Donnerstag, 22. August 2019

Rezessionsgefahr steigt, deutsche Wirtschaft schrumpft im 2. Quartal Deutschlands Konjunktur steht auf der Kippe

Containerterminal Hamburg: Der Außenhandel bremste im zweiten Quartal die Entwicklung, die Verbraucher stützten sie mit ihrem privaten Konsum

Handelskonflikte und eine schwächere Weltkonjunktur haben die exportabhängige deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal schrumpfen lassen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten am Mittwoch mit. Zum Jahresanfang war die deutsche Wirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen.

Schrumpft die Wirtschaft im laufenden Sommerquartal erneut, sprechen Experten von einer "technischen Rezession". Zwei Minus-Quartale in Folge gab es zuletzt um den Jahreswechsel 2012/13.

Die Gefahr einer Rezession beziffert das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) derzeit auf 43 Prozent. "Deutschlands Konjunktur steht auf der Kippe", sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien. "Fakt ist: Die deutsche Wirtschaft kommt seit einem Jahr nur noch im Kriechgang vorwärts", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Für die zweite Jahreshälfte und auch für 2020 gebe es viele Unsicherheiten. "Neben Brexit ist das vor allem der Handelsstreit USA-China und mögliche US-Zölle auf europäische Autos", warnte Rees.

"Deutschlands Konjunktur steht auf der Kippe"

An besorgniserregenden Nachrichten hat es zuletzt nicht gefehlt: Industrieproduktion und die Exporte in Deutschland waren deutlich zurückgegangen. Auch im zweiten Quartal wurde die Entwicklung vom Außenhandel gebremst. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen sanken im Vergleich zum Vorquartal stärker als die Importe. Die privaten Konsumausgaben stiegen dagegen, die Unternehmen investierten mehr. Die Bauinvestitionen waren allerdings nach einem kräftigen Anstieg zum Jahresbeginn wegen des vergleichsweise milden Winters rückläufig.

Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung in der Republik sind schwach: So meldete gestern das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), dass die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten für Deutschland im August auf den niedrigsten Stand seit fast acht Jahren gesunken sind. Der Index lag bei minus 44,1 Punkten, der langfristige Durchschnitt beträgt 21,6 Punkte. LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert sprach angesichts der jüngsten ZEW-Zahlen von einem "Rezessionswarnsignal".

Die Bundesregierung ist mittlerweile alarmiert, will für den Fall einer Konjunkturkrise die schärfsten Auswirkungen für den Arbeitsmarkt mit einem Programm verhindern. Ein aktives Wachstumsprogramm allderdings lehnt Bundeskanzlerin Angela Merkel trotz der Flaute und Risiken wie dem Brexit aber ab. "Ich sehe derzeit keine Notwendigkeit für ein Konjunkturpaket", sagte sie am Dienstag.

Die Bundesregierung rechnet für 2019 insgesamt mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. 2018 hatte es noch zu einem Plus von 1,4 Prozent gereicht.

rei mit Nachrichtenagenturen

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