Krisenfeste Konjunktur Der deutsche Teflon-Aufschwung

Staatskrise in der Ukraine, Turbulenzen in Schwellenländern, nachlassendes Wachstum in China - der deutschen Konjunktur kann all das bislang wenig anhaben. Viel wichtiger für die Bundesrepublik sind die weiteren Pläne der EZB.
Teflon-Aufschwung: Was immer draußen in der Welt an Verwerfungen passiert, an Deutschland scheint es abzuperlen

Teflon-Aufschwung: Was immer draußen in der Welt an Verwerfungen passiert, an Deutschland scheint es abzuperlen

Foto: DPA

Es könnte alles so schön sein. Gerade hat sich die Euro-Zone der zweiten Rezession binnen fünf Jahren entwunden. Frankreich begibt sich endlich auf den mühsamen Weg der Reformen. In Italien tritt eine neue, ambitionierte Regierung an, die tiefen strukturellen Probleme zu lösen. Der neue manager-magazin-Konjunktur-Indikator zeigt für Deutschland ein Wachstum von stolzen 2,8 Prozent fürs laufende Jahr an, und auch andere Prognosen werden allmählich nach oben korrigiert. Wäre da nicht die abermals steigende Unsicherheit, die von außen nach Deutschland und den übrigen Euro-Raum hinüber schwappt.

Ist nun auch unser Aufschwung in Gefahr?

Eher wolkig als heiter stellt sich derzeit die internationale Großwetterlage stellt sich dar:

  • Die Zitterpartie in den Schwellenländern hält an. Eine mögliche Staatspleite in der Ukraine (Auslandsverschuldung: 77 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) könnte andere Länder in einem Dominoeffekt mitreißen. Zumal politische Spannungen auch in Thailand (Ground Zero der Asien-Krise von 1997), der Türkei oder Südafrika unübersehbar sind. Gefährdet sind vor allem Länder mit hoher Auslandsverschuldung und/oder großem außenwirtschaftlichen Defizit: Indien, Türkei, Brasilien, Südafrika oder Indonesien. Argentinien steckt bereits in einer Währungskrise, nachdem der Peso zu Jahresbeginn um ein Drittel in den Keller gerauscht ist. Der allmähliche Ausstieg der US-Notenbank aus dem Programm zum Wertpapieraufkauf sorgt seit vorigem Jahr immer wieder für Verwerfungen in den Schwellenländern.
  • Enttäuschende Frühindikatoren aus der chinesischen Industrie deuten auf eine weitere Abschwächung des Wachstums hin. Seit 2010 ist Chinas stürmische Aufholjagt erlahmt. Nachdem die Wunderökonomie zwei Jahrzehnte lang mit Raten um 10 Prozent und mehr jährlich gewachsen war, liegen die Werte nun unter 8 Prozent - und fallen tendenziell weiter.
  • Schwache Zahlen vom US-Arbeitsmarkt nähren Zweifel an der Solidität des amerikanischen Aufschwungs. Der Beschäftigungsaufbau läuft stockend (neue Zahlen am Donnerstag). Die Unternehmen investieren wenig, sitzen lieber auf großen Cash-Polstern. Auch in Amerika nehmen die politischen Unsicherheiten allmählich wieder zu; der Wahlkampf zu den "Midterm Elections" im Herbst wirft seine Schatten voraus.

Alles bedeutende Entwicklungen für ein so exportstarkes Land wie die Bundesrepublik. Dass Deutschland die große Krise von 2009 soviel schneller abgeschüttelt hat als andere, lag nicht zuletzt an der Ausfuhr nach Asien und in die USA. Gemeinsam tragen Amerika, China und die übrigen Schwellenländer mehr als ein Drittel zum deutschen Export bei. Klar, Probleme in diesen Märkten würden gravierende Auswirkungen auf Teile der deutschen Industrie haben. Aber würden sie hierzulande die Konjunktur insgesamt abwürgen?

Das Wachstum trägt die Binnenwirtschaft

Eher nicht. Auskunft darüber wird der Ifo-Geschäftsklima-Index am Montag geben. Bislang jedenfalls haben sich die dafür befragten Manager von außenwirtschaftlichen Risiken und Verwerfungen unbeeindruckt gezeigt . Der analoge Stimmungsindikator für die französische Wirtschaft - immer noch mit Abstand wichtigster Exportmarkt für deutsche Unternehmen (rund 10 Prozent der gesamten Exporte) - wird übrigens am Dienstag veröffentlicht.

Deutschland erfreut sich derzeit eines neuen Konjunkturmusters, das sich in den offiziellen Zahlen bislang nicht vollständig widerspiegelt. Nicht mehr der Export trägt das Wachstum - bereits im vorigen Jahr schwächte sich die außenwirtschaftliche Dynamik ab -, sondern die Binnenwirtschaft: Die Investitionen ziehen an, leider nicht nur in neue Maschinen, Anlagen oder Patente, sondern auch in der Baubranche, wo sich bedenkliche Blasen aufblähen. Der Konsum legt zu (Mittwoch gibt's neue Zahlen zum Konsumklima). Die Beschäftigung steigt, auch wenn zuletzt die Arbeitslosigkeit nicht mehr gefallen ist (neue Zahlen am Donnerstag).

Gedüngt wird dieses Wachstum vor allem von der Europäischen Zentralbank (EZB). Entsprechend sind die wichtigsten Konjunkturdaten derzeit jene, die Auskunft darüber geben, was die Notenbanker künftig so vorhaben. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die EZB-Ratssitzung am Donnerstag übernächster Woche. Wird sie weitere Liquidität in die Märkte pumpen, wie Mario Draghi angedeutet hat? Oder wird sie doch weiter stillhalten?

Alles, was auf die Beantwortung dieser Fragen hindeutet, bewegt derzeit die Märkte. Zum Beispiel neue Inflationsdaten: Montag werden die endgültigen Januarzahlen für die Verbraucherpreise im Euro-Raum veröffentlicht; sollten sie gegenüber der ersten Schätzung nach oben korrigiert werden (was die Volkswirte der Commerzbank vermuten), würde das bedeuten, dass die Euro-Zone vielleicht doch nicht kurz vor der Deflation steht. Ein Signal, dass eher gegen eine weitere Lockerung der EZB-Politik spräche. Freitag hingegen könnte die erste Schätzung für die Februar-Inflationsrate niedriger ausfallen als erwartet. Was für noch mehr EZB-Action spräche.

So geht der deutsche Teflon-Aufschwung weiter. Was immer draußen in der Welt an Verwerfungen passiert, an Deutschland scheint es abzuperlen.

Die Wirtschaftstermine der Woche

Montag

MÜNCHEN - Stimmung im Februar - Ifo-Geschäftsklima-Index für Deutschland.

BRÜSSEL - Inflation im Januar - Die EU-Kommision veröffentlicht den endgültigen Verbraucherpreisanstieg der Euro-Zone im Januar.

LONDON - Banker's Frust? Das Großinstitut HSBC  präsentiert seine 2013er-Zahlen.

Dienstag

PARIS - Économie surprise - Neue Daten zu Frankreichs Geschäftsklima.

ROM - Renzi-Bonus? - Italiens Verbrauchervertrauen.

BAD HOMBURG - Wachstumskurs - Die beiden Gesundheitsriesen Fresenius  und Fresenius Medical Care  legen Zahlen für 2013 vor.

MITTWOCH

NÜRNBERG - Bedingt kaufbereit - Die GfK veröffentlicht ihren Konsumklimaindex Deutschland für März.

TOULOUSE - Major Tom berichtet - Airbus-Chef Tom Enders zieht Bilanz und weist den Weg.

BERLIN - Zukunft - Vorstellung des Jahresgutachtens 2014 der Expertenkommission Forschung und Innovation.

Fotostrecke

Der mm-Konjunkturindikator: 3,0 Prozent für 2016

Foto: manager magazin online

DONNERSTAG

NÜRNBERG - Deutsche Jobs - Die Bundesagentur zeigt ihre Arbeitsmarktdaten für Februar.

WIESBADEN - Deutsche Inflation - Das Statistische Bundesamt liefert den Verbraucherpreisindex für Februar.

PARIS/ROM/LISSABON/BRÜSSEL - Europäische Konjunktur - Neue Daten zu Geschäftsklima und zu Verbrauchervertrauen aus Italien, Frankreich, Portual und der Euro-Zone insgesamt.

MÜNCHEN - Leben mit dem Nullzins - Der Versicherungsmulti Allianz  präsentiert seine Ergebnisse 2013.

MADRID/ESSEN - Bauen und bauen lassen - Die deutsche Hochtief  und ihr spanischer Mutterkonzern ACS  berichten vom Geschäft 2013.

Freitag

TOKIO - Endlich Inflation? - Japans Administration liefert neue Zahlen vom Arbeitsmarkt, von der Inndustrieproduktion - und zur Frage ob, die Deflation nachhaltig überwunden ist.

BRÜSSEL - Richtung Deflation? - Die EU-Kommission berichtet, ob die Euro-Verbraucherpreise im Februar weiter Richtung Nullline gefallen sind.

LEVERKUSEN - Aspirin plus X - Bayer  legt Zahlen für 2013 vor und stellt sich Fragen.

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