Mittwoch, 22. Mai 2019

Konjunktur in Deutschland Regierung sehnt Wachstum herbei

Containerterminals im Hamburger Hafen: Das HWWI rechnet ab Jahresmitte mit steigender Auslandsnachfrage
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Containerterminals im Hamburger Hafen: Das HWWI rechnet ab Jahresmitte mit steigender Auslandsnachfrage

Nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministeriums hat sich die wirtschaftliche Erholung in Frühjahr "etwas verstärkt". Volkswirte bleiben skeptisch - auch, was die Effekte des Hochwassers angeht.

Berlin - Für das zweite Quartal zeichnet sich laut Bundesregierung ein beschleunigtes Wachstum ab. "Im Frühjahr hat sich die wirtschaftliche Erholung, die im Verlauf des ersten Quartals begann, etwas verstärkt", hieß es am Dienstag im Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. Wegen des langen Winters war das Bruttoinlandsprodukt von Januar und März 2013 nur um 0,1 Prozent gestiegen.

Nach Ansicht des HWWI-Instituts dürfte die Wirtschaft ab Mitte des Jahres vor allem von einer wachsenden Auslandsnachfrage profitieren. "Flammt die Krise im Euro-Raum nicht wieder auf, bestehen Chancen für eine Erholung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte und einen weiteren Aufschwung im kommenden Jahr", erklärten die Hamburger Forscher.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für April bis Juni mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. "Das sieht ordentlich aus, aber man hätte wegen des Nachholbedarfs vom schwachen Jahresstart mehr erwarten dürfen", sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann jüngst. Wegen der Flut könnten Betriebe nicht produzieren, Läden nicht öffnen, Restaurants keine Gäste empfangen. "Das alles kostet im Moment Wachstum - wenn auch nicht flächendeckend für ganz Deutschland."

BDI-Chef Grillo: "Sehen noch Chancen"

Die Industrie hält trotz der immensen Flutschäden in Teilen des Landes an ihrer Wachstumsprognose für die Wirtschaft von 0,8 Prozent 2013 fest. Dies zu erreichen, sei schwer, räumte BDI-Präsident Ulrich Grillo beim "Tag der Deutschen Industrie" in Berlin ein. "Aber wir sehen noch Chancen, dass es klappt".

Schwierig sei derzeit, den Einfluss des Hochwassers einzuschätzen. Erfahrungsgemäß dürften die zunächst konjunkturhemmenden Wirkungen nach und nach abebben und durch Impulse aus dem Wiederaufbau ausgeglichen werden, sagte der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Deshalb sei nur mit einem verzögerten Wachstum zu rechnen.

Sorge bereiten Grillo die schleppenden Investitionen der Firmen. Diese könnten nach Ansicht der HWWI-Forscher an Tempo gewinnen, wenn sich die rezessionsgeplagte Euro-Zone wie erwartet stabilisiert. Für Schwung sorgten insgesamt nicht nur der private Konsum und der Wohnungsbau. "Die Weltkonjunktur nimmt inzwischen wieder an Fahrt auf, so dass auch aus der übrigen Welt stützende Signale für die deutsche Wirtschaft zu erwarten sind."

Unter dem Strich rechnet das Hamburgische WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) für dieses Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent, der sich 2014 auf 1,7 Prozent beschleunigen dürfte. Damit sind die Forscher skeptischer als der BDI, aber optimistischer als die Bundesbank. Diese veranschlagt für 2013 nur plus 0,3 Prozent Wachstum und für 2014 plus 1,5 Prozent.

ts/rtr

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