mm-Konjunkturindikator Die Zeichen stehen auf Boom

Von Carsten-Patrick Meier
Einkaufsmeile in Dresden: Der Konsum trägt Deutschlands noch immer unterschätzten Aufschwung

Einkaufsmeile in Dresden: Der Konsum trägt Deutschlands noch immer unterschätzten Aufschwung

Foto: Robert Schlesinger/ picture alliance / dpa

Der mm-Indikator für 2015 sagt einen starken Aufschwung voraus. 2,6 Prozent Wachstum zeigt der April-Wert für das laufende Jahr an. Nach einem Höhenflug auf 2,8 Prozent im März geht die Zahl leicht zurück, vor allem weil die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen zuletzt ihre Lage nicht mehr ganz so rosig einschätzten.

Der Indikator liegt aber weiter deutlich oberhalb der gängigen Prognosen für die deutsche Volkswirtschaft, die sich derzeit um einen Wert von 1,5 Prozent gruppieren. Selbst von den optimistischsten Vorhersagen, die zuletzt kräftig nach oben korrigiert wurden, hebt er sich ab: Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut 1,9, Deutsche Bank 2,0, Allianz 2,1 Prozent.

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Der mm-Konjunkturindikator: 3,0 Prozent für 2016

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Immer wieder werde ich gefragt, warum der mm-Indikator so weit von den Prognosen von Banken und Forschungsinstituten abweicht.

Der mm-Indikator ist ausdrücklich keine Prognose. In eine Prognose fließen Annahmen der Konjunkturforscher ein, mit denen sie die Ergebnisse ihrer eigenen Modellrechnungen korrigieren oder bestimmten Faktoren mehr Gewicht geben. Manche dieser Eingriffe haben ihre Berechtigung. Oft genug habe ich aber auch erlebt, dass Kollegen ihre Zahlen glätten, um nicht allzu sehr aus dem Konsens herauszuragen - oder auch, um mit einer besonders optimistischen oder besonders pessimistischen Prognose aufzufallen und sich so als Experten zu vermarkten.

Unser Indikator dagegen übersetzt die aktuellen Konjunktursignale ungefiltert in eine Anstiegsrate für das Bruttoinlandsprodukt. Eine Produktionszunahme von 2,6 Prozent in diesem Jahr mag man für utopisch halten - wir enthalten uns da einer Wertung.

Diese Zahl ergibt sich schlicht aus den aktuellsten verfügbaren Daten von Frühindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklimaindex oder dem GfK-Konsumklima, die vor allem die Einschätzungen von Unternehmen oder privaten Haushalte zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und ihre Erwartungen wiedergeben (hier können Sie nachlesen, wie der mm-Indikator entsteht).

Hierin liegt ein weiterer Unterschied des mm-Indikators zu gängigen Konjunkturprognosen: Diese nutzen als maßgeblichen Input die jeweils letzten Quartalswerte der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamts.

Diese Quartalsdaten basieren im Wesentlichen auf der Entwicklung im Produzierenden Gewerbe und im Bauhauptgewerbe. Dies sind zwei Bereiche, deren Aktivität über monatlich erhobene Produktionsindizes relativ zeitnah präzise erfasst wird, die aber zusammen nur etwas mehr als ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts ausmachen.

Konstruktionsbedingt kommt es immer dann zu starken Abweichungen zwischen diesen beiden Prognosekonzeptionen, wenn sich die Signale, die von den Produktionsindizes im Produzierenden Gewerbe und Bauhauptgewerbe ausgehen, stark von denen der Lage- und Erwartungsindikatoren unterscheiden. Dies ist seit etwa Mitte 2011 mehr oder minder ausgeprägt der Fall.

Es deutet darauf hin, dass die Dynamik der deutsche Wirtschaft derzeit nicht in der Industrie und im Bauhauptgewerbe, sondern im Dienstleistungsgewerbe und im Bauneben- und Ausbaugewerbe, weniger im Export als vielmehr in der - durch die kurzfristigen amtlichen Indikatoren untererfassten - Binnenwirtschaft und weniger bei den großen und etablierten Unternehmen als vielmehr bei den kleinen und jungen - und deshalb nicht berichtspflichtigen - Unternehmen liegt.

Kann der mm-Indikator irren? Natürlich. 2,6 Prozent ist nur der nach aktuellem Stand wahrscheinlichste Wert für die diesjährige Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts. Mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln können wir mit einer Rate von 2,2 bis 3,1 Prozent rechnen. Absolute Sicherheit kann es zu so einem frühen Zeitpunkt nicht geben - wie stark die Wirtschaft in diesem Jahr wirklich wächst, werden wir erst wissen, wenn das Statistische Bundesamt alle maßgeblichen Daten für eine gesicherte Berechnung des Bruttoinlandsprodukts hat: in der Regel drei bis vier Jahre hinterher, in unserem Fall also frühestens 2018.

Das hilft Ihnen aber in Ihrer Planung nicht. Wenn Sie jetzt wissen wollen, was von der deutschen Wirtschaft 2015 zu erwarten ist, haben Sie mit dem mm-Indikator das brauchbarste Instrument - aktuell und ungefiltert.

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