Ökonomen optimistisch Aufschwung schafft Jobs und steigende Löhne

Stärkeres Wachstum, höhere Löhne, mehr Arbeitsplätze - die führenden Wirtschaftsforscher stimmen in ihrem Herbstgutachten optimistische Töne an. Ein Risiko sei allerdings die Euro-Krise, so die Experten. Auch die Maschinenbauer blicken zuversichtlich nach vorn.
Herbststimmung im Hafen: In ihrem traditionellen Gutachten sagen die führenden Volkswirte einen soliden Aufschwung voraus

Herbststimmung im Hafen: In ihrem traditionellen Gutachten sagen die führenden Volkswirte einen soliden Aufschwung voraus

Foto: A4492 Axel Heimken/ picture alliance / dpa

Berlin - Stark steigende Investitionen dürften die deutsche Konjunktur im nächsten Jahr kräftig ankurbeln. "Die Wirtschaft steht vor einem Aufschwung", erklärten die führenden Forschungsinstitute am Donnerstag in ihrem Herbstgutachten für die Bundesregierung. "Getragen wird er von der Binnennachfrage."

Das Bruttoinlandsprodukt werde 2014 um 1,8 Prozent anziehen, nach einem deutlich geringeren Plus von 0,4 Prozent in diesem Jahr. "Das sich bessernde weltwirtschaftliche Umfeld und eine abnehmende Unsicherheit beflügeln die Investitionen." Die Unternehmen dürften ihre Ausgaben in Maschinen und Anlagen im nächsten Jahr um 7 Prozent erhöhen. Das Niveau von 2008 und damit aus der Zeit vor der Krise werde aber noch nicht erreicht.

Eine steigende Beschäftigung und spürbare Lohnerhöhungen sorgen den Forschern zufolge dafür, dass die Verbraucher mehr Geld ausgeben. Der private Konsum werde in diesem Jahr um 0,9 und im nächsten Jahr um 1,4 Prozent zulegen. Zudem stehen derzeit so viele Menschen in Lohn und Brot wie nie zuvor.

Die Zahl der Erwerbstätigen steigt nach Berechnungen der Institute in diesem Jahr auf ein Rekordhoch von 41,8 Millionen und dürfte 2014 sogar auf 42,1 Millionen klettern. Für die Exporte erwarten die Fachleute nach einem Mini-Wachstum in diesem Jahr für das nächste Jahr ein deutliches Plus von 5 Prozent.

Spielräume für die Regierung

Als Risiken für die Konjunktur sehen die Institute ein Wiederaufflammen der Schuldenkrise in der Euro-Zone. Mittelfristig sagen sie der Wirtschaft ebenfalls Wachstum voraus: Zwischen 2012 bis 2018 dürfte es im Jahresdurchschnitt ein Plus von 1,3 Prozent geben. Für Schub dürften ein kräftig steigender Privatkonsum sorgen und dank der globalen Erholung auch wachsende Exporte.

Die Forscher machen jedoch einen Wermutstropfen aus: "Die allmähliche Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen aufgrund der hierzulande stärker steigenden Preise dürfte zunehmend dämpfend wirken." Das halbjährige Gutachten der Forscher trägt diesmal den Titel "Konjunktur zieht an - Haushaltsüberschüsse sinnvoll nutzen".

Der Wirtschaftsaufschwung und wachsende Überschüsse in den Staatskassen eröffnen Union und SPD laut Herbstgutachten erhebliche finanzielle Spielräume. Bis 2018 könnte eine neue Regierung bis zu 33 Milliarden Euro für neue Ausgaben und Investitionen verwenden: "Dieser Betrag steckt den Spielraum ab, innerhalb dessen die Finanzpolitik agieren kann, ohne die Steuern zu erhöhen", erklärten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Gutachten.

Zu den Instituten gehören das Münchner Ifo, das Essener RWI, das IWH aus Halle und nach mehrjähriger Abstinenz auch wieder das Berliner DIW. Ihr Papier dient als Grundlage für die Konjunkturprognose der Regierung und Basis für die öffentlichen Haushalte. Das Wirtschaftsministerium will am 23. Oktober seine Schätzung aktualisieren. Bisher veranschlagt ist für 2013 ein Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent und für 2014 ein Plus von 1,6 Prozent.

Nach Rückschlägen im laufenden Geschäftsjahr erwarten auch die deutschen Maschinenbauer 2014 wieder ein Produktionswachstum. Das Plus dürfte bei etwa 3 Prozent liegen, wie der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thomas Lindner, am Donnerstag in Stuttgart sagte. In den beiden wichtigen Exportmärkten China und USA habe sich die Konjunktur gefestigt und auch in Europa sei die rezessive Phase weitgehend abgeschlossen, erklärte er.

cr/rtr/dpa-afx

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