Dauer-Boom - aber nicht in Deutschland Die Wirtschaft läuft und läuft und läuft ... in Australien

Deutsche Volkswirte debattieren derzeit, ob die Wirtschaft überhitzt. Das Ifo-Geschäftsklima ist so gut wie noch nie. Manche Branchen seien mit ihren vielen Aufträgen schon "überlastet", argumentiert das Kieler Institut IfW.

Bevor die Unternehmen noch mehr investieren oder einstellen, sollte die Konjunktur demnach lieber gebremst werden - zum Beispiel mit höheren Kreditzinsen. Andernfalls würde ein ungesund starker Boom drohen, der sich dann mit hoher Inflation rächt und/oder in einen umso stärkeren Kollaps umschlägt. Zwar sind die Wachstumsraten nicht überragend. Das IfW verweist aber auf den "gestreckten Aufschwung", der ungewöhnlich lange dauere.

Wie die von Statista  für manager-magazin.de angefertigte Infografik zeigt, liegt das Boomland D eher im internationalen Mittelfeld, gleichauf mit Frankreich und Italien, wo niemand über konjunkturelle Überhitzung klagt. Glatte vier Jahre dauert der Aufschwung bisher. Mit dem an diesem Freitag beendeten Frühjahrsquartal kommt vermutlich Quartal Nummer 17 hinzu.

Wir folgen hier der so genannten Zeitungsdefinition: Rezession = zwei Quartale in Folge mit rückläufiger Wirtschaftsleistung. Das war in Deutschland - ebenso wie den anderen wichtigen Volkswirtschaften der Euro-Zone - zuletzt im Winter 2012/2013 der Fall. Angesichts weiter guter Lage am Arbeitsmarkt wurde diese Rezession im Land allerdings nur als kleine Delle wahrgenommen.

Ignoriert man sie, verdoppelt sich die gute Zeit auf 32 Quartale oder volle acht Jahre seit dem Frühjahr 2009. Damit wäre Deutschland in einer Liga mit Großbritannien und den USA, die sich seitdem von der weltweiten Wirtschaftskrise erholen. Allesamt sind die Volkswirtschaften weit davon entfernt, den entstandenen Schaden so weit wieder auszugleichen, dass sie an den Wachstumstrend vor 2008 wieder anknüpfen könnten.

Die Zeitungsdefinition hat den Vorteil, dass sie ein klares und vergleichbares Signal liefert, um Auf- und Abschwung zu trennen. Offizielle Meldungen zu Start und Ende einer Rezession aufgrund einer gesamtwirtschaftlichen Analyse, wie sie in den USA das National Bureau of Economic Research abgibt, existieren anderswo nicht.

Der Nachteil: Die Grenze ist ziemlich willkürlich. Wenn das Bruttoinlandsprodukt ein halbes Jahr lang um 0,1 Prozent schrumpft, wird von einer Rezession gesprochen. Wächst es um 0,1 Prozent, hingegen nicht - obwohl es kaum einen spürbaren Unterschied gibt.

Australien bricht den Rekord der Niederlande

Australische Metropole Sydney

Australische Metropole Sydney

Foto: Brendon Thorne/ Getty Images

Mit Blick auf Südkorea könnten die Deutschen vor Neid erblassen. Dort datiert die letzte Rezession auf 1998, der Aufschwung geht in sein 77. Quartal. Allerdings zeigen Umfragen, dass die Südkoreaner ein katastrophales Bild von der wirtschaftlichen Lage ihres Landes haben. Da mag auch das erodierte Vertrauen in die Institutionen nach der Amtsenthebung der Präsidentin Park Geun-hye, der Führungskrise des Samsung-Konzerns und der Pleite der Großreederei Hanjin eine Rolle spielen.

Kaum zu stoppen scheint die australische Wirtschaft, und das schon seit dem Sommer 1991. Obwohl das Land stark vom Rohstoffexport abhängt, was dem nicht weniger zuversichtlichen Kanada 2015 eine Rezession bescherte und viele Schwellenländer in eine bis heute anhaltende ernste Krise stürzte, blieb es bei einem kurzen Knick von einem Quartal im vergangenen Sommer (auf der Südhalbkugel: Winter).

"Unser Wachstum bestätigt den erfolgreichen Wandel vom größten Boom in Rohstoffinvestitionen unserer Geschichte hin zu breiter aufgestelltem Wachstum", prahlt Australiens Finanzminister Scott Morrison. Geholfen hat wohl auch die Tatsache, dass die australischen Eisenerz- und Kohlewerke besonders niedrige Kosten haben und deshalb im Gegensatz zur Konkurrenz auch bei Dumpingpreisen noch weiter produzieren.

Jedenfalls hat Australien jetzt den Rekord für den längsten Aufschwung eines Industrielandes in der statistisch erfassten Zeit gebrochen. Der gehörte bislang den Niederlanden, deren Wirtschaft von 1982 bis 2008 ohne Unterbrechung (von mehr als einem Quartal) wuchs.

Außer Konkurrenz läuft China, das erst seit 1992 Quartalsdaten erhebt und seitdem nicht einen einzigen Rückgang verbuchte - nach der rückwirkend erfassten Statistik seit 1976, als das Chaos der "Viererbande" herrschte. Von Rezession sprechen die Chinesen aber trotzdem, zum Beispiel wenn die Wachstumsraten deutlich unter die Zielmarke von 7 Prozent fallen. Zweifel an der Qualität der Daten sind ohnehin vorbehalten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.