US-Notenbank sieht verringerte Risiken, hält jedoch still Fed fehlt Mut zur Zinserhöhung, Dollar gibt nach

Janet Yellen: Die Risiken für die US-Wirtschaft haben sich nach Ansicht der Fed-Chefin verringert - doch trotz des gestiegenen Optimismus wird erst für Dezember mit einer zweiten Zinserhöhung gerechnet

Janet Yellen: Die Risiken für die US-Wirtschaft haben sich nach Ansicht der Fed-Chefin verringert - doch trotz des gestiegenen Optimismus wird erst für Dezember mit einer zweiten Zinserhöhung gerechnet

Foto: Jessica Kourkounis/ AFP

Nach dem EU-Austrittsvotums der Briten hat die US-Notenbank Fed auf eine Zinserhöhung verzichtet, hält sich die Tür für eine Straffung der Geldpolitik jedoch offen. Sie entschied am Mittwochabend, den Schlüsselsatz für die Versorgung der Banken mit Geld weiter in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent zu halten.

Zugleich erklärten die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen, dass sich das Risiko für den US-Wirtschaftausblick auf kurze Sicht verringert habe. Dies gilt als Fingerzeig, dass sie die Zinszügel noch 2016 anziehen könnten. Die Fed hatte Mitte Juni signalisiert, dass sie 2016 noch zwei Schritte nach oben wagen will.

Viele Experten rechnen jedoch nur mit einer Anhebung im Dezember, wenn die Auswirkungen des Brexit-Votums abgeschätzt werden können und ein neuer US-Präsident gewählt ist.

Die Fed verwies nach dem Zinsentscheid auf die moderat wachsende Wirtschaft und den starken Stellenzuwachs im Juni. Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner hält den Ton der Fed-Erklärung für "deutlich optimistischer" als noch im Juni. Damit könnte der Weg für eine Zinserhöhung in September gebahnt werden. Doch sei eine Anhebung im Dezember wahrscheinlicher.

Letzte Zinserhöhung Ende 2015

Die Notenbank hatte zuletzt Ende 2015 die geldpolitischen Zügel gestrafft und danach stillgehalten. Inzwischen hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft zurückgenommen und dabei auch die Schätzungen für Großbritannien massiv reduziert. Dem Land mit dem global wichtigen Finanzplatz London droht nach dem EU-Austrittsvotum der Briten vom 23. Juni nach Ansicht vieler Experten eine Rezession.

Die Bank of England (BoE) könnte vor diesem Hintergrund nächste Woche den historisch niedrigen Leitzins von derzeit 0,5 Prozent senken und damit der Konjunktur einen Schub verpassen.

Die US-Wirtschaft, die zu Jahresbeginn schwächelte, dürfte sich im zweiten Quartal hingegen wieder gefangen haben. Experten erwarten für die am Freitag anstehenden Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) einen aufs Jahr hochgerechneten Anstieg um 2,6 Prozent. Licht und Schatten lagen zuletzt jedoch dicht beieinander: Während die Industrie im Juni einen unerwartet starken Auftragseinbruch erlitt, heuerten Firmen und Staat unerwartet viel neues Personal an. Die Fed soll für Vollbeschäftigung und stabile Preise sorgen: Sie hat bei einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,9 Prozent ihr Ziel fast erreicht. Doch ist die Notenbank von ihrer für die Konjunktur als ideal angesehenen Preissteigerungsrate von zwei Prozent noch ein gutes Stück entfernt.

Geldpolitik in Zeiten des Wahlkampfes

Die heraufziehende heiße Phase im US-Präsidentschaftswahlkampf zwischen dem Republikaner Donald Trump und der Demokratin Hillary Clinton dürfte eine Zinserhöhung Anfang November - und damit kurz vor dem Urnengang - unwahrscheinlich erscheinen lassen.

Denn ein solcher Schritt könnte als Politikum gewertet werden - zumal Trump angekündigt hat, als Präsident langfristig einen Republikaner an die Spitze der Fed berufen zu wollen. Seine umstrittenen Pläne für radikale Steuersenkungen und ein Abkehr vom Freihandel sorgen zudem für Zündstoff. "Es gibt viele Unwägbarkeiten in der Wirtschaft. Dazu gehören auch die anstehenden Wahlen", sagte jüngst der Chef des Fed-Ablegers in Philadelphia, Patrick Harker.

Dollar gibt gegenüber Euro und Yen nach

Spekulationen auf vorerst unverändert niedrige US-Zinsen haben am Donnerstag den Dollar geschwächt und im Gegenzug den Euro gestützt. Die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,1070 Dollar einen Dreiviertel US-Cent über dem Mittwochs-Referenzwert der EZB von 1,0993 Dollar. Schon im New Yorker Handel war der Euro am Vorabend wieder über 1,10 Dollar gestiegen.

Die US-Notenbank hatte am Mittwoch die Zinsen in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent bestätigt, sich die Tür für eine spätere Zinserhöhung aber offengelassen. Gleichzeitig schlugen die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen einen optimistischeren Ton zur wirtschaftlichen Entwicklung der USA an. Dies wurde zwar generell als Signal für eine weitere Zinserhöhung verstanden. Doch habe es nicht ausgereicht, den Dollar weiter zu stützen, sagten Händler.

Die US-Währung geriet auch zum Yen unter Druck. Viele Anleger zweifelten, dass die japanische Notenbank (BoJ) den hohen Erwartungen der Märkte an eine weitere Lockerung der Geldpolitik gerecht wird. Der Dollar fiel um 0,6 Prozent auf 104,80 Yen. Die BoJ wird am Freitag über die Geldpolitik entscheiden.

la/reuters/dpa
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