Flüchtlinge als Konjunkturimpuls Sie kommen und bringen Wohlstand

Flüchtling in einer Lernwerkstatt: Selbst wenn die Integration in den Arbeitsmarkt schlecht läuft, gewinnt Deutschland laut DIW langfristig durch die Migration

Flüchtling in einer Lernwerkstatt: Selbst wenn die Integration in den Arbeitsmarkt schlecht läuft, gewinnt Deutschland laut DIW langfristig durch die Migration

Foto: DPA

Die neue Konjunkturprognose der EU-Kommission  ist eher durchwachsen. Griechenland steckt noch weitere zwei Jahre in der Rezession fest, Italien entkommt ihr nur langsam, Frankreich und Spanien verfehlen ihre Defizitziele. Alles in allem leidet der Kontinent weiter unter viel zu schwacher wirtschaftlicher Nachfrage.

Einen Lichtblick sieht die Behörde in Deutschland. Die Wachstumsprognose wurde zwar auch für dieses Land gesenkt. Doch die massenhafte Einwanderung von Asylbewerbern bringe einen positiven Impuls, urteilen die Konjunkturforscher.

"Die Unterbringung von Flüchtlingen wird über den Prognosezeitraum die Sozialausgaben erhöhen, während mit Blick auf die starken Einwanderungsströme zusätzliche für Infrastruktur und Sozialwohnungen bereitgestellte Mittel die öffentlichen Investitionen allmählich steigern dürften", heißt es in dem am Donnerstag vorgelegten Bericht.

EU erwartet mehr Jobs, aber niedrigere Löhne

Das bedeutet eine Belastung für die Staatshaushalte, die allerdings dennoch auf Sicht im Überschuss bleiben. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es ohnehin ein Plus. Schließlich wird nicht nur in Brüssel seit Jahren bemängelt, dass Deutschland zu wenig investiert.

In einer Simulation berechnet die EU den Effekt detailliert, abhängig von der Qualifikation der Einwanderer und ihrer Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Die Flüchtlingswelle werde das jährliche Wachstum der deutschen Wirtschaftsleistung in den kommenden Jahren um 0,3 bis 0,7 Prozentpunkte steigern.

Pro Kopf gerechnet, ergibt sich wegen der größeren Bevölkerung allerdings ein Minus, und auch die Löhne sollen etwas niedriger ausfallen. Dafür werde die Beschäftigung im Jahr 2020 um 1 Prozent größer sein als ohne die Flüchtlinge.

Laut DIW gewinnen auch die Einheimischen - die Frage ist nur, wann

IfW Kiel, Institut für Journalistik TU Dortmund

Noch etwas ausführlicher beschäftigt sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in seinem aktuellen Wochenbericht (PDF)  mit dem Thema. Institutschef Marcel Fratzscher und Simon Junker, der Leiter der DIW-Konjunkturabteilung, sehen die Integration von Flüchtlingen als "eine langfristig lohnende Investition".

Die kurzfristigen Kosten seien zwar "zweifellos massiv". Die zusätzliche Nachfrage werde aber über Multiplikatoreffekte auch den Wohlstand der Alteingesessenen steigern - die Frage sei nur, wann.

In einem optimistischen Szenario des DIW würde der Nutzen die Kosten ab 2018 übersteigen. Langfristig würden die Pro-Kopf-Einkommen derer, die bereits in Deutschland leben, um fast 1 Prozent steigen. Ein pessimistisches Szenario gibt es auch, in dem in zehn Jahren noch die Hälfte der Flüchtlinge arbeitslos ist und diejenigen, die arbeiten, nur gut halb so produktiv sind wie die Veteranen des Arbeitsmarkts. Dann wäre der Wohlstandsgewinn laut der Simulation eher gering und erst in etwa zwölf Jahren da.

"Auch wenn die Integration in den Arbeitsmarkt langsamer verlaufen sollte als erhofft, so werden die Flüchtlinge langfristig einen positiven wirtschaftlichen Beitrag für Deutschland leisten", schreiben Fratzscher und Junker - das würde in etwa der schwedischen Erfahrung entsprechen.

Sowohl DIW als auch EU-Kommission betonen, dass ihre Zahlen nicht als Prognosen zu verstehen seien, weil die Annahmen zu unsicher seien. Aber dies sind die umfassendsten Versuche, die wirtschaftlichen Folgen der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen zu analysieren. Und sie zeigen riesige Chancen auf.


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