US-Präsident greift in die Trickkiste Trumps nächster Streich - er will die US-Handelsbilanz frisieren

Zufriedener Präsident: Donald Trump will nun offenbar die Methode ändern, mit der die USA ihre Handelsbilanz berechnen

Zufriedener Präsident: Donald Trump will nun offenbar die Methode ändern, mit der die USA ihre Handelsbilanz berechnen

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Schreckt der neue US-Präsident wirklich vor nichts zurück? Einem Bericht des "Wall Street Journal " zufolge plant Donald Trump nun auch noch, an der nationalen Handelsbilanz der Vereinigten Staaten herum zu tricksen. So soll das Bilanzdefizit der USA größer erscheinen als es nach gängiger Messung ist. Trump wolle damit mehr Rückhalt in der Bevölkerung für seinen geplanten Protektionismus mit Zöllen und der Kündigung von Handelsabkommen gewinnen, heißt es.

Um das zu erreichen, will die US-Regierung dem Bericht zufolge bestimmte Exporte künftig einfach aus der Handelsbilanz der USA verschwinden lassen. Und zwar konkret jene Exporte von Produkten, die nicht in den USA hergestellt wurden, die also zuvor in gleichem Zustand aus einem anderen Land in die USA importiert wurden.

Als Beispiel nennt das "Wall Street Journal" den Fall eines Autohändlers, der 100 Neuwagen von BMW aus Deutschland einführt, davon jedoch lediglich 50 in den USA verkauft und den Rest in Kanada. Jene 50 Autos, die das Land in Richtung Kanada wieder verlassen, werden gegenwärtig - wie international üblich - in der Handelsbilanz der USA als Exporte erfasst. Das soll laut "WSJ" künftig jedoch nicht mehr der Fall sein.

In Zukunft würden die re-exportierten Autos überhaupt nicht mehr in der Handelsbilanz erfasst werden. Der Effekt: Unterm Strich würde die Bilanz künftig - um im Beispiel zu bleiben - nicht wie bisher lediglich 50 importierte BMWs enthalten (also 100 importierte minus 50 wieder exportierte), sondern sämtliche 100. Der Beitrag der importierten BMWs zum Handelsbilanzdefizit der USA wäre entsprechend in Zukunft doppelt so hoch wie bisher.

Wer ist verantwortlich?

Laut "WSJ" haben Beamte der Behörde des US-Handelsbeauftragten intern bereits Berechnungen nach der neuen Methode vorgelegt, wenn auch unter Protest. Wer die neue Kalkulationsweise, die in dieser Art bislang offenbar eher von der politischen Linken favorisiert wurde, in Auftrag gegeben hat, ist dem Bericht zufolge unklar. Da Präsident Trump bislang noch keinen US-Handelsbeauftragten ernannt habe, falle der Blick vor allem auf Peter Navarro, der als Trumps Direktor für Handel und Industriepolitik sowie Leiter des Nationalen Handelsrats derzeit der ranghöchste Handelsoffizielle der US-Regierung sei.

In einem Beitrag der "Süddeutschen Zeitung " über Trumps Absichten zitiert die Zeitung einen ehemaligen Statistiker der US-Regierung mit der Einschätzung, die Unabhängigkeit der US-Statistikämter generell sei in Gefahr. In einer Welt der "alternativen Fakten", so die Sorge, sei möglicherweise bald kein Verlass mehr auf offizielle Zahlen und Daten von Seiten der US-Regierung.

Andere Experten bleiben jedoch gelassen. Trump werde mit einem solchen Vorstoß nicht weit kommen, sagt ein Harvard-Professor laut "SZ". Journalisten und Wissenschaftler könnten schließlich immer noch auf Daten der Vereinten Nationen zurückgreifen, die auch künftig nach der korrekten Methode rechneten.

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