EZB-Anleihenkäufe Draghi und die Eine-Billion-Euro-Frage

Mario Draghi hat wieder einmal ziemlich viel Wirbel gemacht. Mit Zinssenkungen ist die Europäische Zentralbank jetzt wirklich am Ende. Groß angelegte Anleihekäufe sind das Mittel der Wahl - aber wie groß, mag der EZB-Präsident noch nicht verraten. Ein paar Hinweise gibt es schon.
Neue EZB-Zentrale in Frankfurt: Wie groß wird das neue Anleihenkaufprogramm?

Neue EZB-Zentrale in Frankfurt: Wie groß wird das neue Anleihenkaufprogramm?

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Hamburg - "Dies ist ein sehr komplexes Maßnahmenpaket." Hinter dieser Begründung versteckt sich Mario Draghi, um der entscheidenden Frage an diesem Tag auszuweichen: Wie viel Geld setzt die EZB für ihren Versuch ein, mit "Quantitative Easing" der Inflation wieder auf die Sprünge zu helfen?

Obwohl alle Welt nach Draghis zuletzt deutlichen Worten mit Anleihekäufen oder ähnlichen Schritten gerechnet hat, konnte der EZB-Präsident die Märkte doch wieder überraschen - absehbar an steigenden Aktienkursen und einem (wie gewünscht) fallenden Euro .

Die abermalige Zinssenkung ist ein Teil der Überraschung, aber hauptsächlich symbolisch. Draghi erklärt nun glasklar, dass dieses Mittel ausgereizt ist. Umso mehr interessiert die Frage, wie sehr die EZB die Geldmenge auszuweiten gedenkt. Die Vorbilder Federal Reserve und Bank of England haben sich in ihren "Quantitative-Easing"-Programmen der vergangenen Jahren konkrete Ziele in Dollar und Pfund gesetzt.

Die EZB nicht. Zumindest noch nicht. Mit Wertpapieren besicherte Anleihen (ABS) werden gekauft, und wie schon einmal auch Pfandbriefe (Covered Bonds). Aber die Notenbanker haben sich bisher nur über das Ob geeinigt, nicht über das Wie und Wann und schon gar nicht das entscheidende Wieviel.

"Zu diesem Zeitpunkt ist es sehr, sehr schwierig, die Größe des Programms festzulegen", windet sich Draghi. Details würden erst auf der kommenden Ratssitzung im Oktober besprochen und dann veröffentlicht. Außerdem kommt zu den jetzt beschlossenen Maßnahmen noch die bereits im Juni vereinbarte Vergabe langfristiger (bis zu vierjähriger) Kredite der EZB an die Banken. Dieses TLTRO genannte Programm erinnert an die LTRO-Langfristtender, mit denen Draghis Amtszeit begann - die bisher größte Geldspritze der EZB.

Bald geht es um richtiges Geld

TLTRO will der EZB-Präsident als Teil des aktuellen Vorhabens verstanden wissen. Wenn zumindest die ersten beiden Auktionen (am 18. September und 11. Dezember dieses Jahres) gelaufen sind, könne man vielleicht genauer definieren, wie die angekündigte "deutliche Ausweitung" der Bilanzsumme und damit der Geldbasis des Euro-Systems aussieht. Denn die Banken können sich selbst aussuchen, wie viel Geld sie zu TLTRO-Bedingungen nehmen.

Einen Hinweis gibt Draghi aber doch: "Unser Ziel ist, die Größe unserer Bilanzsumme dorthin zu bewegen, wo sie Anfang 2012 war." Also abermals die LTRO-Zeit. Im März 2012 überstieg die Bilanzsumme des Euro-Systems erstmals drei Billionen Euro und erreichte damit annähernd ihren Rekordstand, bevor die Banken im Sommer mit der Rückzahlung der LTRO-Liquidität begannen. Heute steht die Bilanzsumme leicht über zwei Billionen Euro.

Um rund eine Billion geht es also, wenn man Draghis Worte mit maximalem Spielraum auslegt. Der Notenbanker hatte zuvor bereits klargestellt, dass der europäische ABS-Markt mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro zu klein sei, um damit allein geldpolitisch viel zu bewirken. Mit den Pfandbriefen kommen weitere rund 200 Milliarden hinzu. Beim letzten LTRO-Tender belief sich die Nachfrage auf gut 500 Milliarden Euro. Wenn es wieder so läuft, kommt es mit der Billionen-Frage annähernd hin.

Zunächst hat Draghi vor allem Worte geliefert - bisher schon seine wirksamste Waffe gegen die Euro-Krise. Er hat die selbst geschürten Erwartungen bedient, zugleich aber die Bedenken der Kritiker aufgegriffen, die zunächst zum Abwarten raten. Bald aber wird es wohl um richtiges Geld gehen.

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