Sonntag, 21. Juli 2019

Ökonomen überraschen mit Prognose für 1. Quartal Deutsche Wirtschaft vor starkem Comeback

Überraschwenderweise auch die deutsche Industrie dürfte zum Aufschwung im ersten Quartal beigetragen haben, sagen Banken-Ökonomen
Hendrik Schmidt/ / DPA
Überraschwenderweise auch die deutsche Industrie dürfte zum Aufschwung im ersten Quartal beigetragen haben, sagen Banken-Ökonomen

Eine starke Baubranche und ausgabefreudige Verbraucher haben die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal offenbar kräftig angeschoben. Ökonomen jedenfalls erwarten ein überraschend hohes Plus beim Bruttoinlandsprodukt. Für das Gesamtjahr sehen die Prognosen bislang weniger erfreulich aus.

Die zuletzt knapp an einer Rezession vorbeigeschrammte deutsche Wirtschaft dürfte ein überraschend starkes Comeback feiern - dank boomender Baubranche und kauffreudiger Verbraucher. Die vom Wirtschaftsnachrichtendienst Reuters befragten 22 Banken-Ökonomen rechnen für das erste Quartal im Schnitt mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,4 Prozent.

Ob sie recht behalten, zeigt sich am Mittwoch, wenn das Statistische Bundesamt seine Schätzung veröffentlicht. Im dritten Quartal 2018 war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,2 Prozent geschrumpft, dem eine Stagnation am Jahresende folgte. Dazu trugen Sondereffekte wie die holprige Umstellung auf den Abgasprüfstandard WLTP in der Autoindustrie und das Niedrigwasser auf dem Rhein zu, das die Chemieindustrie belastete.

"Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Quartal wohl wieder spürbar zugelegt", sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. "Überraschenderweise scheint hierfür die deutsche Industrie mitverantwortlich gewesen zu sein", erklärte Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge wuchs das Produzierende Gewerbe von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal, wozu in erster Linie die boomende Baubranche beisteuerte. Deren Produktion wuchs um kräftige 3,9 Prozent. "Zusätzlich sprechen die Einzelhandelsumsätze der letzten Monate für einen kräftigen Anstieg des privaten Verbrauchs", sagte Bayer. Steigende Beschäftigung und höhere Löhne kurbeln derzeit die Kauffreude an.

Allerdings dürfte das erwartete robuste Abschneiden im ersten Quartal nichts daran ändern, dass 2019 ein insgesamt schwächeres Jahr zu werden droht. Bundesregierung und EU-Kommission rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent, nachdem es 2018 noch zu 1,4 Prozent gereicht hatte. Die Wirtschaftsweisen hatten kürzlich ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,8 Prozent gesenkt.

Leichte Abschwächung schon im zweiten Quartal erwartet

Im laufenden zweiten Quartal dürfte die Wirtschaft wieder leicht schrumpfen, erwartet Commerzbank-Experte Solveen angesichts gesunkener Neuaufträge für die Industrie. "Das Wachstum im zweiten Quartal dürfte schon wieder deutlich schwächer ausfallen", sagte auch Postbank-Experte Bayer. "Nicht zuletzt, weil bei den Bauinvestitionen nach dem wahrscheinlichen Schub zu Jahresbeginn in der laufenden Periode eine Gegenbewegung zu erwarten ist."

Die Experten der BayernLB erwarten, dass zumindest die Exporte wieder besser laufen könnten. "Ab dem zweiten Quartal rechnen wir mit einer Erholung der Nachfrage aus China, welche den deutschen Exportsektor beleben dürfte", hieß es mit Blick auf die in der Volksrepublik beschlossenen Investitionen und Steuersenkungen. "Von No-Deal-Brexit über einen globalen Nachfrageeinbruch aufgrund des Zollwettlaufs zwischen den USA und China bis hin zu einer möglichen Eskalation im Handelsstreit zwischen der EU und den USA bestehen aber erhebliche Abwärtsrisiken."

rei/Reuters

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