Konsumklima Blendende Kauflaune hält trotz Ukraine-Krise an

Ukraine, Naher Osten - war da was? Trotz internationaler Krisen steigt das deutsche Konsumklima auf den höchsten Stand seit 2006. Verantwortlich dafür ist die niedrige Inflation - und viel Optimismus in zwei anderen Bereichen.
Sommerschlussverkauf: Bei den Deutschen sitzen die Geldbörsen derzeit besonders locker

Sommerschlussverkauf: Bei den Deutschen sitzen die Geldbörsen derzeit besonders locker

Foto: Frank May/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Nürnberg - Die deutschen Verbraucher bleiben trotz gefährlicher Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten optimistisch. Vor allem die Hoffnung auf steigende Löhne und Gehälter hat das Konsumklima auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Jahren getrieben.

Die Konsumforscher der GfK Group meldeten heute beim Konsumklima einen Anstieg auf 9,0 Punkte, nach zuvor 8,9 Punkte. Die Kauflaune ist damit so gut wie zuletzt im Dezember 2006. Volkswirte hatten mit einem unveränderten Wert gerechnet. Schon im Juni gaben die Deutschen ihr Geld mit vollen Händen aus.

"Hauptverantwortlich für die bessere Kauflaune war ein kräftiger Anstieg der Einkommenserwartungen", erkläre GfK-Experte Rolf Bürkl den dritten Anstieg des Konsumklimas in Folge. Diese hätten mittlerweile den höchsten Stand seit der ersten gesamtdeutschen Erhebung Anfang 1991 erreicht. Nach Einschätzung von Bürkl sorgt auch die ungewöhnlich niedrige Inflation dafür, dass "der Einkommensoptimismus der Verbraucher nach wie vor sehr ausgeprägt ist".

Schärfere Russland-Sanktionen könnten Stimmung trüben

Als weitere Triebfeder für die Kauflaune sieht die GfK den nach wie vor ungebrochenen Konjunkturoptimismus der Deutschen. "Der Trend der Konjunkturerwartungen bleibt nach oben gerichtet", hieß es. Allerdings scheine die starke Dynamik, die noch im Juni festgestellt wurde, etwas nachzulassen. Dagegen habe der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien keine sichtbaren Spuren in den Umfrageergebnissen hinterlassen, sagte Experte Bürkl.

Bei der Sparneigung der Verbraucher stellten die GfK-Forscher nach einem heftigen Rückschlag im Juni eine Stabilisierung fest. Im Juli habe die Wirkung der Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank nachgelassen, hieß es. Die Anschaffungsneigung musste hingegen ausgehend von einem sehr hohen Niveau einen leichten Dämpfer hinnehmen.

Trotz der starken Konjunktur, der guten Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt und des Aufschwungs der Wirtschaft sehen die GfK-Experten aber auch Gefahren für das Verbrauchervertrauen. Es sei nicht auszuschließen, dass der mögliche Abschuss einer Passagiermaschine über der Ukraine die Stimmung "signifikant eintrüben könnte", hieß es in der Mitteilung. In der aktuellen GfK-Studie konnte die Tragödie noch nicht berücksichtigt werden, weil die Umfrage bereits nahezu abgeschlossen war.

Konkret sagte GfK-Experte Bürkl: "Sollte es beispielsweise dazu kommen, dass die Sanktionen gegen Russland verschärft werden, dann könnte das zu Beeinträchtigungen des Konsumklima führen". Dann müssten eine Reihe von Unternehmen, die mit Russland Geschäfte machen, um ihre Exporte fürchten und Mitarbeiter der betroffenen Betrieben um ihre Arbeitsplätze. Ein weiterer Effekt, der auf die Konsumstimmung durchschlagen könnte, sei die Sorge vor einem Anstieg der Energiepreise und hier insbesondere vor einem Anstieg der Gaspreise, so Bürkl.

wed/dpa
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