Einkaufsmanagerindex Rezession in Europa nähert sich dem Ende

Noch meldet die Industrie in der gesamten Euro-Zone schrumpfende Produktion und Beschäftigung. Doch in allen Ländern verbessern sich die Werte im Frühwarnsystem der Einkaufsmanager deutlich. Einen besonders großen Sprung macht Spanien.
Hoffnung in der Industrie: Noch belastet der Sektor die Wirtschaft europaweit

Hoffnung in der Industrie: Noch belastet der Sektor die Wirtschaft europaweit

Foto: Tobias Kleinschmidt/ picture alliance / dpa

Berlin - Die deutsche Industrie hat dank guter Geschäfte zuhause und in Übersee wieder Wachstum vor Augen. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Mai um 1,3 auf 49,4 Punkte, teilte das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Damit liegt das Barometer nur noch knapp unter der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum signalisiert.

"Produktion und Aufträge sind erstmals seit drei Monaten wieder gestiegen", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. "Eine stärkere Binnennachfrage hat die Produktion angekurbelt, während die sinkenden Exporte in die Euro-Zone weitgehend durch neue Aufträge aus China und den USA ausgeglichen wurden."

Für die Unternehmen hat die weltweite Konjunkturflaute auch einen Vorteil: Die Kosten für den Einkauf von Vormaterialien wie Metalle sind so stark gesunken wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Auch deshalb senkten die Unternehmen ihre Verkaufspreise so deutlich wie seit Januar 2010 nicht mehr.

Deutsche Maschinenbauer verbuchen wieder mehr Aufträge

Auch in den anderen großen Volkswirtschaften der Euro-Zone verbesserten sich die Umfragewerte deutlich - zeigten jedoch durchweg weiterhin schrumpfende Aktivität in der Industrie an.

Der französische Einkaufsmanagerindex stieg auf 46,4 Punkte. Vorab befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit 45,5 Punkten gerechnet. Die italienische Industrie meldete 47,3 Punkte gegenüber einer Prognose von 46,2, die spanische kam auf 48,1 Punkte und damit den höchsten Stand seit 24 Monaten (Prognose: 45,5). Für die Euro-Zone insgesamt ermittelte Markit einen Einkaufsmanagerindex von 48,3 Punkten.

Außerhalb der Euro-Zone legte der Index für Großbritannien besonders stark zu: von 50,2 Punkten (nach einer Revision der Daten, die Erstmeldung hatte sich auf 49,8 belaufen) auf 51,3 Zähler. Damit ist die britische Industrie schon wieder deutlich auf Wachstum gepolt.

Die Einkaufsmanagerindizes gelten als besonders verlässliche Frühindikatoren. Ähnlich wie die Daten zu Geschäfts- oder Konsumklima basieren sie auf Umfragen und sind deutlich aktueller als die offizielle Statistik. Im Gegensatz zu den anderen Umfragen ermitteln sie aber harte Daten wie Produktion, Beschäftigung oder Preise.

Die Erholungstendenz zeigt sich auch in den Auftragsbüchern der deutschen Maschinenbauer. Nach dem schwachen Jahresstart meldeten sie im April erstmals wieder ein deutliches Plus. Die Bestellungen seien gegenüber dem Vorjahresmonat um 8 Prozent gestiegen, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag mit. Der Verband wollte zwar noch nicht von einer Trendwende sprechen. "Doch insbesondere die Auslandsnachfrage lässt hoffen, dass die Maschinenbaukunden ihre Kaufzurückhaltung bald aufgeben", erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

ak/rtr/dpa-afx
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