Sonntag, 31. Mai 2020

Erste erfreuliche Überraschungen in der Corona-Krise In der Hoffnungskurve

In Chinas Wirtschaft kehrt das Leben zurück - hier in einem Juweliergeschäft in Wuhan
Shen Bohan/XinHua/dpa
In Chinas Wirtschaft kehrt das Leben zurück - hier in einem Juweliergeschäft in Wuhan

Nach den Wochen der Corona-Schocknachrichten gibt es erste erfreuliche Überraschungen. Der Wendepunkt dieser Krise könnte langsam in den Blick kommen.

Die Corona-Krise hat ihren Höhepunkt noch längst nicht erreicht. Die Zahl der Infizierten steigt ständig. Die ökonomischen Folgen fressen sich täglich tiefer in die Wirtschaft. Das Virus lähmt Logistik und Transaktionen, Zahlungsströme und Zukunftsplanung. Mit etwas Verzögerung erreicht das auch den deutschen Arbeitsmarkt.

Trotzdem lässt sich in dieser Woche erstmals hoffen, dass eine Zeit der gelegentlich guten Nachrichten begonnen hat. Oder anders gesagt: dass der Wendepunkt näher rückt.

So deuten die neuesten Fallzahlen darauf hin, dass sich das Tempo der Ansteckungen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern verlangsamt. Und für die positive Wirtschaftsnachricht des Tages sorgt ein wichtiger Frühindikator aus China. Dort ist der Einkaufsmanagerindex des nationalen Statistikamts, der auf Befragungen in der Industrie basiert, nach einem Rekordtief im Februar wieder in den grünen Bereich oberhalb der 50 Punkte zurückgeschossen. In Chinas verarbeitendem Gewerbe geht es wieder aufwärts. Der Index für die Dienstleister signalisiert ebenfalls Expansion.

Weder die europäischen Infektionsraten noch der chinesische Einkaufsmanagerindex sind für sich genommen Anlass, Entwarnung zu geben. Sie erinnern aber daran, dass es auch in Krisensituationen grundfalsch ist, die jüngsten Entwicklungen immer nur fortzuschreiben. In den nächsten Wochen dürften sich die Zeichen einer Stabilisierung - auf schlimmem Niveau - mehren.

Das kräftige V, das der chinesische Umfrage-Index markiert, überzeichnet die Verbesserung natürlich drastisch. Die positive Grundbotschaft ist zwar plausibel. Sie passt zu etlichen anderen Daten, die nach dem Ende des Wuhan-Shutdowns zum Beispiel einen Wiederanstieg des Kohleverbrauchs und eine Wiederbelebung der Hafenaktivitäten in China zeigen.

Abgefragt wird bei den Einkaufsmanagern aber nur, ob sich die Geschäfte im Vergleich zum Vormonat verbessern oder verschlechtern. Nach dem Absturz im Februar hat im März die zu erwartende Gegenbewegung eingesetzt. Wie kräftig und nachhaltig die ausfällt, ist offen.

In der Corona-Krise gab es bislang vor allem viele negative Überraschungen. Das lag auch daran, dass die menschliche Intuition sich schwer tut, exponentielle Kurven wirklich zu erfassen und vorwegzunehmen. Wer aktuelle Entwicklungen linear fortschreibt, wird von der explosiven Wucht etwa einer Infektionskurve immer wieder böse überrascht.

Flacht sich eine Kurve aber irgendwann ab, dann irrt die Intuition auch in die umgekehrte Richtung: Die tatsächliche Entwicklung bleibt dann immer wieder hinter dem Trend zurück, den die lineare Fortschreibung ergibt. So gesehen könnte demnächst die Zeit der kleinen positiven Überraschungen beginnen.

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