Freitag, 13. Dezember 2019

Müllers Memo Boom-Crash-Cash

Finanzminister Schäuble: Glaubwürdigkeit durch eisernes Sparen

Seit sieben Jahren geht die Weltwirtschaft durch immer neue Krisen. Das Muster ist immer das gleiche, ob 2007 in den USA oder heute in China. Warum lernen die Wirtschaftspolitiker nicht daraus?

Sieben Jahre dauert die Krise nun schon an. Eine geradezu biblische Zahl. Leider sind längst noch keine fetten Jahre in Sicht. Sieben Jahre Warten auf einen kräftigen, selbsttragenden Aufschwung - sieben Jahre, in denen Ökonomen und Wirtschaftspolitiker keine befriedigenden Antworten gefunden haben. Warum? Weil sie systematisch wichtige Zusammenhänge übersehen. Dazu unten mehr.

In diesen Wochen laufen die neuen Prognosen ein; Mittwoch sind die Fünf Weisen dran. Ein internationaler Gipfel folgt dem nächsten - Mittwoch die ASEAN-Staaten, Samstag die G20. Stets ist die Botschaft so klar wie betrüblich: Die große Krise des Kapitalismus ist längst nicht vorüber. Sie offenbart sich nur in immer neuen Facetten.

Ein Kurzrückblick: Im Spätsommer 2007 kam mit dem Abschwung am US-Immobilienmarkt der Zusammenbruch einiger Hedgefonds. Die Banken begannen sich zu misstrauen und liehen einander kein Geld mehr, die Notenbanken sprangen ein. 2008/09 folgte auf den Lehman-Crash die heftigste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. 2010 schloss sich die Euro-Krise an, mit der Quasi-Zahlungsunfähigkeit Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens. Zwischenzeitlich spielten auch die USA mit ihrer Solvenz, weil sie sich, wie Europa, schwer damit taten, politische Lösungen zu finden.

Und jetzt? Nun sind Italien und Frankreich ins Zentrum des Interesses gerückt, wo die Arbeitslosigkeit und die Schulden immer weiter steigen. Der nächste Crash droht übrigens in China, nach einem schuldenfinanzierten Immobilienboom.

Sieben Jahre Krise - und das Muster ist immer das gleiche: Boom-Crash-Cash. Auf einen schuldenfinanzierten Boom folgt ein Crash, an den sich eine lange Phase der Agonie anschließt: hohe Arbeitslosigkeit, immer weiter steigende Schulden, bröckelnder Wohlstand, gesellschaftliche Spannungen, politische Destabilisierung. Nur gigantische Cash-Infusionen durch die Notenbanken halten das System mühsam am Laufen. Wer weiß, wie lange. Ein solider Aufschwung ist nicht in Sicht, auch nicht in den USA und in Großbritannien.

Zwischenfazit: Das Versagen der Wirtschaftspolitik ist offensichtlich und umfassend. Welchen Anteil haben die Ökonomen daran?

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung