Sonntag, 31. Mai 2020

Müllers Memo Deutschland läuft heiß

Bauarbeiter in Frankfurt: Zeichen einer Überhitzung?

2. Teil: Zeichen einer Überhitzung

Um nicht missverstanden zu werden: Deutschland steht deutlich solider da als, sagen wir, Spanien vor zehn Jahren. Doch auch hierzulande gibt es inzwischen Anzeichen für eine Überhitzung. Die Bundesbank kalkuliert, dass die Nachfrage inzwischen deutlich schneller wächst als die Produktionsmöglichkeiten, was sich insbesondere in der schnell steigenden Zahl von unbesetzten Stellen niederschlägt. Eine Konstellation, die üblicherweise Kapitalmarktblasen und/oder steigende Verbraucherpreise nach sich zieht.

Die Überhitzung könnte weiter fortgeschritten sein, als es die offiziellen Zahlen zeigen. Carsten-Patrick Meier vom Forschungsinstitut Kiel Economics geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in Wahrheit deutlich schneller expandiert, weil heimische Branchen wie Bau und Einzelhandel ihre Daten teils mit erheblicher Zeitverzögerung an die Statistiker weitergäben.

Die wahre Wachstumsrate für 2016 taxiert Meier auf stolze 2,7 Prozent. Entsprechend weit fortgeschritten wäre die Überhitzung der Wirtschaft. Entsprechend groß wäre das Crash-Potenzial, insbesondere auf den Immobilienmärkten (achten Sie auf den neuen Immobilienmarktbericht, den die amtlichen Gutachterausschüsse am Montag vorlegen).

Alles gut also?

Genießen Sie die guten Zeiten, solange sie andauern.

Die wichtigsten Wirtschaftsereignisse der kommenden Woche

MONTAG

Berlin - Zwischen Boom und Not - Trotz reger Bauaktivität zeigen einige Regionen deutliche Überhitzungserscheinungen, während andererseits billiger Wohnraum fehlt. Der Arbeitskreis der amtlichen Gutachterausschüsse legt seinen Immobilienmarktbericht vor.

Brüssel - Euro-Fixing - Die Finanzminister der Eurozone beraten über Griechenland und Zypern sowie über die Weiterentwicklung der Bankenunion.

Frankfurt - Glaskugelspiel - Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer stellt seinen Konjunkturausblick für 2016 vor.

Wiesbaden - Produktionszahlen - Das Statistische Bundesamt legt neue Zahlen zur Nettoproduktion in der Industrie im Oktober vor. Die beiden Vormonate brachten herbe Enttäuschungen.

DIENSTAG

Luxemburg - Zwischenstand - Neue Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im dritten Quartal.

Brüssel - Finanzielle Terrorabwehr - Die EU-Finanzminister beraten, unter anderem über die Eindämmung der Terrorfinanzierung und über ein europäisches System der Sicherung von Bankeinlagen.

Berlin - Bauernbilanz - Die Welt aus agrarischer Sicht: Der Deutscher Bauernverband äußert sich zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft.

München - Schrumpfen und Wachsen - Siemens-Chef Kaeser stellt seine neue Innovationsstrategie vor.

Hannover - Testurteil - Das Landgericht Hannover entscheidet, ob Anleger, die während der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW Geld verloren haben, ein sogenannte Musterverfahren anstrengen können. Gewissermaßen die deutsche Variante der Sammelklage.

MITTWOCH

Berlin - Sinns Welt - Ifo-Chef Hans-Werner Sinn stellt seine Konjunkturprognose für 2016 vor.

Frankfurt - Perioden-System - Der Verband der Chemischen Industrie legt seine Sicht auf die Wirtschaftsentwicklung dar.

Wiesbaden - Flatlining - Neue Zahlen zur Entwicklung der deutschen Exporte im Oktober.

DONNERSTAG

Hannover - Urlaub von den Krisen - Die Tui AG legt Jahreszahlen vor.

Buenos Aires - Epochenwende - Der neue argentinische Präsident Mauricio Macri, zur Abwechslung mal kein Peronist, tritt sein Amt an. Sein Versprechen: Staat und Wirtschaft modernisieren.

FREITAG

Paris - Der Preis ist heiß - Geplanter Abschluss der 21. UN-Klimakonferenz bei Paris. Die ökologischen und ökonomischen Kosten eines Scheiterns wären dramatisch.

Brüssel - Herr Minister, Telefon! - Ministerrat für Telekommunikation. Thema unter anderen: Schutz vor Cyberattacken.

Berlin - Sigmar-Show - Die SPD begeht ihren Bundesparteitag.

SAMSTAG

Peking - Bremsmanöver - Wie schwach ist China wirklich? Neue Zahlen zur Industrieproduktion könnten Antworten erhellen.

SONNTAG

Karlsruhe - Merkel-Dämmerung? - Die Kanzlerin gilt wegen ihrer Flüchtlingspolitik als angeschlagen. Umso entscheidender wird ihr Auftreten auf dem CDU-Bundesparteitag für ihre weitere politische Zukunft sein.

Paris - Wie stark werden die Rechten? - Zweite Runde der Regionalwahlen in Frankreich. Europa zittert vor dem Abschneiden der Le-Pen-Partei Front National.

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