Euro-Zone Inflation sinkt - Wirtschaftsweiser geißelt Niedrigzinsen

Die Inflation in der Euro-Zone ist im Mai auf 0,5 Prozent gesunken. Der Wirtschaftsweise Volker Wieland warnt vor den Folgen der Niedrigzinspolitik in Europa: "Es gibt auf jeden Fall eine Gefahr", sagt er - und zeigt Parallelen zur Politik der Fed vor der Finanzkrise auf.
EZB-Chef: "Draghi hat versprochen, alles zu tun, was nötig ist", sagt der Wirtschaftsweise Wieland. "Die Frage ist, ob er überhaupt die Macht dazu hat"

EZB-Chef: "Draghi hat versprochen, alles zu tun, was nötig ist", sagt der Wirtschaftsweise Wieland. "Die Frage ist, ob er überhaupt die Macht dazu hat"

Foto: AP

Luxemburg/Hamburg - Der Preisauftrieb im Euro-Raum hat sich im Mai abgeschwächt. Die jährliche Inflationsrate fiel von 0,7 Prozent im Vormonat auf 0,5 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat in Brüssel nach endgültigen Daten mitteilte. Damit wurde die erste Schätzung von Ende Mai bestätigt. Der Wirtschaftsweise Volker Wieland warnte vor den Folgen der dauerhaften Niedrigzinspolitik in Europa. "Es gibt auf jeden Fall eine Gefahr", sagte Wieland "Spiegel Online".

Ausschlaggebend für den vergleichsweise schwachen Preisauftrieb war vor allem die Entwicklung der Energiepreise. Hier stagnierte die Teuerungsrate laut Eurostat. Auch bei den Nahrungsmitteln gab es nur eine minimale Rate von 0,1 Prozent. Stärkster Preistreiber waren den Angaben zufolge die Dienstleistungen mit einer Teuerungsrate von 1,1 Prozent.

Unter den Mitgliedsstaaten der Euro-Zone gab es im Mai die stärkste Inflation in Österreich mit einer Rate von 1,5 Prozent. Den stärksten Preisrückgang auf Basis der für europäische Zwecke harmonisierten Verbraucherpreise (HVPI) verzeichneten die Statistiker hingegen im Krisenland Griechenland mit einem Rückgang der Verbraucherpreise um 2,1 Prozent im Jahresvergleich.

Für Deutschland meldete Eurostat eine Inflation von 0,6 Prozent. Die HVPI-Preisentwicklung kann zum Teil deutlich von den Daten der nationalen Statistikbehörden abweichen.

Wieland: Draghi kann die Euro-Krise nicht alleine lösen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte unter anderem wegen der niedrigen Inflation ihre Geldpolitik Anfang des Monats weiter gelockert und den Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt. Außerdem müssen Banken erstmals Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Zugleich wollen die Währungshüter mit neuen Milliardenspritzen für das Bankensystem die Kreditvergabe vor allem in den südlichen Euroländern ankurbeln.

Der Wirtschaftsweise Wieland zeigte sich skeptisch. Er sehe eine "Parallele zwischen dem, was die EZB jetzt macht, und dem, was die US-Notenbank Fed vor der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 gemacht hat", so Wieland.

Wie damals die Fed wolle heute die EZB einer Deflation vorbeugen. "Das ist durchaus logisch, wenn man die Deflationsgefahr als einziges Problem sieht", sagte Wieland. "Im Ergebnis führte diese Politik aber auch zu Übertreibungen bei den Vermögenspreisen, vor allem bei Immobilien. Das ist eine Lehre aus der Finanzkrise. Deshalb bin ich eher skeptisch, wenn man jetzt wieder vorbeugend gegen die Deflationsgefahr vorgeht."

Wieland zweifelt zudem daran, dass die EZB die Euro-Krise alleine lösen kann. "Draghi hat versprochen, alles zu tun, was nötig ist", sagte der Wirtschaftsweise. "Die Frage ist, ob er überhaupt die Macht dazu hat." Die Möglichkeiten der EZB seien begrenzt. "Draghi kann vielleicht garantieren, dass ein Land wie Italien im nächsten Jahr nicht pleitegeht und kurzfristige Anleihen nicht ausfallen. Aber er kann nicht sicherstellen, dass das längerfristige Wirtschaftswachstum in Italien hoch genug ist, um den Schuldenstand abzubauen."

ts/dpa-afx