungen nicht miteinander in öffentlichen Wettstreit treten können? Unter den 40 wohlhabendsten Ländern der Welt finden sich nur wenige unfreie Staaten, und das sind ganz überwiegend Öl-Fürstentümer vom Persischen Golf.

Ohne die Freiheit des Wortes gelangt nur die Korruption zu wahrer Blüte.

Und was ist mit China? Immerhin wächst die KP-beherrschte Riesenvolkswirtschaft seit langem schneller als das freiheitliche Indien. Bekämpft Peking also nicht mit einigem Recht die Demokratiebewegung in Hongkong, wo sich ein gewisses Maß an Pressefreiheit als Erbe der britischen Kolonialzeit erhalten hat? Das Gegenteil ist richtig: Chinas rasche Industrialisierung stößt an Grenzen. Soll künftig die Produktion von neuem Wissen und von Kreativität gedeihen, braucht es ein Klima, in dem Kritik und offene Worte nicht nur möglich, sondern erwünscht sind. Eine Erfahrung, die zuvor schon Südkorea, Taiwan oder Chile gemacht haben. Davon ist China weit entfernt: Im Freedom-House-Ranking erreicht das Land gerade mal Platz 80. Nirgendwo in Asien - außer in Nordkorea - ist die politische Repression rigider.

Auch wenn es vielen Bürgern im Westen nicht ständig bewusst sein mag: Pressefreiheit ist ein hohes Gut - ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebensstils und eine Voraussetzung unseres Lebensstandards. Bedroht wird sie nicht nur durch staatliche Repression: Wo immer sich Journalisten bedrängt fühlen, bleiben brisante Recherchen liegen und kritische Kommentare ungeschrieben. Wir sollten es nicht so weit kommen lassen.

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