Dienstag, 12. November 2019

Weltwirtschaft Große allgemeine Verunsicherung

Gurgaon in Indien: Der Westen hat als Vorbild ausgedient, einfache Lösungen sind nicht mehr zu haben

2. Teil: Die Zukunft des Geldes: Zentralbanken abschaffen oder "Vollgeld" schaffen?

Akademisch gefärbte Diskussionen kommen in ungewohnt radikalem Sound daher. Der Kieler Konjunktuforscher Stefan Kooths leitet eine Gesprächsrunde, in der es um "die Zukunft des Geldes" geht. Die Positionen changieren zwischen zwei ziemlich extremen Positionen: der Privatisierung des Geldes samt faktischer Abschaffung der Zentralbanken einerseits und andererseits der Schaffung von "Vollgeld", was den staatlichen Notenbanken absoluten Durchgriff gäbe und den Geschäftsbanken große Teile des Geschäfts wegnähme.

Um die krisenanfällige Weltwirtschaftsunordnung auf ein solideres Fundament zu stellen, kann sich Daniel Stelter, Ex-Boston-Consulting-Partner (und manager-magazin-online-Kolumnist) vorstellen, eine Art globale Zentralbank einzurichten mit weitreichenden Kompetenzen zu schaffen. Hauptziel: Staaten und Privatwirtschaft das Schuldenmachen weitgehend zu verbieten, so dass sich eine neue Finanzkrise nicht wiederholen kann.

Ideen, die auch anwesende Vertreter der OECD oder der EU-Kommission nicht mehr als völlig absurd abtun. Die große allgemeine Verunsicherung zeigt auch bei etablierten Fachleuten Wirkung.

Westliches Leitbild am Ende: Eine neue Erzählung für die Welt

Chandran Nair, Leiter des Hongkonger Thinktanks Global Institute for Tomorrow, fordert eine "neue Erzählung" für die Welt. Neue Ziele, neue Visionen - weil das westliche Leitbild des Immer-mehr an materiellem Wohlstand und Geld, dem Asien so erfolgreich nachgeeifert hat in den vergangenen Jahrzehnten, an sein Ende geraten sei. Es sei doch völlig klar, tönte Nair, dass es so nicht weitergehe. Aber: "Wir schlafen am Steuerrad."

So könne doch jeder sehen, wie die vordergründig glitzernden neuen Metropolen Asisens in Wirklichkeit unter Ökostress, Dauerstau und krassen sozialen Gegensätzen litten, also offfensichtlich an den wirklichen Befürfnissen vorbei gebaut seien.

Überhaupt, der Westen: Azman Mokhtar, Chef des Staatsfonds Malaysias, spottete über die Europäer, die ihre Probleme im Finanzsektor immer noch nicht im Griff haben. Eben jene Leute, die den Asiaten während ihrer Krise 1997/98 mächtig Druck machten und via IWF auf radikale Maßnahmen drängten.

Malaysias Vize-Premier Muhyiddin bin Mohd Yassin nannte die Europäer zwar nicht beim Namen. Aber als er über die dramatisch hohe Arbeitslosigkeit, vor allem unter jungen Leute, und die großen Finanzrisiken sprach, die die Welt nach wie vor in Atem hielten, war auch so deutlich, wer gemeint war.

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