Montag, 19. August 2019

Erwartungen auf tiefstem Stand seit fast acht Jahren Finanzexperten sehen schwarz für Konjunktur

Dunkle Wolken über dem Container-Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen
Marcus Brandt / DPA
Dunkle Wolken über dem Container-Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen

Die Industrieproduktion und die Exporte in Deutschland sind zuletzt deutlich zurückgegangen - die Zeichen einer möglichen Rezession in der Bundesrepublik mehren sich. Die Bundesregierung ist alarmiert, will für den Fall einer Konjunkturkrise die schärfsten Auswirkungen für den Arbeitsmarkt mit einem Programm verhindern. Aufhellende Zeichen fehlen derzeit, im Gegenteil verschlechtert sich die Stimmung zusehends:

So sind die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten für Deutschland im August auf den niedrigsten Stand seit fast acht Jahren gesunken. Der Index lag bei minus 44,1 Punkten, der langfristige Durchschnitt beträgt 21,6 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte.

Die Erwartungen im August wiesen damit den niedrigsten Stand seit Dezember 2011 auf. Auch die aktuelle konjunkturelle Lage bewerten die vom Institut befragten Experten deutlich schlechter.


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"Die erneute Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, das damit verbundene Risiko eines globalen Abwertungswettlaufs sowie die gestiegene Wahrscheinlichkeit für einen No-Deal-Brexit treffen auf ein ohnehin abgeschwächtes Wirtschaftswachstum", erläuterte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Die Entwicklung der deutschen Exporte und der Industrieproduktion dürfte sich weiter verschlechtern."

LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert sprach angesichts der jüngsten ZEW-Zahlen von einem "Rezessionswarnsignal". "Zumindest steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland im laufenden Quartal in eine technische Rezession, sprich zwei Quartale in Folge mit Negativwachstum, rutscht", sagte der Experte.

Im zurückliegenden zweiten Vierteljahr dürfte Europas größte Volkswirtschaft nach Prognose von Ökonomen um 0,1 Prozent geschrumpft sein, berichtet Reuters. Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt noch um 0,4 Prozent gewachsen. Viele Experten gehen davon aus, dass im zweiten Halbjahr bestenfalls ein leichtes Wachstum möglich ist.

Der Index der Konjunkturerwartungen fiel gegenüber Juli um 19,6 Punkte, wie das ZEW weiter mitteilte. Der Index der konjunkturellen Lage ging gegenüber dem Vormonat um 12,4 Punkte zurück und lag im August bei minus 13,5 Punkten.

Das Mannheimer ZEW befragt monatlich bis zu 300 Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen von Großunternehmen nach ihren aktuellen Einschätzungen und Prognosen zu wichtigen internationalen Finanzmarktdaten wie Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes, Wechselkursen und dem Ölpreis.

rei/AFP/Reuters

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