Sonntag, 17. November 2019

Stärkster Rückgang seit 15 Monaten Chinas Industrie schreckt auf

Wirtschaft im Umbruch: Chinas Regierung unterzieht der Wirtschaft des Landes gerade den größten Umbau seit Jahrzehnten

Die Stimmung chinesischer Unternehmer ist auf den tiefsten Stand seit 15 Monaten gefallen. Das geht aus einem wichtigen Frühindikator für die Konjunktur des Landes hervor, den das chinesische Wirtschaftsmagazin Caixin am Freitag vorlegt hat.

Der Einkaufsmanagerindex der verarbeitenden Industrie (PMI) ging demnach im Juli auf 48,2 Punkte zurück, nach 49,4 Punkten im Juni. Werte von über 50 Punkten sprechen für eine gute Entwicklung der Wirtschaft, während alle Werte unter der kritischen Marke auf Probleme hindeuten.

Chinas Wirtschaft war von Januar bis Juni im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 um 7 Prozent gewachsen und hatte damit genau das Ziel der Regierung getroffen. Experten gehen jedoch davon aus, dass das tatsächliche Wachstum längst unter diese Marke gerutscht ist.

Wird Peking die Wirtschaft jetzt weiter stützen

Die neuen Daten dürften Spekulationen befeuern, dass Chinas Regierung weitere Schritte zur Ankurbelung der Konjunktur unternehmen wird. An Chinas Börsen war es in der ersten Monatshälfte zu einem Ausverkauf gekommen. Die Regierung hat zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Verkaufswelle zu stoppen.

Probleme bereiten der chinesischen Industrie neben steigenden Lohnkosten auch die schwächelnde Weltwirtschaft, wegen der die Nachfrage aus dem Ausland nach chinesischen Waren zurückgeht.

Chinas Regierung unterzieht der Wirtschaft des Landes gerade den größten Umbau seit Jahrzehnten. Das Land will unabhängiger von Exporten werden und nicht länger die verlängerte Werkbank der Welt sein. Stattdessen soll Innovation gefördert und ein Hochtechnologiesektor aufgebaut werden.

Börsen in Asien nach schwachen Daten unter Druck

Die unerwartet schwachen Konjunkturdaten haben die Börsen in Fernost am Freitag belastet. Hinzu kamen negative Vorgaben der Wall Street, die enttäuschende Geschäftszahlen zu verdauen hatte. "Alle machen sich Sorgen um die chinesische Wirtschaft", sagte die Volkswirtin Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank.

In Tokio ging der Nikkei Börsen-Chart zeigen fast 0,7 Prozent tiefer bei 20.544 Punkten aus dem Handel. Zu den Verlierern gehörten insbesondere Unternehmen wie Fanuc, für die China ein wichtiger Markt ist. Die Aktie des Roboter-Bauers verbilligte sich um knapp 1,8 Prozent. Der MSCI-Index für die Aktien der Asien-Pazifik-Region ohne Japan tendierte 0,9 Prozent niedriger.

Auch die Börse in Hongkong notierte im Minus. Die Börse in Shanghai allerdings steuerte auf einen weiteren Tagesgewinn zu. Experten gaben zur Begründung an, es könne davon ausgegangen werden, dass die Regierungsseite auf Schwächesignale mit weiterer Unterstützung für die Konjunktur reagieren werde.

rei/dpa /reuters

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