Montag, 18. November 2019

Schäuble zu Griechenland Weiterer Schuldenschnitt "Unsinn"

Stillstand in Athen: Kein ungewöhnlicher Anblick in Zeiten der Krise

Mehr als zehn Milliarden Euro braucht Griechenland in den kommenden Jahren, errechnet das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Einen weiteren Schuldenschnitt indes schloss Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble aus.

Berlin - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat seine Ablehnung eines zweiten Schuldenschnitts für Griechenland bekräftigt. In einem Interview der "Wirtschaftswoche" trat er Spekulationen entgegen, ein solcher Schnitt sei für die Zeit nach der Bundestagswahl geplant. "Solches Gerede war und ist Unsinn", sagte der CDU-Politiker dem Magazin. Nichts sei auf die Zeit "nach der Wahl" verschoben worden. An seiner Position habe sich nichts geändert. Er habe in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass wahrscheinlich Mitte 2014 Gespräche über eine Anschlussfinanzierung für Griechenland nach Ablauf des aktuellen Hilfsprogramms nötig würden. Sollte es zu einer solchen Zusatzfinanzierung kommen, "würde diese aber nur einen Bruchteil der bisherigen Programme ausmachen."

Wie hoch diese Summe ausfallen könnte, hat das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnet - mehr als zehn Milliarden Euro zusätzliche Hilfen in den nächsten Jahren. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sagte der "Bild"-Zeitung: "Es steht außer Frage, dass Griechenland 2014 ein weiteres Hilfspaket braucht. Die Griechen werden auch nach 2015 noch Hilfen benötigen, die deutlich über die bisher vom IWF geschätzten zehn Milliarden Euro hinausgehen." Der DIW-Präsident erklärte, die genaue Höhe des nächsten Hilfspakets werde sich danach richten, wie die Umschuldung gestaltet werde oder ob es einen Schuldenschnitt gebe.

Über eine weitere Form der Hilfe wird angeblich in Athen debattiert - bislang indes unbestätigt. Regierungskreisen zufolge will das Land einen großen Teil seiner Schulden bei den internationalen Geldgebern auf bis zu 50 Jahre verlängern. Ein entsprechendes Tauschgeschäft werde die Regierung in Athen dann vorschlagen, wenn ein Überschuss im Primärhaushalt erzielt werde und damit die Bedingungen für weitere Erleichterungen erreicht seien, sagte ein mit den Überlegungen vertrauter Regierungsvertreter am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei es, Kredite aus dem ersten Rettungspaket in die 50-jährige Anleihe zu tauschen. Zu einem möglichen Volumen äußerte sich der Insider nicht.

got/dpa/rtr

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