Unerwartetes Plus Einzelhandelsumsatz steigt überraschend

Die IKauflust der Deutschen macht sich vermehrt in den Kassen der Einzelhändler bemerkbar. Im Mai stiegen die Umsätze der Kaufleute real um 0,8 Prozent - deutlich stärker, als von Experten erwartet worden war. Dabei spielt aber auch ein Preisschub eine Rolle.
Lebensmittel: Zuletzt deutlich teurer

Lebensmittel: Zuletzt deutlich teurer

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz im Mai überraschend deutlich gesteigert. Er stieg um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Preisbereinigt (real) gab es mit 0,8 Prozent den ersten Zuwachs nach zuvor drei Rückgängen in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem realen Plus von 0,2 Prozent gerechnet.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat hatten die Einzelhändler 2,0 Prozent und real 0,4 Prozent mehr in den Kassen. Der Mai zählte in beiden Jahren jeweils 24 Verkaufstage. Besonders kräftige Zuwächse verzeichneten Supermärkte und Warenhäuser mit 4,8 Prozent, gefolgt vom Internet- und Versandhandel mit 3,9 Prozent. Der sonstige Einzelhandel - zu dem beispielsweise Buch- und Schmuckgeschäfte gehören - mussten mit 1,9 Prozent die stärksten Einbußen hinnehmen. Von Januar bis Mai legte der Umsatz um 1,6 Prozent zu.

Der Einzelhandelsverband HDE erwartet im Gesamtjahr ein Plus von 1,0 Prozent. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die Kauflaune der Deutschen ist derzeit so gut wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr, wie die GfK-Forscher bei ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern herausfanden. Grund dafür sind die sinkende Arbeitslosigkeit, steigende Löhne und geringe Inflation.

Mittlerweile macht sich im deutschen Einzelhandel auch die Lust der Konsumenten an Konsum auf Pump bemerkbar - auch, wenn sie es sich gar nicht leisten können. Die Kreditsummen für diese Ausgaben steigen. Der Bankenverband erklärt die Geldhäuser hierzulande zum eigentlichen Konjunkturmotor: Viele Warenkäufe seien überhaupt nur wegen eines entsprechenden Kreditangebots zustande gekommen. Das Geschäft der Kreditbanken habe sich deutlich besser entwickelt als die entsprechenden Absatzmärkte.

Dabei werden vor allem Ratenkredite beliebter: Mehr als jeder vierte Haushalt nutzt sie bereits regelmäßig, um Konsumgüter anzuschaffen. Die Ratenkredite werden immer häufiger direkt beim Einzelhändler vor Ort abgeschlossen. Die Angebote für Konsum auf Pump sind allgegenwärtig - sei es der "Null-Prozent-Kredit" beim Elektronikhändler, die "Mini-Raten" beim Möbelkauf oder das "Super-Niedrigzins-Angebot" im Küchenstudio.

kst/rtr
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