Konjunktur erstes Quartal Eurozone hängt Deutschland beim Wachstum ab

Von mm-newsdesk
Shoppen in Paris: Frankreichs Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal mit 0,6 Prozent doppelt so stark wie die deutsche Wirtschaft

Shoppen in Paris: Frankreichs Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal mit 0,6 Prozent doppelt so stark wie die deutsche Wirtschaft

Foto: © Charles Platiau / Reuters/ Reuters

Die Konjunktur im Euro-Raum nimmt spürbar Fahrt auf. Die Wirtschaft in den 19 Mitgliedsländern wuchs zum Jahresanfang so kräftig wie zuletzt im Frühjahr 2013, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte.

Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen Januar und März um 0,4 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten jedoch ein Plus von 0,5 Prozent erwartet.

Deutschland als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone legte mit 0,3 Prozent schwächer zu als erwartet. Stattdessen kamen Impulse von der Nummer Zwei: Frankreichs Bruttoinlandsprodukt stieg mit 0,6 Prozent überraschend kräftig und zugleich so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Auch Italiens Wirtschaft, die drei Jahre Stagnation hinter sich hat, wittert Morgenluft. Zwischen Mailand und Palermo ging es um 0,3 Prozent bergauf. Dies war das stärkste Wachstum seit Mitte 2013.

Spanien setzte seinen bereits länger anhaltenden Erholungskurs fort. Die Wachstumsrate stieg auf 0,9 Prozent.

Schlecht läuft es hingegen für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland. Die dortige Wirtschaft schrumpfte nach Eurostat-Angaben um 0,2 Prozent zum Vorquartal und rutschte damit wieder in die Rezession.

Ebenfalls in der Rezession steckt Finnland mit minus 0,1 Prozent, auch in den baltischen Republiken Estland und Litauen, die stark vom Handel mit dem krisengeplagten Nachbarn Russland abhängen, schrumpft die Wirtschaftsleistung.

Zypern dagegen, hat zeitgleich mit den als Bedingung für Euro-Hilfskredite verhängten Kapitalkontrollen auch die Rezession abgeschüttelt. Die zyprische Wirtschaft wuchs trotz der Probleme im benachbarten Griechenland von Januar bis März um 1,6 Prozent.

Damit hat die Konjunktur in Deutschland deutlich an Fahrt verloren. Ende 2014 war die deutsche Wirtschaftsleistung verglichen mit dem vorangegangenen Vierteljahr noch um 0,7 Prozent gestiegen. Und: Die Erwartungen von Bankvolkswirten, die mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet hatten, wurden klar verfehlt.

Konsum bleibt wichtigster Wachstumstreiber

Wichtigster Wachstumstreiber war erneut der Konsum im Inland. Die privaten Haushalte steigerten ihre Ausgaben, weil einerseits Sparanlagen angesichts der mickrigen Zinsen unattraktiv sind und sie andererseits dank steigender Löhne und Rekordbeschäftigung mehr Geld in der Tasche haben. Zudem sei die Kaufkraft der Verbraucher durch den sehr moderaten Preisanstieg auch infolge rückläufiger Rohölpreise gestützt worden, betonte das Bundeswirtschaftsministerium.

Positive Impulse kamen zudem von den staatlichen Konsumausgaben und den Investitionen. "Sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen wurde deutlich mehr investiert als im vierten Quartal 2014", erklärten die Statistiker.

Hohe Inlandsnachfrage - Deutschlands Importe schneller

Hingegen bremste der Außenbeitrag - also die Differenz der Entwicklung von Ex- und Importen - das Wachstum. Zwar wurden nach den vorläufigen Berechnungen mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als Ende 2014. Deutschlands Importe stiegen den Angaben zufolge real aber noch sehr viel kräftiger. "Das ist die Schattenseite der stärkeren Binnennachfrage", erklärte Ökonom Andreas Scheuerle von der Dekabank.

Es sei zwar enttäuschend, dass die Exporte trotz des schwächeren Euro noch nicht in den nächsthöheren Gang geschaltet hätten, sagte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar: "Die schwache Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten (vor allem USA) dürfte hier zu Jahresbeginn spürbar gebremst haben, in den kommenden Quartalen jedoch als Bremsfaktor zunehmend wegfallen." Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums stiegen die Ausfuhren in jeweiligen Preisen im ersten Quartal nur um 0,6 Prozent, während die Einfuhren um 1,3 Prozent zunahmen.

Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum ebenfalls verlangsamt: Das preisbereinigte BIP stieg im ersten Quartal 2015 um 1,1 Prozent im Vergleich zum Auftaktquartal 2014. Von Oktober bis Dezember 2014 hatte das BIP im Jahresvergleich noch um 1,6 Prozent zugelegt.

Ökonomen: "Der Aufschwung ist intakt"

Trotz der Delle zum Jahresauftakt blicken Ökonomen mit Zuversicht auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung im laufenden Jahr. "Der Aufschwung ist intakt. Wir erwarten ein solides Wachstum der deutsche Wirtschaft in den kommenden Quartalen", sagte Unicredit-Volkswirtin Martina von Terzi. Auch Scheuerle ist überzeugt: "Die Konjunktur wird wieder Fahrt aufnehmen."

Zuletzt hatten zahlreiche Konjunkturforscher ihre Wachstumsprognosen für 2015 angehoben. So erhöhte der Sachverständigenrat in seinem Frühjahrsgutachten die BIP-Prognose von 1,0 auf 1,8 Prozent für das Gesamtjahr. Auch die Bundesregierung erwartet einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,8 Prozent. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 1,6 Prozent gewachsen.

rei/reuters/dpa
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