Montag, 9. Dezember 2019

Trotz Russland-Sanktionen Exporteure knacken 100-Milliarden-Euro-Marke

Exporteure mit Umsatzrekord: Ein Grund für den überraschend gut verlaufenen Monat Juli könnten die späten Sommerferien in Deutschland sein, sagen Ökonomen

Deutsche Exporteure haben im Juli so viel Umsatz erzielt wie nie zuvor. Das stimmt optimistisch für das dritte Quartal. Vor allem eine Branche überrascht.

Berlin - Die deutschen Exporteure haben trotz der Russland-Sanktionen erstmals in einem Monat die Umsatzmarke von 100 Milliarden Euro geknackt. Ihre Einnahmen stiegen im Juli um 8,5 Prozent zum Vorjahresmonat auf 101 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit.

"Das ist ein Exportrekord für einen einzelnen Monat", sagte ein Statistiker. "Besonders die Autobranche hat dazu beigetragen." Auch der Überschuss in der Handelsbilanz - die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren - erreichte mit 23,4 Milliarden einen neuen Höchstwert. Damit steigen die Chancen, dass Europas größte Volkswirtschaft im Sommerquartal einer Rezession entgeht und wieder wächst.

Möglicherweise fällt die Exportstatistik wegen der späten Sommerferien so ausgesprochen gut aus. Die für einen Juli ungewöhnlich wenigen Ferientage hatten zuvor bereits die Industrieaufträge und die Produktion überraschend deutlich steigen lassen.

"Es kann sein, dass die späten Sommerferien das Ergebnis besser aussehen lassen", sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "So haben im industrie- und exportstarken Niedersachsen die Ferien einen Monat später als üblich begonnen."

Ökonomen jetzt optimistischer für das dritte Quartal

DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle misst dem starken Abschneiden große Bedeutung zu, "denn das aufgrund der geopolitischen Risiken wackelige dritte Quartal wird damit stabilisiert". Das mindere die Rezessionsängste, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr unerwartet um 0,2 Prozent geschrumpft war.

"Die aus der Geopolitik resultierenden Gefahren sind damit aber nicht weg", warnte Scheuerle. "Sie schweben weiter wie ein Damoklesschwert über der deutschen Konjunktur." Vor allem die gegenseitigen Sanktionen der EU und Russland im Ukraine-Konflikt hatten Sorgen vor Belastungen für die Wirtschaft geschürt.

Die Ausfuhren in die nicht zur Euro-Zone gehörenden EU-Länder - wozu etwa Großbritannien und Polen zählen - zogen im Juli mit 15,9 Prozent zum Vorjahresmonat besonders kräftig an. Die Exporte in die Euro-Länder wuchsen um 6,2 Prozent, die außerhalb der EU um 7,2 Prozent.

Im Vergleich zum Vormonat kletterten die Exporte um 4,7 Prozent und damit so stark wie seit Mai 2012 nicht mehr. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Die Importe nahmen mit 1,8 Prozent überraschend stark ab.

rei/rtr

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